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Googles Konzernumbau : Die Kapitulation

  • -Aktualisiert am

Im Kern eine Anzeigenagentur: Die Google-Konzernzentrale in Mountain View, Kalifornien. Bild: dpa

Aus Google wird jetzt Alphabet. Aber ist das wirklich der nächste geniale Einfall aus dem Silicon Valley? Oder nicht doch eher ein Akt der Verzweiflung? Über einen Konzern, der mit sich selbst hadert.

          Die Bombe, die Google jetzt platzen ließ, ist überschwenglich gefeiert worden. Und das sowohl auf den Finanzmärkten wie von Technologie-Experten. Google, so lautete die Nachricht der Woche, wird sich in eine neue Holding namens Alphabet verwandeln. Das Unternehmen wird nicht mehr länger allein davon leben, eine Suchmaschine zu sein, zu der eigenständige Firmen gehören, die Googles wachsende Anstrengungen auf Gebieten wie Gesundheit, Energie und Transport vorantreiben.

          Der Deal, heißt es, wird viele Problemen auf einmal lösen, die Google akut beschäftigen – angefangen von der fehlenden Transparenz bei der finanziellen Ertragslage bis hin zu den Schwierigkeiten, Talente an sich zu binden. Schon erstaunlich, wie ein offenbar derartig dysfunktionales Unternehmen es geschafft hat, so lange so gut zu funktionieren.

          Und trotzdem lässt die Verkündung von Alphabet mehr auf Verzweiflung als auf Chuzpe schließen: Googles eigentliche Probleme sind nämlich strukturell. Sie lassen sich nicht durch unternehmerischen Willen allein lösen, selbst wenn der Wirbel rund um den Deal tatsächlich vorübergehend verschleiert, in welchem Ausmaß Googles Datenmonopol wächst.

          Alphabet – was für ein schönes Beispiel unternehmerischer Schönheitschirurgie! Jetzt wird deutlich sichtbar, was jeder schon seit einer Weile wusste: Die Gründer von Google sind erschöpft, und sie schämen sich wirklich sehr für ihr Kerngeschäft. Anzeigen zu verkaufen, das ist ja letztlich kein Business, für das man dringend einen Doktortitel aus Stanford oder vom MIT bräuchte.

          Krebs heilen, das Altern abschaffen

          Tatsächlich ist es derartig stumpfsinnig banal und unelegant, dass sämtliche Großgehirne auf der Gehaltsliste von Google jedesmal einen Identitätskrise kriegen müssen, wenn ihnen klar wird, mit welchem Geld ihre Mondlandungsprojekte finanziert werden. Die Google-Gründer hat das Anzeigengeschäft nie besonders interessiert. Aber sie haben es irgendwann als notwendiges Übel hinnehmen müssen. (Es gibt einen Forschungsaufsatz aus dem Jahr 1998, da haben sie sich sogar mit den berühmten Worten darüber beklagt, wie „die Ziele des Anzeigengeschäftsmodells nicht immer damit vereinbar sind, Nutzern eine Suchmaschine mit höchsten Ansprüchen zu bieten.“)

          Jetzt, fast zwanzig Jahre später, wollen die Gründer sich nicht mehr länger damit zufrieden geben, wenig mehr als Vertreiber automatisch generierter Anzeigen zu sein. Denn mit so etwas kann man auf Konferenzen nicht gerade groß herauskommen. Krebs zu heilen, das Altern abzuschaffen – so etwas verleiht den Gründern dagegen den Status, radikale Geeks zu sein. Und nichts anderes wollen sie, immer schon. Bill Gates, der mit seinem philantropischen Einsatz dem romantischen Problemlösungseifer der Google-Gründer am nächsten kommt, hat wenigstens Geld damit verdient, Software zu verkaufen.

          Aber nicht mal das kann Google von sich behaupten. Im Kern bleibt es ein Anzeigenunternehmen, dass zufälligerweise sehr viele Computerwissenschaftler beschäftigt. Oberflächlich betrachtet, räumt die Umstrukturierung zu Alphabet jetzt mit diesen Sorgen auf. Und zwar, indem sie die ganzen tollen Technologie-Projekte in den Vordergrund rückt, in die sich Google in letzter Zeit hineingearbeitet hat: von selbstfahrenden Autos über smarte Energie bis hin zu Gesundheit.

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