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Auszeichnung : Elfriede Jelinek mit Berliner Theaterpreis geehrt

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Ehrung für die „zornige Wortkünstlerin” Elfriede Jelinek Bild:

Die österreichische Autorin Elfriede Jelinek hat den Berliner Theaterpreis erhalten. Die Jury würdigte sie als „zornige Wortkünstlerin“.

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          Die österreichische Dramatikerin Elfriede Jelinek ist am Donnerstag mit dem Theaterpreis Berlin geehrt worden. Die Schriftstellerin erhielt die Auszeichnung für ihre herausragenden Verdienste um das deutschsprachige Theater.

          Der von der Stiftung Preußische Seehandlung alljährlich beim Berliner Theatertreffen verliehene Preis ist mit 16.000 Euro dotiert. Die 1946 geborene Jelinek schrieb unter anderem Theaterstücke wie „Stecken, Stab und Stangl“ und „Ein Sportstück“. Zu ihren Prosatexten gehören die Romane „Die Klavierspielerin“, „Lust“ und „Gier“. Jelinek setzt sich vor allem mit den Themen Macht, Gewalt und Sexualität sowie mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus auseinander.

          Erinnerung an Einar Schleef

          „Für mich bist Du ein Mysterium“, bekannte der Theatermacher George Tabori bei der Preisverleihung. „Du bist eigensinnig, eigenartig und gut.“ Jedes ihrer Stücke öffne einem eine andere Welt, sagte Tabori, der der erste Preisträger der seit 1988 verliehenen Auszeichnung war.

          Jelinek selbst erinnerte in ihrer Dankesrede an den im vergangenen Sommer verstorbenen Regisseur Einar Schleef, der viele von ihrer Stücke auf die Bühne brachte. „Es ist schwer über Schleef zu sprechen“, sagte die Autorin. Sie fühle sich sehr traurig und ein wenig unbehaglich, weil eigentlich Schleef an ihrer Stelle stehen sollte, wie sie sagte. Schleef arbeitete kurz vor seinem Tod an den Proben zur Uraufführung von Jelineks „Macht Nichts. Eine kleine Trilogie des Todes“.

          Zugleich Kunstwerke und politische Standpunkte

          Die Preisjury würdigte Jelinek als „zornige Wortkünstlerin und melancholische Theatermacherin“. Ihre Stücke seien immer Kunstwerk und politischer Standpunkt zugleich. „Alle Anfeindungen, Beschimpfungen und Verleumdungen haben sie nicht in die Verzagtheit oder in den Elfenbeinturm vertrieben“, urteilte die Jury. Jelineks Sprachkunst mache ihre Texte zu einer wirksamen, politisch explosiven Dramatik. „Gerade ihr höllischer Humor entzündet sich an den politischen Gemeinheiten der Gegenwart.“

          Die 1946 in Mürzzuschlag in der Steiermark geborene Schriftstellerin gilt vor allem in ihrer Heimat immer noch als „Skandal-Autorin“. 1996 verhängte Jelinek als Reaktion auf dauernde Anfeindungen ein Aufführungsverbot für ihre Stücke in Österreich, das sie inzwischen jedoch zurückgezogen hat.

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