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Ausstellung : Im Sucher gefunden: Erotik der Orchideen

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Thomas Florschuetz, Blumenstück I, vierteilig, 2000/01, 303 X 203 cm, Cibachrome Bild: Courtesy WMB und Thomas Florschuetz, Berlin

Thomas Florschuetz zeigt seit diesem Wochenende Blumenfotografien in einer berauschenden Schau in Berlin.

          Thomas Florschuetz zeigt in einer ersten großen Berliner Ausstellung im "Hamburger Bahnhof" Groß-Fotografien von exotischen Blüten sowie von kühl durchschimmernden Vorhängen und einzelnen Augen.

          Amateurfotografen mögen sich bestätigt fühlen, wenn sie hören, dass einer der führenden deutschen Fotokünstler der Gegenwart ausgerechnet mit Blütenbildern von Orchideen international reüssiert. Doch seine Bilder sind entschieden anders. Nicht zuletzt bestätigt das auch der Ort der Ausstellung "Ricochet - Blumenstücke". Der "Hamburger Bahnhof" ist Teil der Berliner Nationalgalerie. Im Raum.8 hatte vor Florschuetz, unter anderen, Pipilotti Rist 1999 für Furore gesorgt. Ein Sprungbrett für Künstler also. Mit Blütenbildern?

          Zwischen Natur und Künstlichkeit

          Florschuetz stellt eine Reihe großformatiger Orichdeenfotografien aus, die im Jahr 2000 entstanden sind und die Blüten gern von hinten zeigen. Kühl und durchkomponiert öffnen die Blüten ihren Kelch in eine andere Richtung und doch in geradezu unanständiger Nähe zum Betrachter. Sie zeigen ihre ungeschützte Prallheit und bieten in manierierter Haltung Einblicke in intime Bereiche. Die Analogien zum menschlichen Körper und seinen Geschlechtsorganen ist offensichtlich. Dieser Sachverhalt steckt auch schon im Namen der ausgewählten Blumen. Schließlich bedeutet "Orchis" als Gattungsbegriff im Deutschen nichts anderes als "Hoden".

          Thomas Florschuetz, Ricochet I, 1997/99, 150 x 100 cm, Cibachrome, Sammlung Hans Grothe, Duisburg

          Mit konsequenter Haltung verfolgt der Fotograf, der mehrfach ausgezeichnet wurde und in bedeutenden Privatsammlungen vertreten ist, seit Jahren das Thema Oberflächen an Fragmenten des Körper, an der Architektur oder eben an bestimmten Blüten bearbeitet.

          Es ist neben einer exzelent beherrschten Technik - sowohl der Aufnahme, als auch des Abzugs - dieses konsequente Eindringen in ein Thema, das die Fotografie von Florschuetz von allen gut gemeinten Amateurbildern deutlich unterscheidet. Der Künstler erotisiert einen hergebrachten Begriff dekorativer Schönheit und steigert die Erscheinung der seidig-bloßen Blütenkörper durch Beharrlichkeit und Wiederholung.

          Von der Wissenschaft zur Schönheit zur Wissenschaft

          Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, so führt Hubertus von Amelunxen im Katalog aus, werden Blüten zur genauen Begutachtung nicht mehr zwischen Buchseiten gezwängt, sondern von der Fotografie festgehalten. Zunächst zu wissenschaftlichen Zwecken, wie bei Carl Blossfeld, später auch um ihren Sex freizulegen, wie bei Robert Mapplethorpe. Bei Florschuetz gehen die Blüten darüber hinaus eine enge Beziehung zum Raum ein. In manchen Bildern liegt er hinter den Blättern frei, dann schmiegen sich die Blumen an eine Seite, oder sie verdecken ihn, weil sie sich gleichsam an die Oberfläche der Fotografie drücken um ihre Durchsichtigkeit noch zu steigern.

          Im Titel der Ausstellung steckt ein wichtiger Hinweis. So bedeutet "Ricochet" im Französischen das Wiederholen am Ende einer Strophe, oder in der Sprache des Militärs, den "Prallschuss", der in einem flachen Winkel abgegeben, dazu führt, das die Kugel mehrfach, wie über eine Bande, aufprallt. Das "Ricochieren" entspricht also etwa dem beliebten Steinchendischen auf glatten Wasseroberflächen. Nichts anderes macht Florschuetz, wenn er ähnliche Blütenmotive unter verschiedenen Blickwinkeln durch flach einfließendes Sonnenlicht im Raum fotografiert, im Bild zum Sprechen bringt und dann zu Gruppen von drei bis fünf Bildern eng nebeneinander präsentiert.

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