https://www.faz.net/-gqz-3h9d

Ausstellung : Der Bauhausmeister Josef Albers zu Gast im Centre Pompidou

  • -Aktualisiert am

Josef Albers, „Homage to the Square: Apparition”, 1959 Bild: The Josef and Anni Albers Foundation

Wer war der deutsche Maler, dessen Frühwerk nun im Centre Pompidou in Paris ausgebreitet wird? Josef Albers, ein Porträt.

          Das Centre Pompidou in Paris konzentriert sich in seiner eben eröffneten Ausstellung mit Bildern des Bauhauskünstlers Josef Albers auf dessen frühe Zeit vor 1933. Der prominente Maler war der Erfinder einer Kunst, die uns lehrt, Farbe neu zu sehen. Jeder kennt seine bunten, ineinandergeschachtelten Quadrate, die er ab 1949 in den USA schuf. Wer war dieser Künstler, der einflussreich bleibt, bis heute?

          Albers versuchte Farbe in ihrer Vieldeutigkeit zwischen Rationalität und Sensibilität bewusst zu erfahren. Damit ist seine Kunst, wie Albers berühmte „Hommage to the Square“ beweisen, vollkommen unabhängig von Stilen.

          Vor dem Ersten Weltkrieg war der Maler zunächst Volksschullehrer in Bottrop. 1913 ging er zum Kunststudium nach Berlin und München und landete schließlich 1920 am Bauhaus in Weimar. Nach der Übersiedlung des Bauhauses nach Dessau wird Albers dort 1925 zum „Meister“ ernannt und beginnt zu lehren. Aus dieser Frühzeit stammen die Bilder, die das Centre Pompidou jetzt ausbreitet.

          Josef Albers, „Fabric”, 1926, Centre Pompidou

          Seine Quadrate sind seine Marke

          Als das Bauhaus nach 1933 von den Nationalsozialisten geschlossen wird, emigriert Albers zusammen mit Lyonel Feininger und Laszlo Moholy-Nagy in die Vereinigten Staaten. Hier baut er am Black Mountain College in North Carolina ein neues „Bauhaus“ auf. Albers' Kunstauffassung übte von hier aus einen ungeheuren Einfluss auf nachfolgende Künstlergenerationen nicht nur in den Vereinigten Staaten aus.

          Seit 1949 huldigt Josef Albers dem Quadrat. Aus einer systematischen Beschäftigung mit Linie, Raum, Fläche und Farbe beginnt er seine Serie quadratischer Farbräume, die er „Hommage to the Square“ nennt. In einer Übersichtsausstellung werden 1965 mehr als 40 dieser Bilder im Museum of Modern Art in New York vorgestellt.

          Farben konsequent auf den Grund gegangen

          Albers' Farbquadrate sind Meditationen über Farbe. Die geometrischen Formfelder sind nach genau festgelegten Horizontal- und Vertikaleinteilung von je zehn Einheiten auf der Bildfläche platziert. Bestanden die frühen Bilder dieser Serie noch aus jeweils vier ineinander ruhenden Quadraten, so reduziert Albers seine Farbharmonien am Ende auf drei Stufen, die einem festen Schema folgen: Das zentrale, gelbe Quadrat sitzt mittig im unteren Drittel der Leinwand und wird von einem größeren, graugrünen Quadrat, von einem olivgrünen und einer grassgrünen Grundierung hinterfangen. Die Abstände zum Bildrand entsprechen nach oben jeweils eineinhalb Schrittabständen, während sich die Abstände am unteren Rand zu halben Schritten verdichten.

          Gewichtung

          Durch die Gewichtung der ineinander liegenden Quadrate im unteren Bilddrittel erhält vor allem die Farbe Gewicht. Die rhythmisierte Maßeinteilung erzeugt den Eindruck von Tiefe und Räumlichkeit. So wirken die Farben plastisch. Eine jede scheint vor der anderen zu liegen, beziehungsweise in weiterer Entfernung von ihr. Obwohl die Farben für jeden Betrachter nachvollziehbar plan auf der Fläche sitzen, scheint die einzelne Farbe die nächst größere Stufe von hinten zu überstrahlen. Plastischer Tatbestand und psychische Wirkung stehen im Widerspruch.

          Schein und Sein

          Anstelle des emotionalen Herstellungsprozesses und der subjektiv-spontanen Aussage, wie sie die action-painter liebten, treten objektivierende, statische Elemente in den Vordergrund. Aber die Wirkung der Farben bleibt auratisch und entzieht sich jeglicher Festlegung: „Nur der Schein trügt nicht“ (Albers). Albers' Quadrat stellt Gewissheiten in Frage.

          Ab 1950 leitet der Künstler die Design-Abteilung der Yale University und wird bei dieser Gelegenheit zum Professor ernannt. Daneben übernimmt er verschiedene Gastdozenturen in Ulm, Harvard, Princeton und weiteren amerikanischen Universitäten. Nach zahlreichen Ausstellungen und Auszeichnungen stirbt Albers 1976 mit 88 Jahren in New Haven.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Herbert Diess : Der Drängler von Volkswagen

          VW-Chef Herbert Diess hat klare Vorstellungen von der Zukunft der Branche. Die will er durchsetzen. Dabei entdeckt er auch Sympathien für Greta Thunberg.

          Fußball-Nationalmannschaft : Deutschlands Sprung ins ziemlich kalte Wasser

          Die nun junge deutsche Mannschaft steht vor der ersten Bewährungsprobe: Zum Auftakt der EM-Qualifikation wartet ein niederländisches Team, das den Umbruch bereits hinter sich hat. Dabei steht viel auf dem Spiel.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.