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Auszeichnung : Schriftsteller George Steiner erhält Ludwig-Börne-Preis

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Der erste Gratulant des neuen Börne-Preisträgers war Laudator Joschka Fischer Bild: ddp

In seiner Laudatio würdigte Außenminister Joschka Fischer den diesjährigen Preisträger des Ludwig-Börne-Preises als „Meister des Wortes und einer der ganz wenigen Universalgelehrten unserer Zeit".

          Der amerikanische Literaturwissenschaftler und Schriftsteller George Steiner hat am Sonntag in Frankfurt den mit 20 000 Euro dotierten Ludwig-Börne-Preis erhalten. „Er ist ein Meister des Wortes und einer der ganz wenigen Universalgelehrten unserer Zeit“, sagte der diesjährige Juror, Bundesaußenminister Joschka Fischer (Grüne), in seiner Laudatio. Mit seiner sprachlichen und analytischen Brillanz zeige Steiner seine geistige Wahlverwandtschaft zu Ludwig Börne. Mit dem Börne-Preis werden herausragende Leistungen auf den Gebieten Essay, Kritik und Reportage ausgezeichnet.

          Steiner wurde 1929 in Paris geboren. Er lehrt weltweit an Universitäten in Princeton, Cambridge, Yale, New York und Genf. Er arbeitet auch als Literaturkritiker und Essayist. Er beschäftigt sich in seinem Werk unter anderem mit der menschlichen Fähigkeit zu sprechen und zu schreiben, so zum Beispiel in dem 1967 erschienenen „Sprache und Schweigen“. Zu seinen Themen gehören auch Religion, Musik, Malerei und Geschichte. Zuletzt erschien 2001 seine „Grammatik der Schöpfung“.

          Friedensplan als Chance

          Fischer, der als einziger Juror fungiert hatte, würdigte Steiner als „Landvermesser unserer Kulturen“. Steiners Analyse der nationalsozialistischen Vergiftung der deutschen Sprache gebe heute noch zu denken. „Wir dürfen keine Banalisierung des Schreckens zulassen und müssen alles tun, um die Erinnerung an das abgründigste Kapitel unserer Geschichte wach zu halten“, mahnte der Grünen-Politiker. Für Steiner sei Israel die neue Chance nach dem Holocaust, sagte der Außenminister.

          Mit dem jüngsten Friedensplan, der so genannten Straßenkarte, gebe es zum ersten Mal seit langem eine echte Chance für eine dauerhafte Beilegung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern. Wenn sich beide Parteien beteiligten, könnten am Ende zwei unabhängige Staaten stehen, die friedlich nebeneinander lebten.

          Steiner: Israel ist ein Wunder

          Steiner bezeichnete in seiner Ansprache Israel als ein Wunder und als einzig sicheren Zufluchtsort für Juden, „wenn es irgendwo wieder losgeht - und es wird wieder losgehen“. Es sei Pflicht eines jeden Juden, Nationalismus, Antisemitismus und Rassenverfolgung zu bekämpfen und zu beweisen, daß es überall auf der Welt möglich sei zu leben und zu lernen. Die Auszeichnung sei eine große Ehre, „nicht nur weil Börne Jude war, er war auch ein Fremder überall“. Grenzen seien zum Überschreiten da, sagte Steiner.

          Steiner ist der zehnte Träger des Ludwig-Börne-Preises. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der Musikkritiker Joachim Kaiser, „Spiegel“- Gründer Rudolf Augstein sowie der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger.

          Der Wegbereiter des politischen Feuilletons

          Die von der Ludwig-Börne-Stiftung seit 1993 vergebene Auszeichnung ist mit 20.000 Euro dotiert. Sie erinnert an den 1837 gestorbenen Frankfurter Schriftsteller und Journalisten Ludwig Börne, der als Wegbereiter des politischen Feuilletons gilt. Der Stiftungsvorstand beruft jeweils nur einen Juror, der einen Schriftsteller oder Journalisten auswählt. 2002 ging die Auszeichnung an Hans Magnus Enzensberger, vorher unter anderem an „Spiegel“-Herausgeber Rudolf Augstein, den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki und den früheren Mitherausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, Joachim C. Fest.

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