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Ausstellung : Frank O. Gehry, Architektur als Spektakel in New York

  • -Aktualisiert am

Die neuen „Gehry-Towers” in Hannover Bild: dpa

New York und Guggenheim feiern Frank O. Gehry. Der Amerikanische Stararchitekt baut auch in Deutschland.

          2 Min.

          „Gehry, Museum und Architektur“ ist die Umschreibung für gigantischen Erfolg. Der Stararchitekt Frank O. Gehry wird derzeit wie kein anderer im Guggenheim Museum in New York gefeiert.

          Gehrys Kollege Peter Eisenman spricht unverblümt vom „Bilbao-Schock“. Er meint damit die „Auflösung der Architektur in ein Spektakel“. Das hat Gehry mit seinem Guggenheim Museum im spanischen Bilbao geschaffen. Und genau das ist auch die Ausstellung „Frank Gehry Architect“, die noch bis zum 26. August im Salomon R. Guggenheim Museum in New York gezeigt wird.

          Lange Schlangen bilden sich vor der Museumstür, wie sie sonst nur bei klassischen Kunstausstellungen zu sehen sind. Diesmal drängen die Besucher zur märchenhaften Reise durch das Leben eines kalifornischen Architekten.

          Frank O. Gehrys Guggenheim Museum in Bilbao

          Erlebte Architekturgeschichte

          Frank O. Gehrys Architektur in Modellen kreist über Frank Lloyd Wrights schneckenförmige Rampen-Galerien nach oben und verfolgen ein gigantisches Architekturwerk der vergangenen 30 Jahre.

          Die Reise beginnt mit einem berühmten „Gehry - Haus“ in Santa Monica (1. Ebene) aus den Jahren 19977/78, das jüngst restauriert wurde. Mit dem Charme eines Kaninchenverschlags hat Gebäude Architekturgeschichte gemacht und zur melancholischen Würdigung des Alltagsmaterials Maschendraht beigetragen. Die Ausstellung endet in der obersten Rampen-Ebene mit spekatulären „Opern“ aus Raum, Form und Material in Bilbao (Guggenheim Museum), Seattle (Pop Museum) oder Los Angeles (Walt Disney Konzert Halle).

          Anders formuliert: Diese Lebensreise reicht von der schönsten Harmlosigkeit von Einfamilienhäusern bis zum Exzess der Superbauten.

          Gelungene Überraschung am Rande

          Mit dieser Ausstellung wird deutlich, dass Gehrys Erfolg zu großen Teilen in Mitteleuropa gemacht wurde. Knapp zehn Projekte entstanden in Berlin, Hannover, Basel, Prag und anderswo. Darunter das Vitra Design Museum in Weil am Rhein und ein Kommunikations- und Technikcenter in Bad Oeynhausen. Beide mit kecker Skulpturalität und Raumwundern im Kleinen, die Modelle für das große Bilbao waren. Oder die drei tänzelnden Bürohäuser am Zollhof in Düsseldorf. Sie sind der Prototyp für eine neue Generation computergesteuerter Architekturentwürfe und -konstruktionen.

          Gelungene Ausstellungsdidaktik

          Weil deutlich wird, wie per Zeichnung und Gedanken diese komplizierte Architektur entstehen kann, erscheint das museumspädagogische Konzept perfekt. Das gipfelt in einem kombinierten Werkstatt- und „Andachtsraum“. Dort laden am Beispiel des „Ray und Maria Stata Center“ für die Harward University Planbücher, Tabellen, Soft Ware, Modelle und immer wieder Modelle für jeden Arbeitsschritt die Besucher zum Studium ein. Ein Architekt, der sich wie Gehry als Bildhauer begreift, braucht viel Zeit, Material und viele Menschen, um sein Kunstwerk zu generieren.

          Und darin liegt die Stärke dieser Ausstellung: Sie würdigt einen der phänomenalsten Architekten dieser Erde und verrät dabei sein Geheimnis: harte Arbeit. Gerade sie bestätigt - vielleicht unbeabsichtigt - Furcht und Neid seiner Architektenkollegen.

          Entwürfe ohne Rechten Winkel

          Alle Entwürfe von Frank O. Gehry ignorieren die althergebrachten Gesetze der Rechtwinklichkeit. Die Menge seiner Modelle wirkt in ihrer Addition wie von Krebsgeschwüren zerstörte Organismen. In der Ausstellung wird auch deutlich, dass der riesige Erfolg des Guggenheim Museums in Bilbao, mit dem Gehry international gefeiert wird, kaum noch übertroffen, sondern nur geklont werden kann. Und das gilt besonders auch für den Anlass dieser Ausstellung: das geplante neue New Yorker Guggenheim Museum am East River.

          Unter dem Strich: eine der spektakulärsten Architekturausstellungen der letzte Jahre, vor allem für New York- Kult(o)uristen.

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