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Aus dem Maschinenraum : Wie Facebook gegen den Wind segelt

  • -Aktualisiert am

Auf dem Bildschirm eines Smartphones sieht man die Appstore-Seite von Facebook. Bild: dpa

Facebook stolpert von einem Skandal in den nächsten, aber dem Aktienkurs schadet das nicht. Ende 2018 verzeichnete das soziale Netzwerk zudem mehr aktive Nutzer als jemals zuvor. Wie kann das sein?

          Es gibt keine Woche mehr, in der Facebook nicht gegen schlechte Presse ankämpfen, auf gesetzgeberische oder behördliche Sanktionen reagieren oder kleine und große Skandale kommentieren und verkraften muss. Auch in der vergangenen Woche gab es für den Werbekonzern wieder unangenehme Neuigkeiten, denn auf dem Heimatmarkt in den Vereinigten Staaten berichtete die Presse von einer bisher geheimen schwarzen Liste von Menschen, die von Facebook hinterrücks überwacht und deren Bewegungen heimlich profiliert werden. Ein ehemaliger Mitarbeiter des Unternehmens hatte dem TV-Sender CNBC von der Existenz und den Hintergründen der Liste berichtet.

          Schon vor mehr als einem Jahrzehnt soll der Konzern begonnen haben, eine Datei mit Namen von Menschen zu befüllen, die künftig vielleicht als schädlich oder gefährlich angesehen werden könnten. Darunter seien vor allem gefeuerte oder nicht mehr verlängerte Mitarbeiter und ehemalige Vertragspartner mit Insiderwissen, aber auch viele Facebook-Nutzer.

          Die Liste nennt sich intern „BOLO“ („be on lookout“), was ins Deutsche übertragen so viel bedeutet wie „auf die haben wir ein Auge“. Jede Woche sei die Datei aktualisiert worden und nach Jahren nun auf viele hundert Menschen angewachsen, deren Aufenthaltsorte man etwa über die firmeneigene Facebook-App aufzeichne.

          Selbst wenn die Medien nun einen prüfenden Blick auf Facebook werfen: Die Konzern-PR-Crew lächelt solche Veröffentlichungen professionell weg. Ein Facebook-Sprecher ließ nur wissen, „keine Person sei ohne einen guten Grund in BOLO“ gespeichert. Die Aussage trieft zwar nicht gerade von Logik, wenn man bedenkt, dass wohl erst die heimlich erhobenen Daten diesen Grund liefern. Aber immerhin äußert sich noch jemand aus dem Konzern, wenn Medienvertreter kritische Fragen stellen. Besserung mochte man jedoch nicht geloben.

          Apathie gegenüber der Branche weicht Veränderungswillen

          Allerdings zeigt sich in den Vereinigten Staaten ein schwerwiegenderes Problem, das mit ein paar beschwichtigenden Statements des digitalen Platzhirsches nicht mehr wegzudiskutieren ist. Denn seit vor einem Jahr der Cambridge-Analytica-Skandal ans Tageslicht kam, die Präsidentschaftswahl-Beeinflussung diskutiert wurde und der amerikanische Kongress Konzernchef Mark Zuckerberg vorlud, reißt die Diskussion darüber nicht ab, ob der Werbekonzern auf seinem Heimatmarkt eine zu große Macht über die Gesellschaft und die Meinungsbildung erlangt hat. Die kaum regulierte kommerzielle Alltagsüberwachung, an die Millionen Menschen längst gewöhnt sind, wird besonders an Facebook festgemacht und immer öfter in Frage gestellt. Die jahrelange Apathie gegenüber der Datenindustrie ist einem Veränderungswillen gewichen.

          Konzernchef und Multimillionär Mark Zuckerberg singt das Lied vom Ende der Privatsphäre schon lange nicht mehr, sondern versucht seit Monaten, die Bemühungen seiner Firma zu betonen, Nutzern einen gewissen Schutz der Privatheit anzubieten. Immerhin waren von dem Cambridge-Analytica-Datenskandal fast neunzig Millionen Facebook-Benutzer betroffen, deren private Informationen bei einer Politberatungsklitsche landeten und von dort weitervertickt wurden.

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