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Franziskus’ Selbstinszenierung : Autor Mosebach vergleicht Papst-Auftritte mit Hitler und Stalin

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Ein Vergleich Martin Mosebachs sorgt für scharfe Kritik in katholischen Kreisen. In einem Interview hatte er die öffentlichen Auftritte von Papst Franziskus in die Nähe derer von Hitler und Stalin gerückt.

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          Der Schriftsteller Martin Mosebach vergleicht die öffentlichen Auftritte von Papst Franziskus indirekt mit denen von Stalin und Hitler. In früheren Zeiten sei das päpstliche Auftreten altmodisch und „rührend in seiner Gestrigkeit“ gewesen, sagte Mosebach im Interview der Herder Korrespondenz. Aber die „starken Männer der Moderne, ein Stalin, ein Hitler, haben ganz andere Stilmittel gebraucht, um sich ins rechte Licht zu setzen, und so hält es auch der heutige Papst“, betonte der Autor.

          Wenn bei großen Papstveranstaltungen, etwa in einem Fußballstadion, heute „Zigtausende auf eine einzelne weiße Gestalt in der Mitte ausgerichtet sind, das ist eine viel totalitärere Sprache als das umständliche, verstaubte Hofzeremoniell von einst“, so Mosebach weiter.

          Das Küssen und Liebkosen von Kindern gehöre ebenfalls zum Ritual der modernen Diktatoren, ergänzte Mosebach. Auch Kranke im Rollstuhl würden benutzt, um an ihnen Wohltätigkeit und Barmherzigkeit zu demonstrieren: „Mich überläuft es mit Schauder, wenn der regierende Heilige Vater immer von der Zärtlichkeit Gottes spricht.“

          Verlogenes Argument

          Der gemeinsam mit Mosebach interviewte Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, wies die Ausführungen zurück. „Da muss ich wirklich heftig widersprechen, weil ich es anders erlebt habe“, sagte Sternberg. Es sei eben keine Show, wenn sich Franziskus kranken oder behinderten Menschen zuwende - unabhängig davon, ob Kameras in der Nähe seien oder nicht.

          Der Vatikanjournalist Bernd Hagenkord sprach von einem falschen und unangemessenen Vergleich und einem „Kriegszug gegen den Papst“. Es mache ihn sprachlos, dass sich ein intelligenter Mensch und Schriftsteller so äußere, betonte der leitende Redakteur von „Vatican News“ auf seiner Internetseite PaterBerndHagenkord.blog. Mosebach rücke „ganz absichtlich und ohne es auszudrücken den Papst in eine Linie mit Mördern und Verbrechern. Das Argument, er spreche nur über die Inszenierung, wäre verlogen“, denn „man kann die Darstellung nicht vom Dargestellten trennen“.

          Mosebach ist unter anderem Träger des Georg-Büchner-Preises der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und des Literaturpreises der Konrad-Adenauer-Stiftung. Der streitbare Katholik veröffentlichte 2002 eine scharfe Polemik für die sogenannte Alte Messe und gegen die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil unter dem Titel „Häresie der Formlosigkeit. Die römische Liturgie und ihr Feind“.

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