https://www.faz.net/-gqz-9dylb

Selbstfahrende Autos : Vorsicht ist die Mutter der Blechkiste

  • -Aktualisiert am

Die offizielle Genehmigung für Arizona ist schon erteilt

Dass allerdings die zur Sicherheit im Cockpit plazierten Menschen schnell entfernt und durch Software ersetzt werden, dagegen spricht schon die große Ablehnung in der Bevölkerung. In einer Umfrage des Pew Research Center vom März wünschte eine überwältigende Mehrheit der Amerikaner (87 Prozent), dass die Roboterautos zur Sicherheit einen Fahrzeuglenker behalten sollen.

Waymo hat angekündigt, noch dieses Jahr einen selbstfahrenden Taxidienst in Phoenix anbieten zu wollen, später auch in Detroit und Atlanta. Die offizielle Genehmigung für Arizona ist schon erteilt, Waymo tritt damit in direkte Konkurrenz zu Uber und Lyft. Und selbstfahrende Fahrzeuge werden in der Stadt Phoenix langsam, aber sicher zu einem Teil der Infrastruktur und nicht mehr Ausdruck eines individuellen Lebensstils der Fahrer.

So richtig selbstfahrend sollen die Robo-Taxis in Phoenix allerdings auch nicht werden, denn es soll laut Waymo ein „chaperone“ auf dem Fahrersitz Platz nehmen. Der Begriff lässt schmunzeln, denn er bedeutet eigentlich so viel wie „Anstandsdame“, die auf gutes Benehmen zu achten hat.

In Phoenix frustriert insbesondere das Verhalten der Robo-Autos

Vielleicht ist eine Anstandsdame für die Fahrzeuge keine so schlechte Idee: Nach vielen Monaten des Testens sind die Waymo-Autos trotz der guten Ergebnisse bei der Sicherheit eine zuverlässige Quelle für Beschwerden über ihr Verkehrsverhalten. Denn in der Übergangsphase, die der um keine Prognose verlegene Elon Musk vom Konkurrenten Tesla auf zehn Jahre taxierte, müssen sich die anderen Fahrer erst an die ansteigende Zahl der Robo-Autos um sie herum gewöhnen.

Da Waymos 600 Fahrzeuge deutlich sichtbar gekennzeichnet sind, lösen sie durch ihre auf Sicherheit trainierte Programmierung bei eiligen Zeitgenossen Frustration aus, wenn sie an Kreuzungen zu lange zögern oder sich in fließenden Verkehr nicht rasch genug eingliedern. Ihnen wurde eben jede Verkehrsregel eingraviert, auch jene, die von den meisten Menschen weitgehend ignoriert werden.

In Phoenix frustriert insbesondere das Verhalten der Robo-Autos an Stoppschildern: Sie halten dort für drei Sekunden – eine Ewigkeit für unruhige menschliche Fahrer dahinter. Einige Böswillige nutzen das Wissen um die defensive Fahrweise der Roboterautos auch zu ihrem eigenen Vorteil aus: Wer die Autos kennt und weiß, dass sie auf jeden Fall bremsen werden, drängelt sich schon mal etwas ruppiger vor. Es erinnert an das typische Benehmen von einigen Autofahrern, die es hinter Fahrschülern partout nicht aushalten können und bei jeder sich bietenden Gelegenheit vorbeiziehen müssen.

Vielleicht hat Waymo deswegen seine „Early Riders“ genannten Testnutzer verpflichtet, eine vertragliche Erklärung zu unterzeichnen: Über ihre Erfahrungen in den vorsichtigen Roboterautos haben sie demnach zu schweigen. Aber das heißt noch nicht, dass Verkehrsrüpel in Zukunft ungestraft davonkommen, denn Waymo zeichnet jedes Iota an Information auf. Google ist schließlich immer noch ein Datenkonzern.

Weitere Themen

Der Rennfahrer

FAZ Plus Artikel: Jochen Rindt : Der Rennfahrer

Vor fünfzig Jahren starb Jochen Rindt in der Parabolica-Kurve des Autodroms von Monza. Einen wie ihn, Beatles-Frisur und markantes Gesicht, hatte es bis dahin nicht gegeben – seine Ausstrahlung fasziniert bis heute. Er ist erster und einziger Weltmeister postum.

Topmeldungen

FBI-Direktor Wray am Donnerstag bei seiner Anhörung im Kapitol

Wahlen in Amerika : FBI-Direktor stellt wieder starke Einmischung Russlands fest

Sucht Russland auch 2020 die amerikanische Präsidentschaftswahl zu beeinflussen? Ja, sagt Christopher Wray. Die Aktionen richteten sich vor allem gegen Joe Biden. Für seine Einschätzung handelt sich der Chef der Bundespolizei eine öffentliche Rüge von Donald Trump ein.
Mit Atemschutz-Maske hinter der Wärmebildkamera.

Corona und die Zweifler : Der Tod ist nicht alles

Wo ist die Evidenz, fragen Corona-Skeptiker: Die Verharmlosung der Katastrophe trifft längst nicht nur Wissenschaftler ins Mark. Hinter den Sterbeziffern türmt sich eine unvorstellbare Krankheitslast.
Fulminantes Börsendebüt: Banner von Snowflake an der New Yorker Börse

Cloud Computing : „Snowflake wird ein riesiges Unternehmen werden“

Nach dem Börsengang hat Snowflake den Unternehmenswert verdoppelt. Das macht Mitgründer Benoit Dageville zum Milliardär. Mit der F.A.Z. spricht er über die Kursgewinne, den Berliner Standort und die Konkurrenz mit Amazon.

50. Todestag : Wie starb Jimi Hendrix wirklich?

Vor fünfzig Jahren starb Jimi Hendrix nach einem exzessiven Leben. Die Umstände seines Todes sind bis heute mysteriös. Versuch einer Rekonstruktion der letzten Stunden des einflussreichsten Gitarristen der Rockgeschichte.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.