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Aus der McKinsey Welt : Rauf oder raus

Mit Spannung schaut die Branche jetzt allerdings nach Amerika, wo bald ein Prozess beginnt, der das Vertrauen der Wirtschaft in McKinsey erschüttern könnte: „United States of America v. Rajat K. Gupta“. Gupta führte McKinsey weltweit über viele Jahre. Dann wechselte er in den Verwaltungsrat der Investmentbank Goldman Sachs. Und dann, vermuten zumindest die amerikanischen Behörden, soll er vertrauliche Informationen an einen Hedgefondsmanager verkauft haben, der inzwischen wegen verbotener Insidergeschäfte im Gefängnis sitzt. Gupta bestreitet die Vorwürfe, und sie beziehen sich auch nicht auf seine Zeit bei McKinsey. Trotzdem sind die Berater nervös. Unternehmen vertrauen ihnen ihr Innerstes an. Das tun sie aber nur, wenn sie sich darauf verlassen können, dass mit den Informationen vertraulich umgegangen wird.

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Wieder in Frankfurt, diesmal im McKinsey-Büro im 20. Stock des Japan-Towers, strategisch günstig gelegen, mitten im Bankenviertel. Aus welchem Fenster man auch schaut: überall bestehende oder potentielle Kunden. Im Konferenzraum, sitzt Geng Wu, ein junger Berater, ein Hoffnungsträger. Schwarzer Anzug, weißes Hemd, keine Krawatte. Es ist Freitag, der Bürotag bei McKinsey, dann kommen alle Berater von ihren Projekten zurück und erledigen Papierkram. In Berlin, erzählt Wu, erschienen manche Kollegen freitags sogar in Jeans und Pullover.

Geng Wu ist der Idealfall für McKinsey, der perfekte Kandidat, die perfekte Biographie. Er ist 26 Jahre jung, in China geboren und in Hamburg aufgewachsen. Er hat Betriebswirtschaft studiert, erst in Ingolstadt, was für eine gewisse Bodenständigkeit spricht, später an der Schweizer Eliteuni St. Gallen, was von Ehrgeiz zeugt. Er hat erst den Workshop „CEO of the Future“ absolviert, in dem Studenten ihre Vorstandsqualitäten testen, dann ein dreimonatiges Praktikum. M(K)eine Debatte auf Peter-Hahne-Niveau cKinsey hat nicht nur einen der Besten eingestellt, sondern auch einen alten Bekannten.

Seine Studienfreunde aus Ingolstadt haben Geng Wu gewarnt, als das Vertragsangebot von McKinsey kam. Er unterschrieb trotzdem. „Ich wollte in ein Unternehmen, wo man gefördert wird und etwas bewegen kann.“ Nach einem Jahr ist er mehr als zufrieden. Aber er merkt, dass das Beraterleben ihn verändert, dass er von seinen Ideen manchmal zu sehr überzeugt ist. Mehr fragen, mehr diskutieren, haben ihm seine Vorgesetzten geraten.

Bald wird Geng Wu eine Pause bei McKinsey einlegen, entweder einen MBA oder einen Doktortitel machen. Wie es danach weitergeht, weiß er noch nicht. „Es gibt ja immer die drei Optionen“, sagt er und wirkt, als würde er mit einem Kunden reden und eine der vorgedruckten Folien auf den blassgelben McKinsey-Notizblöcken mit Schlagwörtern füllen. „Entweder man bleibt in der Firma. Oder man wechselt in die Wirtschaft. Oder man gründet ein eigenes Unternehmen.“ Welche der drei Optionen für ihn die richtige sei, könne er noch nicht sagen. McKinsey dürfte jede recht sein.

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