https://www.faz.net/-gqz-8ys70

John le Carré : Sprachbrücken zum Festland

John le Carré lehrte selbst in England die deutsche Sprache. Nun sieht er im Engagement der Deutschlehrer auf der Insel eine Chance für den europäischen Gedanken. Bild: dpa

Hingabe in Versform: Autor John le Carré war der deutschen Sprache einst so verfallen, dass er Sprachenlehrer wurde. Er fordert englische Pädagogen auf, es ihm gleich zu tun. Als Akt der Verbundenheit zwischen den Ländern.

          John le Carré hat britischen Deutschlehrern erklärt, dass sie in den kommenden Monaten und Jahren der bitteren Verhandlungen über den Brexit dazu beitragen würden, das Gleichgewicht in der europäischen Debatte zu wahren. Bei einem Auftritt in der deutschen Botschaft in London anlässlich der Auszeichnung von Deutschlehrern, die sich um ihr Fach besonders verdient gemacht haben, bekannte der Schriftsteller seinen Verdruss über den britischen Austritt aus der EU. Er empfinde diese „katastrophale und irrige Tat“ beinahe als persönliche Beleidigung seiner Intelligenz und der seiner Landsleute.

          Ob man nun den Brexit begrüße oder nicht, die Bedeutung der Beziehung des Vereinigten Königreichs zu Deutschland könne jedenfalls kaum übertrieben werden, sagte Le Carré. Wenn jetzt eine Sonderbeziehung irgendwo in der Welt erforderlich sei, dann eine mit Europa und insbesondere mit Deutschland. Le Carré, dessen nächster Roman „Das Vermächtnis der Spione“ im Herbst erscheinen wird, erzählte, wie die Begegnung mit der deutschen Sprache für ihn als Schüler dank seines Deutschlehrers „Liebe auf den ersten Klang“ gewesen sei.

          Dieser Lehrer, der seiner Klasse mitten im Zweiten Weltkrieg zu vermitteln suchte, dass das andere Deutschland, das er liebte, eines Tages wiederkommen werde, habe knisternde alte Schallplatten gespielt, auf denen berühmte deutsche Schauspieler Gedichte der deutschen Romantik vortrugen. Sie sind Le Carré, wie er mit mimischem Talent vorführte, mitsamt der einzelnen Knistergeräusche in Erinnerung geblieben. Bei der Schilderung seiner eigenen Zeit als Deutschlehrer am Elite-Internat Eton konnte sich der Autor einen ironischen Hieb gegen das Establishment nicht verkneifen: Er habe dort einigen der besten und hellsten Köpfe Großbritanniens, von denen viele leider später das Land ruiniert hätten, deutsche Sprache und Literatur beigebracht.

          Unser Angebot für Erstwähler
          Unser Angebot für Erstwähler

          Lesen Sie 6 Monate die digitalen Ausgaben von F.A.Z. PLUS und F.A.Z. Woche für nur 5 Euro im Monat

          Zum Angebot

          Le Carré bezeichnete die Entscheidung, eine Fremdsprache zu lernen, als einen Akt der Freundschaft, und die Entscheidung, eine Fremdsprache zu lehren, als Akt der Hingabe, der Großzügigkeit und der Vermittlung. Der mittlerweile sechsundachtzig Jahre alte Schriftsteller machte den aus dem ganzen Land angereisten Deutschlehrern die Bedeutung ihrer Arbeit bewusst: In der zu erwartenden Flut antieuropäischer Rhetorik, der die Briten von Seiten ihrer „entsetzlichen rechten Presse“ und frustrierter nach einem Sündenbock – im Zweifel stets die Deutschen – suchender Politiker ausgesetzt sein würden, könnten Lehrer durch die Vermittlung der deutschen Kultur dazu beitragen, dass die Debatte zivilisiert bleibe.

          Lehrer sprächen zum wertvollsten Gut des Landes: „seiner aufgeklärten Jugend, die – Brexit oder kein Brexit – Europa als ihre natürliche Heimat, Deutschland als ihren natürlichen Partner und eine gemeinsam benutzte Sprache als natürliche Verbindung sehen.“

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Folgen:

          Weitere Themen

          Transformers wird gerettet Video-Seite öffnen

          Filmkritik „Bumblebee“ : Transformers wird gerettet

          Wer bisher kein Fan von den Transformers-Filmen war, sollte sich „Bumblebee“ trotzdem nicht entgehen lassen. Wie Charlie Watson gespielt von Heilee Steinfeld zusammen mit dem gelben Käfer die Reihe rettet, erklärt Dietmar Dath.

          „Bumblebee“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Bumblebee“

          Am 20. Dezember kommt der Prequel des 2007 Transformers „Bumblebee“ in die deutschen Kinos. Im Mittelpunkt steht der gleichnamige Transformers-Charakter.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.