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Ausstellung : Berlin zeigt bisher größte Holocaust-Ausstellung

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Häftlingskleidung aus dem Konzentrationslager Ravensbrück Bild: AP

Dem nationalsozialistischen Völkermord an den Juden ist im Berliner Historischen Museum eine umfangreiche Ausstellung gewidmet.

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          Mehr als fünfeinhalb Jahrzehnte nach dem Ende des Dritten Reiches wird in Deutschland die bisher umfassendste Ausstellung über den Holocaust gezeigt. Im Zentrum Berlins, wo die Ermordung von Millionen europäischer Juden geplant und gesteuert wurde, zeichnet das Deutsche Historische Museum mit der Schau „Holocaust - Der nationalsozialistische Völkermord und die Motive seiner Erinnerung“ bis zum 9. April den Leidensweg der Juden nach, von der Diskriminierung in der Weimarer Republik bis zum Tod in den Konzentrationslagern im Osten Europas.

          Nur wenige Tage nach dem Ende der Berliner Wehrmachtsaustellung werde nun in der Hauptstadt der Blick auf die Opfer gerichtet, sagte der Museumsdirektor Hans Ottomeyer vor der Eröffnung. Anlass der Ausstellung im Kronprinzenpalais am Boulevard Unter den Linden ist der 60. Jahrestag der berüchtigten Wannsee-Konferenz, jenes Treffens am 20. Januar 1942 im Berliner Vorort Wannsee, bei dem 20 Ministerialbeamte unter Leitung von Reinhard Heydrich die „Endlösung der Judenfrage“ einleiteten.

          Hinweise und Hinterlassenschaften

          Gleich einer Indizienkette reiht die Schau Hunderte von Objekten und Dokumente von Opfern und Tätern aneinander. Damit soll vor allem jungen Menschen das Unfassbare vor Augen geführt werden. Der Massenmord an den Juden geschah am hellen Tag - wer sehen wollte, der konnte sehen. Penibel zählt ein öffentlicher Aushang der NSDAP-Ortsgruppe Herborn all jene Lebensmittel auf, die von der Familie Salomon vor ihrer „Evakuierung“ beschlagnahmt wurden und dem NS-Hilfswerk zugute kommen sollten. Eine Grafik aus dem „Völkischen Beobachter“ erklärt, welche Ehen nach den Nürnberger Rassegesetzen erlaubt waren.

          Anklagebank der Nürnberger Kriegsverbrecherprozesse

          Es sind aber vor allem die von den Opfern zurückgelassenen Alltagsgegenstände, bei denen der Betrachter den Schmerz der Abwesenheit empfindet: Der Teddybär eines kleinen Mädchens, das in der Gaskammer von Auschwitz in den Tod ging, eine alte Geige, ein leerer Koffer, Familienfotos und Blechspielzeug. Wenige Meter weiter dann, unter Glas, die Dose mit dem Todesgas Zyklon B, eine Lüftungsklappe aus dem KZ Auschwitz und die schriftliche Erlaubnis für den Lagerkommandanten Rudolf Höss, sich in Dessau eine neue Ladung mit Zyklon-Dosen abzuholen. Wenige Schritte weiter eine Tora-Rolle, eine Thermoskanne und ein Holzschuh - nach der Befreiung in den Baracken gefunden.

          Zweiter Teil der Ausstellung: Vergangenheitsbewältigung

          Etwas ratlos zeigt sich der Kurator Burkhard Asmuss bei der Frage, warum 56 Jahre vergehen mussten, bis in Deutschland der Völkermord in seiner ganzen Dimension für ein großes Publikum dargestellt wird. „Da bin ich der falsche Ansprechpartner“, sagt er und verweist auf die Jahre der Verdrängung nach 1945, in denen die Deutschen nur langsam der Dimension des Massenmordes gewahr werden wollten. Der „Vergangenheitsbewältigung“ im öffentlichen Leben, in Kunst und Kultur ist der zweite Teil der Schau gewidmet.

          Dazu zählt Propagandamaterial der DDR, worin gegen das „braune Haus von Bonn“ agitiert wird, oder der Staudte-Film „Die Mörder sind unter uns“ mit Hildegard Knef, der erstmals offen die NS-Verbrechen ansprach. Stummer Zeuge jener Zeit ist die Bank, auf der die NS- Angeklagten beim Nürnberger Kriegsverbrechertribunal saßen. „Besser spät als gar nicht“, sagt der Historiker Reinhard Rürup vom Berliner NS-Dokumentationszentrum „Topographie des Terrors“ zum Zeitpunkt der Schau.

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