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Auszeichnung : „Überfällig“: Friederike Mayröcker erhält den Büchner-Preis 2001

  • Aktualisiert am

Friederike Mayröcker Bild: Suhrkamp Verlag

Die Wiener Dichterin Friederike Mayröcker ist in Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis 2001 ausgezeichnet worden.

          An diesem Samstag nahm die Wiener Schriftstellerin Freiderike Mayröcker den renommierten Georg-Büchner-Preis entgegen. Der Preis wurde in einem Festakt der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt verliehen, die Laudatio hilt Thomas Kling.

          Der Preis ist mit 60.000 Mark dotiert. Ebenfalls verliehen worden ist der mit 20.000 Mark dotierte Johann-Heinrich-Merck-Preis-Träger für literarische Kritik und Essay. Ihn erhielt der Berliner Publizist Friedrich Dieckmann. Außerdem wurde auf der Herbsttagung der Akademie der Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa verliehen. Den ebenfalls mit 20.000 Mark dotierten Preis erhielt der Horst Bredekamp, Professor für Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin.

          Friederike Mayröcker wurde 1924 in Wien geboren. Sie gilt als experimentierfreudige Poetin. Seit ihrem ersten Buch „Larifari“ (1956) hat sie mehr als 70 Titel vorgelegt. Zuletzt erschien im Suhrkamp Verlag ihr „Reqium für Ernst Jandl“, ihren langjährigen Lebensgefährten.

          Eine gewisse Wehmut

          Nach den Anfängen ihres Schreibens gefragt, erzählte die Dichterin in einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ eine Episodeaus ihrer Kindheit: Im Sommer bei den Großeltern, spürte sie „eine gewisse Wehmut“ und setzte sich nachmittags mit einer kleinen Mundharmonika an den Ziehbrunnen des Dorfes. Fünfzehn Jahre später wären aus der gleichen Stimmung heraus die ersten Prosatexte entstanden, noch später die ersten Gedichte, von denen sie 1946 ihre ersten publizierte. Bis heute erzeuge dieses fast schmerzliche Gefühl ihre „innere Bereitschaft zum Arbeiten“.

          Ein Maler als Vorbild

          Als großes Vorbild ihres Schreibens nannte Mayröcker einmal den Maler Henri Matisse. Ihr schreiben komme der Wirklichkeit zuweilen so nahe, dass es ihr den Atem verschlage. Vor dem Verstummen bliebe der Übergang in ein abstraktes Bild, wie es sich in der Malerei am besten verwirklichen lasse, äußerte sie zu ihrem 75. Geburtstag im Dezember 1999 gegenüber der „Berliner Zeitung“.

          Dass ihr der „Büchner-Preis seit Jahrzehnten verweigert“ worden sei, sah eine Kommentatorin der „Frankfurter Rundschau“ zur gleichen Zeit sogar als Bestätigung des künstlerischen Ranges der Dichterin.

          Bisherige Auszeichungen

          Für ihr Werk ist Mayröcker schon mehrfach ausgezeichnet worden, unter anderem mit dem Georg-Trakl-Preis (1977), dem Friedrich-Hölderlin-Preis (1993), dem Else-Lasker-Schüler- Lyrikpreis (1996) und dem Droste-Preis der Stadt Meersburg (1997). Die Autorin ist seit 1985 Mitglied der Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung.

          Mayröcker ist erst die achte Frau unter den bislang 77 Preisträgern des Georg-Büchner-Preises. Vor drei Jahren wurde Elfriede Jelinek ausgezeichnet, davor Sarah Kirsch, Christa Wolf, Ingeborg Bachmann, Marie Luise Kaschnitz, Elisabeth Langgässer und Anna Seghers. Auch Ernst Jandl ist unter den Geehrten. Er erhielt die Auszeichnung 1984.

          Dieckmann und Bredekamp

          Friedrich Dieckmann gehört seit 1995 der Darmstädter Akademie an. Er stammt aus Landsberg an der Warthe und war in den 70er-Jahren Dramaturg am Berliner Ensemble. Dieckmann gilt als einer der Chronisten der ostdeutschen Revolution. Horst Bredekamp lehrt seit 1992 als Professor für Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Mitherausgeber verschiedener wissenschaftlicher Zeitschriften und Buchautor.

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