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Ausstellung : Kampagnen, die man nie vergisst

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Die „Tchibo-Mann”-Kampagne, Prämierung 1965 Bild:

Das Beste aus 36 Jahren deutscher Werbung zeigt die Schau „Zarte Versuchungen“ im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft.

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          Ob Milkas Lila Kuh aus dem Jahr 1973, der 1978 gestartete Jägermeister , das „Alle-reden-vom-Wetter“-Plakat der Bahn von 1967 oder VWs „Er läuft und läuft und läuft“ - die besten Kampagnen deutscher Werber kennt noch Jahre später jedes Kind.

          „Zarte Versuchungen“ lautet drum der Titel einer Ausstellung über 36 Jahre Werbung, die im NRW-Forum Kultur und Wirtschaft in Düsseldorf zu sehen ist. Die Schau zeigt mit 200 Exponaten das Beste aus deutscher Werbung von 1965 bis heute. Es sind Kampagnen, die vom Art Directors Club (ADC) prämiert wurden und zu denen es den Blick immer wieder hinzieht. An ihnen können Betrachter den gesellschaftlichen und ästhetischen Wandel nachvollziehen, der sich in der Werbung widerspiegelt.

          Die Werbung sei humorvoller, schneller, aktueller, bildhafter und polarisierender geworden, sagt Sebastian Turner, Vorstandssprecher des ADC. Auch sei das Publikum aufgeklärter als früher. Schwarzer Humor und nackte Haut provozieren keinen Skandal mehr.

          Besucher, die an den Anzeigen und Plakaten vorbeigehen, erleben immer wieder ein Aha-Erlebnis und werden an Werbung aus ihrer Kindheit, Jugend oder der jüngsten Vergangenheit erinnert. Der Wodka Puschkin, der „für harte Männer“ wirbt, ist da, der Tchibo-Mann bei der Kaffee-Ernte mit einem kenianischen Massai oder das mollige Modell Anna Nicole Smith im schwarzen Corselette für H&M, die 1994 für Poster-Diebstähle sorgte.

          Ab und an kann der Betrachter bei skurrilen oder witzigen Plakaten auch ins Schmunzeln geraten. So etwa, wenn eine dralle Dame für den Filmhersteller Fuji wirbt, der Krawattenmuffel kritisiert wird oder ein Volkswagen auf dem Rücken liegt und das Unternehmen plakativ fragt: „Werden wir den Käfer je sterben lassen?“

          Viele der ausgestellten Beispiele sind sicherlich auch unter künstlerischen Gesichtspunkten sehenswert. Doch die Frage, ob Werbung auch Kunst ist, hat der Künstler Joseph Beuys vor Jahren einmal so beantwortet: „Ob gute Werbung Kunst ist, kann man nur entscheiden, wenn man weiß, wofür sie wirbt“.

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