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Dichter Friedrich Rückert : Das ist wer, den hab ich gern!

Der Verseschmied hatte lange Haare, keine Manieren, und einen Orden rauchte er in der Pfeife: Wer war Friedrich Rückert? Die Antwort gibt eine Ausstellung zum 150. Todestag.

          6 Min.

          Im Winter 1833 auf 1834 haben die Rückert-Kinder Scharlach: August, Karl und Leo kommen noch glimpflich davon, ihr großer Bruder Heinrich ist zum Glück gerade auswärts bei den Großeltern. Doch die zweieinhalbjährige Luise stirbt am Silvestertag, und am 16. Januar folgt ihr der fünfjährige Ernst. Die Mutter, die zwei Jahre zuvor bereits ein Kind verloren hatte, bricht zusammen. Der Vater aber macht, was er sein Leben lang getan hat und bis zu seinem Lebensende beibehalten wird: Er schreibt Gedichte, mehr als fünfhundert – in einem halben Jahr intensiv erlebter Trauer.

          Tilman Spreckelsen
          Redakteur im Feuilleton.

          Insgesamt hat der 1788 geborene Friedrich Rückert, Schätzungen zufolge, bis zu seinem Tod im Januar 1866 gut 25000 Gedichte verfasst. Was immer ihm begegnete, so scheint es, regte ihn zur lyrischen Produktion an: Die große Politik – er rief in seinen 1814 unter Pseudonym erschienenen „Geharnischten Sonetten“ die Deutschen zum Kampf gegen Napoleon auf – ebenso wie private Liebeserlebnisse, die Lektüre bedeutender Werke fremder Nationen, empfangene Ehrungen oder das miserable Leben in Berlin, alles gerann ihm zu Versen. Das überwältigendste Zeugnis hierfür ist sein „Liedertagebuch“, begonnen 1846, das er in vielen tausend Versen zwanzig Jahre lang fortführte. Bis hin zum allerletzten Gedicht, das Rückert im Januar 1866 verfasste, Aug in Aug mit der Krankheit, an der er Tage später sterben sollte: „Mein Übel schläft, ich aber schlafe nicht,/Und hüte mich nur, es zu wecken/Denn wenn zu laut von mir nur ein Gedanke spricht,/Erwacht’s mit Schrecken.“

          Mit dem „Nibelungenlied“ nach Italien

          Zum 150. Todestag des Dichters ist nun in seiner Geburtsstadt Schweinfurt eine große Ausstellung zu sehen, kuratiert vom exzellenten Rückert-Kenner Rudolf Kreutner. Den Rahmen liefert die Kunsthalle der Stadt im ehemaligen kommunalen Schwimmbad. Für die Ausstellungsarchitektur ermöglicht dieser große Raum die beliebige Aufteilung in fünf biographische Stationen sowie eine weitere zur Rezeption, die elegant ineinander übergehen, zumal aus den Trennwänden die lebensgroßen Silhouetten von Weggefährten Rückerts gestanzt wurden, die den Blick in die angrenzenden Bereiche ermöglichen, während an den umliegenden, sonst kahlen Wänden der Halle auf Tafeln die Zeitläufte knapp umrissen werden.

          Das beginnt mit der Kindheit in Schweinfurt und im nahen Dörfchen Oberlauringen, in dem Rückerts Vater bis 1802 als Amtmann lebte, bevor er sich mit seinem Dienstherrn überwarf und zurück nach Schweinfurt zog, wo er als Rechtsanwalt arbeitete. Friedrich Rückert, der älteste Sohn, besuchte das Gymnasium und studierte Jura in Würzburg, später auch in Heidelberg und Jena, wo er 1811 ein Gastspiel als Privatdozent gibt. Längst interessiert er sich mehr für Sprachen und Literatur, er lernt Hebräisch, hört Vorlesungen zu Metrik und zur griechischen Mythologie; erst in jüngster Zeit wurde bekannt, dass Rückert schon als Student auch anfing, Persisch zu lernen.

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