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Ausstellung : Kommunikation pur - „Prophets of Boom“ in Baden-Baden

  • -Aktualisiert am

Sister Corita Kent, Wrong way prophets of boom, 1967, Siebdruck, 76 X 91 cm Bild: Sammlung Schürmann

Eine Ausstellung aus dem privaten Denk-Vermögen des Aachener Sammlers Wilhelm Schürmann mischt Kunst, Film, Werbung, Sex und Crime.

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          Wer sind die „Prophets of Boom“? Werbemanager? Popstars? Schauspieler? Künstler? Oder vielleicht der Kunstsammler, Hochschulprofessor und Fotograf Wilhelm Schürmann aus Aachen, der seit diesem Wochenende seinen privaten Kunstkosmos in der Kunsthalle Baden-Baden ausbreitet, um Assoziationsdichten von Milchstrassenqualität hervorzurufen?

          Niemand hätte es besser gewusst, als die 1986 verstorbene Nonne Mary Corita Kent aus Los Angeles, die den Spruch „Wrong way prophets of boom“ 1967 als begabte Künstlerin mit großen Lettern und dicken Pfeilen aufs Papier gebracht hat. Aus ihrer „heiligen“ Hand liegt das Wortspiel der „falschen Propheten“ nahe, die hinterlistig Verführung planen. Im Sinne einer Warnung: „No way: Prophets of Boom“! Die Verführbarkeit ist das Thema der Ausstellung, der Kunst, wie des Lebens überhaupt.

          Gute Laune

          Das verwirrende an dieser zentralen Arbeit in der eben eröffneten Schau „Prophets of Boom“ ist nicht nur, dass sie dem Besucher auf seinem Rundgang die völlig falsche Richtung weist, sondern, dass in der Ausstellung tatsächlich hinter die Maske der Propheten unseres medialen Alltags geschaut wird und die populäre Ikonographie der Stars und Helden der Film-, Musik-, Terror-, Kunst- und Werbewelt zusammengemischt wird, ohne vor lauter Ernsthaftigkeit den Spaß an der Sache zu verlieren.

          Hans Niehus, Hollywood Blvd., 2000, Aquarell, 48 x 36 cm

          In „Prophets of Boom“ geht es nicht um den nächsten Wirtschaftsaufschwung. Lebende Politiker und Terroristen kommen nicht vor. Der Sammler reiht auch keine allseits bekannten Künstlernamen aneinander, um dem Zahnarzt von nebenan durch noch größere Formate zu imponieren. Wer die achte Version mit Werken aus der Sammlung Schürmann anschaut, weiß, dass es dem Sammler mehr um Kommunikation und weniger um Impression geht. Die Schau gerät zur „Vorstellung“ im doppelten Sinne: das Publikum muss aktiv dabei sein und das Angebot permanent mit seinen eigenen Fantasien ergänzen. So sind Bilder, die sich jeder vorstellen kann, in der Sammlung konsequenterweise nicht zu sehen.

          Beziehungsgeflecht

          Das assoziativ-kommunikative Verhandeln visueller Inhalte verfolgt Schürmann nun schon seit Jahren und doch steht er unter den europäischen Sammler immer noch ziemlich einzigartig da. Daher wurde er jüngst eingeladen, einen Raum der Kunstsammlung im Ständehaus „K21“in Düsseldorf einzurichten, - die am 19. April eröffnet wird - um zu zeigen, wie man heutzutage mit Kunst arbeiten und umgehen kann.

          Seit den 70er Jahren speist Schürmann zusammen mit seiner Frau begeistert Kunst in den eigenen Denkraum ein. Ständiges Neu-zueinander-in-Beziehung-setzen und mit weiteren Assoziationen aufladen, dass ist das, was Schürmann begeistert. Eine subjektive Haltung, die es dem Rezipienten auf der anderen Seite nicht immer leicht macht zu folgen. Vor allem dann nicht, wenn der Sammler immer häufiger im Netz unterwegs ist und von dort annonymes Bild- und vor allem Wortmaterial mitbringt, das auf der nach oben offenen Werteskala bei zwei Dollar 50 beginnt, - aus Filmplakaten, Magazinseiten oder Ölgemälden besteht - und nun von Schürmann als Dokumente in den künstlerischen Diskurs der Ausstellung eingespeist wird.

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