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Ayse Erkmen : Flexibilität ist Programm

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Pendlerin zwischen Istanbul und Berlin: Ayse Erkmen Bild:

Die türkische Künstlerin Ayse Erkman schafft temporäre Kunstwerke, die sich die Geschichte eines Ortes aneignen.

          Ayse Erkmen ist eine Pendlerin zwischen Kulturen. Aufgewachsen in Istanbul, arbeitete die türkische Künstlerin in den vergangenen Jahren häufig in Berlin. Seit sie im vergangenen Jahr eine Professur an der Städelschule in Frankfurt als Nachfolgerin von Per Kirkeby antrat, ist sie regelmäßig in der Mainmetropole anzutreffen. Dennoch ist der Gegensatz von Okzident und Orient kaum Thema für sie.

          Ihre Werke sind meist flüchtig, nur Weniges ist auf Dauer konzipiert. Erkman hat Flexibilität zum Programm erkoren. Ihre Arbeiten beanspruchen nur für eine bestimmte Zeit Raum an einem bestimmten Orten. Dann verschwinden sie wieder. Sie lenken die Aufmerksamkeit auf das Beiläufige, scheinbar Nebensächliche. Was bleibt, sind keine dauerhaften Spuren. Häufig sind es nur Erinnerungen. Die Künstlerin vermeidet, wenn möglich, ihre Werke zu interpretieren und rückt auch ihre Person in den Hintergrund.

          Türkische Spuren an Berliner Hausfassaden

          Ayse Erkmen wurde 1949 in Istanbul geboren. Sie hat dort an der staatlichen Kunstakademie studiert und 1977 im Fach Skulptur abgeschlossen. Sie produziert Videos, Plastiken und Installationen. 1994 montierte sie beispielsweise auf die Fassade eines Hauses an der Oranienstraße in Berlin-Kreuzberg Vokabeln aus schwarzem Plexiglas an die Wand. Für jene, denen die türkische Sprache fremd ist, bleiben die Buchstaben der Installation „Am Haus“ ein unverständliches Ornament. Dort sind auch keine vollständigen Sätze zu lesen, sondern türkische Verb-Endungen, die eine im Deutschen unbekannte Vergangenheitsform bezeichnen: Eine Verbform, die beschreibt, dass ein Geschehen aus einer anderen als der eigenen Perspektive erzählt wird.

          Erinnerung und Bewußtsein

          Diese Grammatik des „Es war einmal“ ist charakteristisch für Erkmans Werk. Es geht auf einen Ort ein, reflektiert seine Geschichte, seine Funktion und sein Potenzial gegenüber möglicher Veränderung.

          Für „Shipped Ships“ wollte Erkmen den Fluss als Lebensader ins Bewusstsein der Stadt zurück holen. Der Main, nur noch als Frachtlinie benötigt, wird im Nahverkehr nicht genutzt. Den Bewohnern fehlen damit auch Perspektiven ihrer Stadt, und die Kenntnis interessanter Orte am Fluss. „Ich arbeite immer mit einer einfachen Idee“, beschreibt die Künstlerin den Ausgangspunkt ihrer Arbeit. Der Fluss, der schon im Namen der Stadt auftaucht, liege im Mittelpunkt des Ortes und werde dennoch kaum beachtet.

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