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Automesse IAA : Totalschaden auf der Datenautobahn

Kommt der neue Mercedes mit einem Doktortitel in Medizin und Psychologie? Die IAA in Frankfurt präsentiert datensammelnde Computer, die zufällig auch fahren können. Vom Ende einer Spezies.

          Mal angenommen, man kann sich ein schönes Auto und einen Chauffeur leisten, und dann sitzt man hinten in seiner Limousine, und der Chauffeur steuert den Wagen und ruft plötzlich, er habe einen Kumpel, der günstig an Laptops komme, und man habe ja da ein schon ziemlich altes Modell auf dem Schoß, und wenn man seiner Frau mal eine Freude machen wolle, was vielleicht angebracht wäre, wie wäre es mit einem Gutschein für den Spa im „Hotel Stue“; und man sei ein bisschen dicker geworden, oder? Ob man schon mal, hier, bitte sehr, den Diätdrink von Soundso probieren wolle?

          Niklas Maak

          Redakteur im Feuilleton.

          Einen solchen Chauffeur würde man an der nächsten Ampel rauswerfen. Aber genau ein solcher Chauffeur, und zwar ein elektronischer, ist das, was die Automobilindustrie als Zukunft des Autos in den leuchtendsten Farben an die Wände der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt malt, die am Donnerstag eröffnet. Die „Digitalisierung des Autos“ sei das größte Projekt der Zukunft, erklärt erfreut der neue BMW-Chef Harald Krüger, die totale Vernetzung, die absolute connectivity: „Wenn Sie hier nicht ganz vorn mit dabei sind, werden Sie in Zukunft ein Problem haben - da kann das Design noch so toll sein.“ Was in Zukunft zähle, sei die Fähigkeit des Autos, „Hotelbuchungen vorzunehmen oder Ihnen sogar die letzten zwei Karten für die Münchner Oper anzubieten, weil es weiß, dass Sie gern in die Oper gehen“, sagt Krüger, „und dort geht es dann fahrerlos in die Tiefgarage, weil der BMW sich selbst einen freien Parkplatz suchen und dort einparken kann“.

          Allein schon dieser Satz markiert einen Bruch in der Geschichte des Autos. Vorbei die Zeiten, wo Männer und Frauen ihre Partner damit beeindrucken konnten, dass sie ihren Wagen ohne Schweiß und Kurbelei in eine Parklücke bekamen - das macht der Wagen jetzt selbst, und, noch entscheidender: Er wird auch besser wissen als der Partner, was der Fahrer will und mag - denn die Automobilindustrie baut das Auto gerade zu einem Replikanten um, der zwar noch aussieht wie ein Auto, in Wirklichkeit aber ein motorisierter Supercomputer ist.

           

          Der neue Siebener-BMW verfügt über zwanzig Steuergeräte, die über das standardisierte Datennetzwerk verbunden sind. Das Auto produziert ein umfassendes Bild von der Persönlichkeit seines Fahrers, die Bewegungsdaten verraten viel über seine Lebensgewohnheiten. Es ist nicht nur Datenempfänger, sondern produziert konstant Informationen und ist so Teil des digitalen Ökosystems. Auch Mercedes-Chef Dieter Zetsche schwärmte am Montag, der Mercedes der Zukunft „kennt Ihren Arbeitsweg, Ihren Fahrstil, Termine, Musikgeschmack. Allein der Autositz könnte selbständig einige Vitaldaten seines Besitzers checken. Zusätzlich kann das Auto je nach Blutdruck oder Pulsschlag neben der Musik auch mit Licht, Temperatur und Duft die gesamte Atmosphäre im Mercedes verändern.“ Der Mercedes kommt mit einem Doktortitel in Medizin und Psychologie, das Auto analysiert und therapiert seinen Fahrer. Der Computer steuert nicht nur das Auto, sondern, per Lichttherapie und mit blutdrucksenkenden Eingriffen, auch den Menschen, der darin sitzt.

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