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Ausstellung: Roads of Arabia : Glanz und Größe der Karawanen

Das Kleid des Allerheiligsten: Der Vorhang zur Tür der Kaaba in Mekka Bild: AFP

Es war einmal im Karawanenland: Eine Austellung im Berliner Pergamonmuseum eröffnet überraschende Perspektiven auf die frühe Kulturgeschichte der arabischen Welt.

          Als Nabonid, der letzte König von Babylon, mit seinen Hohepriestern in einen Streit geriet, der die Existenz seines Staates bedrohte, griff er zu einem Mittel, das man heute wohl als bewaffnetes Exil bezeichnen würde. Statt die Opposition im Inneren zu bekämpfen, zog er mit seinem Heer über die Grenzen ins benachbarte Arabien und setzte sich dort fest. Nacheinander eroberte er die Oasenstädte Jathrib - das heutige Medina - und Dedana, dann machte er Tayma, das an der Kreuzung der wichtigsten Handelsrouten lag, zu seiner Residenz. Zehn Jahre lang, von 552 bis 542 vor Christus, regierte er von hier aus ein florierendes Kleinreich.

          Andreas  Kilb

          Feuilletonkorrespondent in Berlin.

          Das Buch Daniel des Alten Testaments schreibt den Aufenthalt „in der Wildnis" dem Jerusalem-Zerstörer Nebukadnezar zu, aber ein „Gebet des Nabonid", das unter den Schriftrollen von Qumran entdeckt wurde, hat diese falsche Übertragung korrigiert. Dass Babylon kurz darauf dennoch an die Perser verlorenging, steht auf einem anderen Blatt.

          Denkmäler des Todes

          Von den Herrscherjahren des Nabonid in Tayma kündet ein Stelenfragment, das seit vergangener Woche im Berliner Pergamonmuseum zu sehen ist. Es zeigt den Babylonier mit den Symbolen seiner Götter Sin (Mond), Shamash (Sonne) und Ishtar (Stern) über einem Keilschrifttext, der seinen Namen enthält. Trotzdem fragt man sich, was den König der mächtigsten Stadt im Zweistromland an einer fernen arabischen Oase gereizt haben mag. Die Ausstellung „Roads of Arabia", die das Museum für Islamische Kunst Berlin zusammen mit dem Nationalmuseum von Saudi-Arabien in Riad veranstaltet, beantwortet diese Frage auf ebenso umfassende wie spektakuläre Weise

          Denn hier wird, anders als der Titel ankündigt, nicht nur ein Wegenetz, sondern ein Menschheitspanorama entfaltet. Ein „leeres Viertel", wie der Name ihrer Wüste Rub al-Khali auf Deutsch lautet, war die Arabische Halbinsel nie. Schon in vorgeschichtlicher Zeit zogen hier Nomaden durch, deren Faustkeile und Pfeilspitzen die Schau eröffnen. Nach dem Ende einer regenreichen Wetterphase, die ihren Höhepunkt um 6000 vor Christus erreichte, bildeten sich Überlebensgemeinschaften an den Wasserlöchern und artesischen Brunnen. Von ihrer Grabkunst zeugen drei Stelen aus dem vierten vorchristlichen Jahrtausend, die im ersten Saal der Ausstellung stehen, starre Denkmäler des Todes mit abstrahierten, ausdrucksvollen Gesichtern; eines zeigt ein Mienenspiel, das an Köpfe von expressionistischen Skulpturen erinnert.

          „Roads of Arabia“ wird nicht in islamischen Ländern gezeigt, denn sie lässt den Schleier der Geschichte endgültig fallen

          Schon zu dieser Zeit war die Region ein Durchgangsgebiet. Wer aus den Hochkulturen Mesopotamiens nach Ägypten zog und den Weg über Palästina scheute, kam um die Oasenstädte im Norden Arabiens nicht herum; und wer sich im alten Akkad, dem Vorgänger des babylonischen Reichs, mit hochwertigem Kupfer und Elfenbein versorgen wollte, segelte ins Land Tilmun im heutigen Bahrein und weiter zum Golf von Oman. Auf der Insel Tarut vor der saudischen Küste wurden Alabasterschalen und verzierte Chloritgefäße aus indischen und iranischen Werkstätten gefunden, dazu Statuen im mesopotamischen Stil - der typische Luxus-Mischmasch eines Handelszentrums.

          Seine Blüte dauerte bis in die Zeit des Hellenismus, wie Goldmasken, Perlenschmuck, zierliche Bettfüße und Stelen mit griechischen Inschriften bezeugen. In Thaj im Landesinneren prägte man damals Münzen mit dem Bildnis Alexanders des Großen, deren Rückseite anstelle von Zeus den Sonnengott zeigte - ein Beispiel für die Verschmelzung von Religiosität und Kaufmannssinn, die für diesen historischen Raum typisch ist.

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