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Ausstellung zum Schottentum : Was gilt der Kilt?

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Stolzer Stammesfürst: Colonel AlasdairRonaldson MacDonnell of Glengarry – hier auf einem Gemälde von Sir Henry Raeburn (ca. 1812) – bemängelte die Romantisierung seiner marginalisierten Kultur durch Flachland-Schotten. Bild: National Galleries of Scotland

Seit die vergangenheitsverliebte Romantik ihre Liebe zu den Highlands entdeckte, hat sich viel getan: In einer Ausstellung in Edinburgh wird untersucht, wie sich das Schottentum herausbildete.

          Als Boris Johnson in der Woche nach seiner Amtsübernahme als Premierminister einen Antrittsbesuch in Edinburgh machte, kam es auf der Schwelle von Bute House, dem Amtssitz der Ersten Ministerin Schottlands, in Sekundenschnelle zu einer vielsagenden Szene. Nach dem üblichen Händeschütteln für die Fotografen streckte Johnson den Arm aus, um die Erste Ministerin in das Gebäude hineinzugeleiten. Ein irritierter Ausdruck glitt über das Gesicht der Gastgeberin. Nicola Sturgeon sprach ein kurzes Wort, woraufhin der Premierminister den Arm fallen ließ und vor ihr durch die Tür ging.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Später erzählte sie, wie sie sich blitzartig bewusst geworden sei, dass Johnson versucht habe, etwas zu tun, was manche als galant bezeichnen, andere jedoch als unbewusstes Machtspiel empfinden. In dem Augenblick habe sie gedacht, das sei unangemessen, und habe deshalb ihm den Vortritt gelassen. Daran zeigt sich Nicola Sturgeons feines Sensorium für die nationalpolitische Symbolik, die durch den Brexit und das daraus resultierende Erstarken des schottischen Unabhängigkeitsbegehrens an frischer Bedeutung gewonnen hat.

          Das politische Argument für die Loslösung Schottlands vom Vereinigten Königreich hat sich seit jeher an nationalen Mythen genährt. Umso zeitgemäßer ist die Ausstellung „Wild und majestätisch – Romantische Visionen von Schottland“ im Schottischen Nationalmuseum in Edinburgh. Sie setzt sich zum Ziel, das Knäuel aus Mythos und Realität zu entwirren, das sich seit der Zerschlagung des Jakobitenaufstands von 1745 zusammengeballt hat und im Zeichen der jeweiligen kulturellen und politischen Entwicklungen stets andere Färbungen erhielt.

          Der Ursprung des Schottenrocks

          Der Titel der Ausstellung ist einem Gedicht Lord Byrons entliehen, das von der Sehnsucht nach jener erhabenen Natur getragen ist, welche die romantische Seele in der Wildnis des schottischen Hochlandes verkörpert sah. In Edinburgh wird nachgezeichnet, wie diese Affekte in nützliche Bahnen gelenkt wurden, um ein Schottlandbild zu konstruieren, dessen sich zu verschiedenen Zeiten sowohl Nationalisten als auch Anhänger der Union bedient haben. Das wird vor allem anhand der Entwicklung der in aller Welt als Emblem des Nationalbewusstseins erkannten Schottentracht veranschaulicht.

          In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als der Drang nach der von kaledonischen Mythen untermauerten schottischen Selbstverwaltung zusehends anschwoll, versuchte der Historiker Hugh Trevor-Roper diesem Trend mit einem polemisch zugespitzten Aufsatz entgegenzuwirken. Darin stellte er höchst lehrreich und amüsant das ganze Konzept der Hochlandkultur mit ihrer Tartantracht- und Dudelsackseligkeit als weitgehend moderne – womit er meinte: romantische – Erfindung dar. Trevor-Roper behauptete, das aufwendige Instrumentarium des keltischen Stammessystems sei übernommen und formalisiert worden von Schotten, „deren Vorfahren die Hochlandkleidung als Merkmal der Barbarei betrachteten und schauderten beim Quieken des Dudelsackes“.

          Edwin Landseer: Highlands-Szene mit Porträts der Duchess of Bedford, des Duke of Gordon und des Lord Alexander Russell, 1825-28.

          Er wies nach, dass die Hochlandschotten sich zwar in farbig gemusterte Tücher gehüllt hatten, die, von einem Gürtel gehalten, einem Rock glichen. Der praktischere Kilt, wie man ihn heute kennt, sei jedoch die Erfindung eines pragmatischen Engländers gewesen, die sich erst in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts durchsetzte. Die Standardisierung von Mustern als Kennzeichen der Clans erfolgte sogar noch später.

          Um Authentizität bemüht

          Diese Zerpflückung des Kleidermythos ging bei Trevor-Roper einher mit der Bloßstellung historischer und literarischer Legenden, die der schottische Nationalismus bereits im achtzehnten Jahrhundert zu seiner Legitimierung eingespannt hatte. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den fabrizierten Dichtungen des keltischen Barden Ossian, die den romantischen Zeitgeist elektrisiert hatten und Goethes Werther schwärmen ließen, sie hätten Homer aus seinem Herzen verdrängt. Die vermeintlich altgälischen Texte wurden dann aber als patriotische Fälschungen des Lehrers James Macpherson aus den Highlands entlarvt.

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