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Auszeichnung : Broder mit dem Börne-Preis geehrt

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„Unerbittlicher Chronist wuchernder Dummheiten”: Henryk M. Broder Bild: dpa

„Ein freier Geist“, der „leidenschaftlich und feurig“ und ohne Rücksicht auf „political correctness“ schreibe: Mit diesen Worten lobte Laudator Helmut Markwort Henryk M. Broder. Der erhielt in Frankfurt den Börne-Preis.

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          Der Journalist und Schriftsteller Henryk M. Broder ist am Sonntag in der Frankfurter Paulskirche mit dem Ludwig-Börne-Preis 2007 geehrt worden. Die Auszeichnung der Ludwig-Börne-Stiftung ist mit 20.000 Euro dotiert und wird jährlich an deutschsprachige Autoren vergeben, die im Bereich des Essays, der Kritik und der Reportage Hervorragendes geleistet haben.

          Der diesjährige Juror für die Auszeichnung, „Focus“-Chefredakteur und Herausgeber Helmut Markwort, nannte Broder einen „Ludwig Börne von heute“. Broder sei „ein freier Geist, der leidenschaftlich und feurig schreibt, oft polemisch und ohne Rücksicht auf 'political correctness', aber immer unabhängig und überraschend“. Broder sei unbequem, er polarisiere und provoziere. Markwort nannte ihn auch einen „unerbittlichen Chronisten wuchernder Dummheiten“.

          Proteste am Rand der Preisverleihung

          Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki trug bei der Feierstunde Texte von Börne und Heinrich Heine vor. Am Rande der Preisverleihung gab es vereinzelt Proteste gegen die Auszeichnung.

          Broder, der heute überwiegend für das Magazin „Der Spiegel“ arbeitet, hat sich seit den siebziger Jahren in Deutschland und in Israel als freier Schriftsteller einen Namen gemacht. Er schrieb für Zeitungen und Zeitschriften wie „Pardon“, „Die Zeit“, die „Weltwoche“ oder die „Süddeutsche Zeitung“. 1981 siedelte der in Kattowitz geborene Broder, der 1958 mit seinen Eltern in die Bundesrepublik gekommen war, nach Israel über. Heute lebt er abwechselnd in Jerusalem und in Berlin.

          „Selbstberufene Deutschmeister des Trauerns“

          Immer wieder hat Broder mit seinen Schriften politische Debatten entfacht. Unter anderem hat er es mit der deutschen Linken aufgenommen, der er Antiamerikanismus und Antizionismus vorwarf. In der Auseinandersetzung über das Berliner Holocaust-Denkmal von Peter Eisenman bezog er Position gegen die „selbstberufenen Deutschmeister des Trauerns“. In seinem im vergangenen Jahr veröffentlichten Bestseller „Hurra, wir kapitulieren“ rechnet Broder mit dem Islamismus und dem Westen gleichermaßen ab. Der von den Islamisten erzeugten „Kultur der Angst“ beugten sich die westlichen Staaten bereitwillig, ist Broders These.

          Der Ludwig-Börne-Preis wird seit 1994 vergeben. Zu seinen bisherigen Trägern gehören neben Reich-Ranicki der frühere „Spiegel“-Herausgeber Rudolf Augstein und der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger. Im vergangenen Jahr wurde der Journalist und Autor Wolfgang Büscher geehrt. Benannt ist der Preis nach dem Schriftsteller und Journalisten Ludwig Börne, der als Wegbereiter des politischen Feuilletons gilt. Börne wurde als Löb Baruch 1786 in Frankfurt am Main geboren und starb 1837 im Pariser Exil.

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