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Ausstellung : Hausbesetzer auf Zeit: Sammlung Haubrok in Mönchengladbach

  • -Aktualisiert am

Gregor Schneider, ur 1u 14 (Schlafzimmer), 1988 Bild: Sammlung Haubrok

Wieder einmal belebt ein Privatsammler ein halbes Museum neu: In Mönchengaldbach erfrischt Axel Haubrok mit prominenter Kunst der Gegenwart.

          „No Return. Positionen aus der Sammlung Haubrok“ heißt die Schau, mit der der Düsseldorfer Spezialist für Kapitalmarktkommunikation, Axel Haubrok, erstmals seine Kunst-Schätze lüftet. Der Kunstsammler erwarb coolste Kunst in den hippesten Galerien.

          Die Eingangshalle des Museums wirkt leer, weiß und aufgeräumt. Eine ultraweiße Doppelbank-Tisch-Kombination des jungen Bildhauers Stefan Kern lädt zum Picknick ein. „Sven“ von 98, ein Designvorschlag für Autobahnrastplätze? Und daneben Cosima von Bonins „Gertrude Jekyll“, ein zwei Jahre alter, kniehoher, vereinzelter Loden-Pilz - gefundenes Fressen für Natur-geile „arte povera“-Freaks. Dahinter bildet eine großformatige Fotoarbeit von Thomas Ruff den 92er Sternenhimmel ab. Mitten im Saal lockt ein opulentes plastisches Werk mit Köder namens „Hundemassenfang“ vom Fallensteller Andreas Slominski. Stopp. Am besten verliert man sich jetzt nicht weiter in den Tiefen der Ausstellungshalle, biegt lieber schnell rechts ab, verschwindet sogleich hinter allerlei Plastikplanen und findet sich im großen Kinosaal wieder. Platz genommen, der Film läuft.

          Ohne Ton, aber mit Bezahlung

          Wer das einstündige, lautlose Video des 33-jährigen Santiago Sierra auf der letzten Biennale in Venedig nicht gesehen hat, staunt: „133 Personen, die dafür bezahlt wurden, sich das Haar blond färben zu lassen“. Das ist provokant, voller Sarkasmus und lotet die Tiefen sozialer Abgründe und ökonomischer Grausamkeiten aus. Wozu Menschen in Not fähig sind, sich etwa vier Stunden lang gegen 70 Dollar Bezahlung die Haare blond färben zu lassen, entzückt aber nur die letzten Überlebenden der ewig totgesagten Spaßgesellschaft: Dunkelhaarige, in Venedig als Straßenverkäufer arbeitende Immigranten aus Senegal, Bangla Desh, China, Mazedonien und Süditalien ließen sich von zwei Dutzend Coiffeusen und Coiffeuren der Firma Schwarzkopf die Haare blond färben. Arrangiert als Performance eines aufklärerischen jungen Künstlers. Ist das globale Kunst, wortwörtlich sichtbarer Eingriff in lokale Identitäten? Oder ist das Glück nur blond?

          Florian Slotawa, Museumssprints, 2000, Videostills nach Museumsdurchläufen

          Dauerlauf und viel Design

          Kino beendet, und weiter im Dauerlauf durch die Ausstellungsräume. So tat es jedenfalls Florian Slotawa. Der zur Zeit auch in der Kunsthalle Mannheim präsente Künstler joggte gleich durch mehrere Großmuseen und nahm sich selbst auf Video auf - zu sehen an der Museumskasse. Was tut man nicht alles nach Diskjockey-Kunst, Wissenschafts-Allüren und anderen Kunstmoden. Doch damit nicht genug: Slotawa hat nichts mehr. Er verkaufte sein gesamtes Hab und Gut an Axel Haubrok. Und nun beglückt es den Düsseldorfer Sammler, nach und nach alles von seinem jungen Star ausstellen zu dürfen und zudem noch die Fotografien der persönlichen Bestandsaufnahme, genannt „Gesamtbesitz“. Kann ein Sammler alles besitzen oder entsteht hier nur der alte Mythos „Kunst gleich Leben“ neu?

          Schnell nach oben, schnell nach unten

          Zum Schluss ab in den Keller: an Rehbergers ambienteartigen Brancusiraum vorbei, alle Stufen hinab und drei grau bestrichene Stufen wieder hoch: Türklinke runter, rein in den Raum. Man steht in Gregor Schneiders Raum „ur 1 u 14“ von 1988. Ruhe herrscht in des Künstlers Schlafraum, vor kurzem noch Bestandteil des deutschen Pavillons der Biennale in Venedig. Haubrok hat ihn als Dauerleihgabe ins Museum verfrachtet.

          Axel Haubrok sammelt, was ihm gefällt: ausgerichtet auf die jüngere Generation, aber noch ohne erkennbaren thematischen Zusammenhang. Künstler lernt er nach eigenen Aussagen schon mal in der Frittenbude kennen, aber seine Berater sind die Galeristen, allen voran Michael Neff aus Frankfurt. Dabei will Haubrok offensichtlich der erste Sammler sein, der seine persönliche Kunstgeschichte als Folge von Anzeigen verwaltet - bezahlt von seinen Freunden, den Galeristen. Die durften nach seiner Aufforderung löhnen, 100 DM pro Seite im Katalog. Dafür konnten sie dann über ihre eigenen Freunde schreiben, die Künstler.

          Manche wollten nicht, spendeten lieber 100 DM oder waren verärgert.

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