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Ausspähen für jedermann : Wikileaks stellt Abhörkatalog zusammen

  • -Aktualisiert am

Im zurückblickenden Film (“The Fifth Estate“) nehmen es Julian Assange (Benedict Cumberbatch, links) und Daniel Domscheit-Berg (Daniel Bruehl) noch mit der Politik auf. Heute geht es Assange um die Unternehmen. Bild: dpa

Die Spähaffäre wird zwar als politisches Problem diskutiert. Doch nicht nur die Technologie kommt häufig aus der Hand privater Unternehmen. Sie ließe sich auch ebenso gut dort einsetzen.

          Vielleicht will man ja nur ein paar ruhige Nächte verbringen, in einem Hotel, das allein schon durch seine Größe Anonymität garantiert, das mit einem gigantischen Kasino im Keller für Ablenkung sorgt und mit schnellem, kostenlosem Internet die grundlegende Wünsche an die moderne Zivilisation befriedigt. Das Personal wird, wenn es gut ist, seinem Gast alle Wünsche von den Augen ablesen. Das funktioniert heute so: Der Hotelbetreiber muss bei der Firma „Qosmos“ vorstellig werden und ein Gerät namens „ixMachine“ kaufen.

          Mit ihm lässt sich der Datenverkehr seines Hauses, den die Gäste mit ihren Geräten verursachen – jeder zivilisierte Mensch trägt heute mindestens zwei internetfähige Geräte mit sich –, nach bis zu 4500 Kriterien untersuchen. Schmeckte das Essen? Ist das Bett bequem? Was will der Gast erleben? Diese Fragen lassen sich per „Deep Packet Inspection“ beantworten. Die „ixMachine“ schafft zwanzig Gigabit pro Sekunde. Wenn das Hotel nicht größer ist als eine gewöhnliche Buchmesse, steht der Überwachung mit dem Bauteil von der Größe eines Videorecorders nichts im Wege. Trägt der Gast seine Geräte nicht bei sich, muss das Hotel ihn abhören.

          Die Maschine entwirrt Stimmenwirrwar

          VoicegridX“ heißt das Angebot des „Speech Technology Center“. Aus zehntausend Audiostreams wird per Stimmfarbenanalyse jeder Gast wiedererkannt. Dazu müssten im Hotel zehntausend Mikrofone verteilt werden. Kameras sind ja schon da. „Vision Analytics“ heißt das zu ihnen passende Angebot von „A.i. Solve“. Menschen automatisiert zählen, wiedererkennen und klassifizieren – biometrisch und sozioökonomisch. Will man noch Genaueres wissen, muss man auf das Angebot „ClearTrail“ der gleichnamigen Firma zurückgreifen: WLan-Verbindungen entdecken, Verschlüsselung überwinden, Spysoftware installieren, Daten ausspähen, bevor sie für ihren Weg durchs Internet verschlüsselt werden.

          Es ist eine beeindruckende Liste von Werbebroschüren, die Wikileaks am Mittwoch veröffentlicht hat. Vertraulich ist fast keines der Dokumente. Auch nicht das der Firma „Medav“, die mit den Logos von zwei deutschen Bundesministerien darauf hinweist, dass nachrichtendienstliche Überwachung nicht nur in der Entscheidungsfindung von Militärs hilfreich ist, sondern auch im „national policymaking“.

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