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Aus für Gentests : Erbe gut, alles gut?

Der Höhenflug von 23andMe ist vorerst gestoppt Bild: dpa

Ein Geschäftsmodell wie aus dem Science-Fiction-Film: Die kalifornische Firma 23andMe bietet Gentests zum Schnäppchenpreis. Deren Richtigkeit sei fraglich, sagte jetzt die amerikanische Gesundheitsbehörde.

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          Die kalifornische Gentest-Firma 23andMe wirbt mit einem schönen Versprechen: Sie will ihren Kunden dank eines maßgeschneiderten Gesundheitsmanagements zu einem besseren, glücklicheren Leben verhelfen. Mit dem vermeintlich glücklicheren Leben ist es nun allerdings erst einmal vorbei – und das ist eine gute Nachricht. Das Unternehmen von Anne Wojcicki, der Ehefrau des Google-Gründers Sergey Brin, darf seinen Gentest, der inzwischen nur noch 99 Dollar kostet, nicht länger vertreiben. Die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA forderte Anne Wojcicki in einem Brief auf, die Vermarktung ihres Produkts einzustellen.

          Melanie Mühl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Die Sache mit der Erbgutanalyse funktionierte bei 23andMe folgendermaßen: Wer etwas über sein Genom erfahren wollte, bestellte im Online-Store einfach ein „DNA-Kit“, registrierte sich mit einem Bar Code, damit die Ergebnisse der Genomanalyse später digital übermittelt werden konnten, schickte seine Speichelprobe zurück an 23andMe und wartete ab. Auf seiner Webseite hat 23and Me eine eindrucksvolle Liste mit jenen Merkmalen veröffentlicht, die getestet werden können. Ermittelt wurden sowohl Krankheiten, Krankheitsrisiken, Anlageträgerschaften als auch kosmetische Merkmale, weshalb man von Erbkrankheiten wie Mukoviszidose schnell auf Stichworte wie Haardichte stieß.

          Bedenken wegen der Zuverlässigkeit

          Auf Grundlage der Kunden-DNA erstellte 23andMe dann einen „Health Risk Report“, eine Art Handreichung für ein gesünderes Leben. Das liest sich zum Beispiel so: „Ihre DNA zeigt, dass sie ein erhöhtes Risiko für eine Krankheit namens Zöliakie haben (chronische Verdauungsinsuffizienz).“ Es handelt sich um eine Autoimmun-Krankheit, die durch das Protein Gluten, das in Getreidesorten wie Weizen, Gerste und Roggen enthalten ist, ausgelöst wird. Die Symptome sind Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall. An dem gesamten Vorgang war nicht ein einziger Arzt beteiligt, weder an der Aufklärung und der Entnahme der genetischen Probe noch an der Beratung und der Mitteilung des Ergebnisses.

          In dem Brief der FDA heißt es nun, dass die Richtigkeit der Testergebnisse nicht gewährleistet sei. Die Behörde befürchtet offenbar Fehldiagnosen. So könne etwa eine falsche hohe Risikobewertung für Brust- oder Eierstockkrebs die Kundin zu präventiven Maßnahmen verleiten, von intensiven Screenings bis hin zu chirurgischen Eingriffen. Von Datenschutzfragen ganz zu schweigen. Das Interesse von Versicherungen an intimsten Daten wie sie 23andMe massenweise erhebt, dürfte enorm sein.

          Herber Rückschlag auf dem Weg zur Million

          Im April diesen Jahres äußerte sich der Deutschen Ethikrat zur Zukunft der genetischen Diagnostik. In dem Papier warnt er unter anderem vor den „Direct-To-Consumer-Tests“. Die Einwilligungsfähigkeit der Betroffenen, heißt es, werde nicht geprüft. Ebenso wenig könne geprüft werden, ob die genetische Probe überhaupt von demjenigen stamme, der die genetische Diagnostik in Auftrag gebe.

          Man wundert sich jedenfalls, dass es so lange gedauert hat, bis von Behördenseite ernsthafte Bedenken am Geschäftsmodell von 23andMe geäußert worden sind. Immerhin verschickte die Firma ihren allerersten Gentest bereits 2007. Allerdings kostete er damals noch 999 Dollar, was die potentielle Kundschaft und somit das Gefahrenpotential von vornherein stark einschränkte.

          Seit 23andMe einer der Marktführer im Sammeln und Auswerten von Gen-Daten ist, liegt die Sache anders. In einem Interview mit dieser Zeitung sagte die Unternehmenssprecherin: „Wir haben mehr als 450000 genotypisierte Kunden. Wir arbeiten hart daran, so bald wie möglich die eine Million-Marke zu knacken. Von da an wollen wir fünf und dann 25 Millionen Kunden erreichen.“ So, wie es aussieht, wird daraus erst einmal nichts.

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