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Ausstellung : Fotografie: Thomas Ruff brilliert in Baden-Baden

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Thomas Ruff, Porträt 1985 (N. Ahlers), die Farbe des Hintergrunds durfte jede Porträtierte selbst aussuchen Bild: Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

Thomas Ruff ist einer der prominentesten deutschen Fotokünstler. In Baden-Baden startet seine erste große Retrospektive.

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          Alle kennen Thomas Ruff. Er ist der Oliver Kahn der Kunstszene, weil er mehr einfängt, als nach vorne zu stürmen, weil er präzise arbeitet, nüchtern kalkuliert und stets Erfolgsserien produziert. Alle kennen Thomas Ruff, aber nur wenige haben den Überblick über sein fotografisches Werk, das sich so alltäglich gibt und in Wirklichkeit hoch komplex ist.

          Thomas Ruff ist einer der prominentesten deutschen Fotokünstler der Gegenwart. Der 43-Jährige ist seit Anfang der 80er Jahre international unterwegs. Er spielte bereits an den wichtigsten Plätzen der Welt mit: bei der Documenta in Kassel, auf der Biennale in Venedig und einzeln in Ausstellungen von New York bis Vancouver und Tokio. In über 20 Jahren hat Ruff an die 15 große Motivreihen vollendet. Zehn davon sind nun in der Baden-Badener Kunsthalle in beieindruckender Dichte ausgestellt.

          Die sachliche Bildserie hat in Deutschland Tradition

          Erstmals breitet Thomas Ruff damit fast sein ganzes Oeuvre aus. Er glänzt mit großen und kleinen Porträts, Köpfe die in seriell strenger Form frontal vor bunten Hintergründen aufmarschieren. Er zeigt Bilder von schmucklosen Großstadtrand-Gebäuden, bei denen man als erstes nur "Asbest" denkt, und dazwischen Kostproben nächtlicher Sternenhimmel, die aufregend Zeit und Raum kondensieren. Neben unscharfen Pornogirlbildern präsentiert er konspirative Nachtaufnahmen, die mit Hilfe militärischer Nachtsichtgeräte in deutschen Hinterhöfen entstanden. Es sind abfotografierte Pressebilder aus Zeitungen zu sehen und bearbeitete Polit-Plakate aus China, mit denen Ruff Propagandastrategien entlarvt. Und man sieht in riesige Gesichter, die als Doppelprojektion changieren und sich irritierend unfassbar dem menschlichen Auge darbieten.

          Thomas Ruff, Haus Nr.3 II 1988, wenn das Normale sich ins Auge brennt, sieht man es plötzlich überall
          Thomas Ruff, Haus Nr.3 II 1988, wenn das Normale sich ins Auge brennt, sieht man es plötzlich überall : Bild: Staatliche Kunsthalle Baden-Baden

          Seine Technik ist perfekt und stets auf dem neusten Stand. So nutzte Ruff früh Computer und das Internet als bilderzeugende Quellen und manipulative Instrumente, mit denen "Wirklichkeit" erzeugende Prozesse ausgeschöpft und zurückverfolgt werden können. Zuletzt bearbeitete Ruff Comicserien aus dem Internet und übersetzte sie durch mehrfaches Überblenden zu abstrakten, grell-bunt schillernden, unscharfen und riesengroßen Farbseen.

          Bei Ruff geht es stets um die Wahrheit von Blicken und Bildern

          Thomas Ruff verfolgt sehr genau politische Ereignisse und gesellschaftliche Veränderungen. Das interessiert ihn mehr als trockene Kunsttheorien. Diese Brisanz spürt man in allen seinen Bildern, die klar durchkomponiert sind und damit das Gegenteil von Schnappschüssen darstellen. Irgendwann wurde ihm bewusst, dass der Blick mit bloßem Auge keineswegs nur aufnimmt, sondern projiziert und diese Tatsache durch den Kamerablick nicht gemildert, sondern im Gegenteil noch verstärkt wird: "Während meiner Arbeit an den Porträts wurde mir plötzlich klar, dass Fotografie immer ein Konstrukt desjenigen ist, der sich hinter der Kamera befindet. Bei den Porträts musste ich erstmals entscheiden, wie die Person ins Bild gesetzt, was für Licht benutzt werden und wie sich die Person vor der Kamera verhalten sollte."

          "Thomas Ruff lässt die Kamera die konstruktiven Paradoxien unseres tagtäglichen Sehens entfalten" stellt Matthias Winzen in dem begleitenden Katalogbuch fest, der Ruffs ganzes Werk als OEuvrekatalog zusammenfasst. Der Künstler verhält sich deutlich indifferent gegenüber konventionellen Bildinhalten. Das irritiert und legt die Frage nahe, was daran Kunst sei. Ruff überrascht mit genau durchkalkulierten Bildern, die lapidar aussehen. Stets umkreist er seine unspektakulären Motive in ausführlichen Serien. So, als wollte er sie von allen Seiten betrachten wie der Philosph seine Begrifflichkeitsrepertoire. Was daran Kunst sei? Eine konsequente Haltung nüchterner Zeitzeugenschaft, die das Stille und Tiefe dem Flüchtigen vorzieht und Fragen nach Raum, Zeit, Manipulation von Meinung und der Wahrheit von Bildern mit provozierender Nachhaltigkeit aufwirft.

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