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Aus der McKinsey Welt : Rauf oder raus

In Kitzbühel, wo die Akademie von McKinsey steht und jedes Jahr aus 15.000 Bewerbern 220 ausgesiebt werden, zeigt sich das Motto jeder Beraterkarriere: Entweder man steigt auf, oder man steigt aus Bild: Caro/Hoffmann

Wer andere berät, glaubt fest an die eigene Überlegenheit. Wer alles besser weiß, wird nichts verstehen. Wie McKinsey, die größte Beraterfirma der Welt, an ihre Grenzen kommt.

          Sie nehmen nur die Besten und hören nicht auf, nach ihnen zu suchen. An mehr als 250 Tagen im Jahr schwärmen sie an deutsche Hochschulen aus und sichten Nachwuchs. Es ist 18.30 Uhr an diesem Wintertag in Frankfurt, als im Hörsaal des House of Finance McKinsey-Partner Thomas Poppensieker zu seinem Vortrag ansetzt. Mühelos hangelt er sich durch Handels- und Bankbücher, hybride Finanzinstrumente, Eigenkapitalrenditen. Die linke Hand in der Hosentasche, mit der rechten bedient er den Laptop. Eine dreiviertel Stunde dauert der Kompaktkurs zur Finanzkrise, der vor allem die Schilderung eines Bedarfs ist.

          Philipp Krohn

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Julia Löhr

          Wirtschaftskorrespondentin in Berlin.

          Anschließend sind Poppensiekers Kollegen mit der Lösung dran. McKinsey biete eine „einzigartige Value-Proposition“, sagen sie, ein „globales Expertennetzwerk“ und „Leading-Edge-Wissen“. Danach gibt es Häppchen und Smalltalk. Knapp vierzig Studenten sind gekommen. Strickpullover trifft auf Anthrazitanzug, Neugier auf Expertentum. Manche der Paarungen werden sich bald noch genauer kennenlernen. Die fünfzehn besten Studenten des Fachbereichs lädt McKinsey einmal im Semester in ein teures Restaurant ein.

          McKinsey nimmt für sich in Anspruch, die führende Unternehmensberatung der Welt zu sein, gemessen am Umsatz, aber auch an der Intelligenz ihrer Mitarbeiter. Knapp 9000 Berater sind es weltweit, 1300 in Deutschland. Die Bevölkerung verachtet sie, weil sie meist gerufen werden, um Arbeitsplätze zu streichen. Die Wirtschaft liebt sie. Es gibt kaum ein namhaftes Unternehmen, in dem nicht „Meckies“, wie die Mitarbeiter auch genannt werden, Bilanzen und Organisationsstrukturen analysieren. Und es gibt kaum ein Unternehmen, in dem nicht ehemalige Meckies Schlüsselpositionen besetzen. Postchef Frank Appel kommt von McKinsey, Telekom-Vorzeigefrau Claudia Nemat, Daimlervorstand Wolfgang Bernhard, der Deutschlandchef von Goldman Sachs Alexander Dibelius - die Liste ließe sich noch lange fortsetzen.

          Ein Grund für diese Durchdringung ist das berüchtigte Prinzip „Up or Out“: Wer nicht aufsteigt, scheidet aus, in bestem Einvernehmen, versteht sich. Statistisch betrachtet, wird nur jeder fünfte Einsteiger einmal Partner bei McKinsey. Die große Mehrheit geht früher oder später in die Industrie. Selbst mancher Partner wechselt noch, dann gern direkt in den Vorstand. Sie alle tragen die McKinsey-Flamme weiter, das Hohelied von der Effizienz, vom stetigen Optimieren, Verschlanken, Kostensenken. Ein perfekt funktionierender Organismus, so schien es.

          Doch die Schlagzeilen der jüngeren Vergangenheit waren wenig ruhmreich. Ex-Meckie Klaus Zumwinkel, später Chef der Deutschen Post, verschwand nach einer Steueraffäre in der Versenkung. Ex-Meckie Martin Blessing musste um Staatshilfe bitten, um die Commerzbank am Leben zu erhalten. Ex-Meckie Jürgen Kluge lieferte sich als Vorstandschef von Haniel eine öffentliche Schlammschlacht mit anderen Managern des Konzerns, die mit lauter Verlierern endete und der Frage, ob ehemalige Berater wirklich ein großes Unternehmen führen können. Oder doch nur Ratschläge geben, die andere umsetzen müssen, um dann weiterzuziehen. Kommt die Methode McKinsey also womöglich an ihr Ende?

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