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Edo Reents (edo.)

Autokunde : Wir schalten auf Standby

  • -Aktualisiert am

Und dann geht der Motor aus: Auspuff im Stillstand. Bild: dpa

Leerlauf ist beim Auto und beim Computer nicht mehr vorgesehen. Warum eigentlich nicht?

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          Ältere Halter älterer Dieselfahrzeuge wissen noch, was „Vorglühen“ seiner ursprünglichen Bedeutung nach ist: nicht etwa vor dem Ausgehen sich schon zu Hause leicht einen ansaufen, damit der Abend wenigstens finanziell im Rahmen bleibt, sondern den Zündschlüssel nach rechts, aber nicht über den Anschlag hinaus drehen, sodass ein Lämpchen leuchtet, und erst wenn das erlischt, den Motor starten, indem man den Schlüssel zurück und dann wieder nach rechts entschlossen über den Anschlag hinaus dreht, so dass sich das vertraute Traktorgeräusch einstellt und der Motor tatsächlich in Gang kommt, sichtbar an den Rußwolken.

          Merkwürdigerweise nennt man diese zwar nicht allzu umständliche, aber Geduld, also wertvolle Zeit und also letztlich Geld kostende Prozedur „Selbstzünder“, im Gegensatz zum Ottomotor oder „Benziner“. Inzwischen braucht man schon aus großer Entfernung nur mit einem schlüsselähnlichen Plastik-Etwas zu wedeln, schon kommt Leben in das geparkte, abgeriegelte Fahrzeug, auch das diesel­betriebene, es blinkt an allen Ecken und Enden, zaghaft geht sogar die Hupe. Noch ein Knopf gedrückt oder den Plastikschlüssel gegen das Zündschloss gehalten, und es kann losgehen.

          Stimme den Anlasser-Jodler an

          Die Tatsache, dass das Motor-Anlassen, vom urzeitlich kräfteraubenden Ankurbeln bis zu heutigen Startvorrichtungen, immer unaufwendiger, immer unphysischer wurde, sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass es so ganz von selbst, ohne menschliches Zutun doch nicht geht – anders als beim Abschalten. Hier wird man gar nicht mehr gefragt. Manchmal scheint es, als würde der Motor schon ausgemacht, sobald ein Stoppschild auch nur in Sichtweite kommt.

          Ökologische Vernunft plus Bevormundung eines doch frei gedachten Bürgers. Ihm wird bei der Nutzung eines nicht fahrbaren Computers die Laufzeit ebenfalls vorgegeben – am PC oder am Laptop für einen Moment keine Taste gedrückt, schon schaltet das Ding auf Standby. Also wieder Password eintippen, wieder Cookies akzeptieren, man könnte glatt den alten „Anlasser-Jodler“ (Fredl Fesl) anstimmen. Schließlich ist man wieder „drin“ (Boris Becker). Ah, erst mal sehen, was es Neues zu bestellen gibt, arbeiten kann man dann ja immer noch.

          Der Computer weiß es schließlich am besten

          Ob auf diese Weise wenn schon kein Geld, dann wenigstens Energie gespart wird? Aber es ist doch wegen „Datenschutz“! Der Nutzer muss vielleicht kurz aufs Klo, da legt auch der Computer ein Päuschen ein, wer weiß, wer sich sonst an ihm zu schaffen macht. Er weiß schließlich am besten, was für seinen Nutzer, für die Umwelt und damit ja letztlich für die Menschheit am besten ist.

          Vielleicht enthält dieses unerbetene, voreilige Abschalten aber auch eine geheime, weniger verbraucherfreundliche Botschaft: Dass das sinnlos-leere Laufenlassen technisch unmöglich geworden ist, ist womöglich nur die Vorstufe zum totalen Verzicht – Ihr solltet lieber gar nicht erst möchten! Bartleby für alle gewissermaßen. Der nächste Schritt wäre, bei allem, was Energie frisst, den Einschaltknopf wegzulassen. Sonst wird das nichts mehr mit dem Klima.

          Edo Reents
          Redakteur im Feuilleton.

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