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Aus dem ZADIK : Notizen zu Rudolf Zwirner

  • -Aktualisiert am

Peter Ludwig und Rudolf Zwirner machen Kaffeepause auf ihrer Tour durch New Yorker Künstler-Ateliers, Thanksgiving 1970. Bild: Guido Mangold

„A blond, blue-eyed German dealer from Cologne“ ersteigerte 1970 in einem New Yorker Auktionssaal für den Rekordpreis von 75.000 Dollar ein Werk von Roy Lichtenstein. Sein Name: Rudolf Zwirner.

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          Im Jahr 1959 übernahm Rudolf Zwirner den Posten Herbert von Buttlars als Leiter des Ausstellungssekretariats der zweiten Documenta in Kassel. Empfohlen hatte ihn dafür Hein Stünke, der Mitglied des Documenta-Rats war. Noch vor der Schließung der zweiten Documenta eröffnete Zwirner am 12. September 1959 in der Essener Kahrstraße54, in der Nähe des Folkwang-Museums, seine eigene Galerie, mit der er 1962 nach Köln umzog. 1961 präsentierte er in deutscher Erstausstellung Werke von Cy Twombly - und 1964 führte er über die New Yorker Galeristen Leo Castelli und Ileana Sonnabend die Pop-Art auf dem deutschen Kunstmarkt ein.

          Ob es das Erlebnis der Documenta 2 selbst war, als das eines globalen Kunstzentrums auf Zeit, oder die Erfahrung von Stünkes Graphik-Verkaufsstand dort, dass nämlich immer mehr Menschen Kunst nicht nur sehen, sondern auch kaufen wollten: Jedenfalls war die Documenta impulsgebend für Hein Stünkes und Rudolf Zwirners Idee der neuen Vermarktungsform einer Messe für moderne und zeitgenössische Kunst. Sie sollte helfen, dem dümpelnden deutschen Kunstmarkt neuen Schwung zu geben. Direkte Vorbilder waren damals die seit 1956 im Münchner Haus der Kunst veranstaltete „Deutsche Kunst- und Antiquitätenmesse“ (auf der aber fast ausschließlich alte Kunst verkauft wurde), die seit 1962 stattfindende „Stuttgarter Antiquariatsmesse“, die von den Kunstgalerien für den Graphikhandel genutzt wurde, und der 1963 von René Berger begründete „Salon international de Galeries-pilotes“. Nach ihnen konzipierten Stünke, der alte Hase und erfahrene Netzwerker, und Zwirner, der experimentier- und risikofreudige Neuling, den „Kunstmarkt Köln ’67“: Die Messe sollte den globalen Kunstmarkt für immer verändern.

          Die Kunst zu Markte tragen: Auf dem Weg zur „Wandaktie“

          Heute lässt sich nur noch schwer nachvollziehen, wie sensationell und skandalös damals die durch alle Massenmedien getragene Offenbarung war, dass die moderne Kunst auf einer Messe käuflich und eine Ware wie jede andere auch sein konnte. Angeblich soll der französische Händler-Doyen Daniel Henry Kahnweiler, so überlieferte es jedenfalls Hein Stünke, „außer sich“ gewesen sein - und gesagt haben: „Da gibt es Schweine in Deutschland, die tragen die Kunst jetzt zu Markte.“ Schuld an dieser Empörung waren vor allem die basarähnliche Präsentation der Kunstwerke und die Pflicht zur öffentlichen Auspreisung, mit der einer breiten Schicht von Interessenten die Schwellenangst genommen werden und - aus heutiger Sicht - der Mittelstand als neue Käuferschicht erschlossen werden sollte.

          Die öffentliche Auspreisung machte in den folgenden Jahren deutlich, was auch der 1967 von der Londoner Zeitung „The Times“ und dem Auktionshaus Sotheby’s erstmals erstellte (und 1971 wieder eingestellte) „Times-Sotheby-Index“ für die Kunst der Klassischen Moderne belegte: nämlich den unerhört dynamischen Preisanstieg der Kunst innerhalb kurzer Zeitspannen, angesichts dessen Willi Bongard, damals Wirtschaftsredakteur bei der „Zeit“, den pejorativen Begriff der „Wandaktie“ - als ästhetisch-dekorativer, aber wirtschaftlich wertloser, allenfalls als Wandschmuck tauglicher Aktie („Nonvaleur“) - affirmativ umwertete. Der Kunstmarkt sollte nun auch zum Investitionsmarkt werden.

          Ein Deutscher in New York: Furore im Auktionssaal

          Als Zwirners Sohn David 1993 seine New Yorker Galerie eröffnete, war das Bild seines Vaters im amerikanischen Kunstmarkt noch so präsent wie am 27. November 1970, als die „New York Times“ in einem Artikel mit dem Titel „American Pop really turns on German Art-Lovers“ über den Bieter während einer Auktion bei „Parke-Bernet“ berichtete, der mehr als jeder andere im überfüllten Saal beachtliche Aufmerksamkeit erregte: „Rudolf Zwirner, a 37 year old blond, blue-eyed German dealer from Cologne who soars to the staggering height of 7 feet.“

          Der Verfasser berichtete mit Erstaunen von heftigen Bietgefechten und davon, dass Zwirner Roy Lichtensteins „Brushstroke“ ersteigerte für die - damals astronomische - Summe von 75.000 Dollar, die bis dato noch nie für einen lebenden amerikanischen Künstler bezahlt worden war. Außerdem bot Zwirner 45.000 Dollar für Claes Oldenburgs Softskulptur „Stove“, ebenfalls ein Auktionsrekord für eine Plastik eines lebenden amerikanischen Künstlers. Die Reaktionen der amerikanischen Händlerkollegen waren alles andere als positiv. Besonders beunruhigt über diese europäische Konkurrenz zeigte sich Leo Castelli: „Americans never should have let important pieces like the Lichtensteins and Oldenburgs slip out of their hands.“

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