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Aus dem Maschinenraum : Der Spion, der mit dem Smartphone kam

  • -Aktualisiert am

Als das Forscherpapier zu mobilen Trackern in der Presse aufgegriffen wurde, reagierte Google sogar. Man gab den Hinweis, dass die umfangreiche Studie methodische Fehler habe. Wie es sich für ordentliche Wissenschaftler gehört, hatten die Forscher Schwierigkeiten und Unsicherheiten bei der Datenerhebung und -auswertung allerdings in ihrer Studie offengelegt. Google hebt in einem Statement hervor, dass man nicht genau wisse, ob es sich wirklich um Tracker oder vielleicht um harmlose Dienstleister handelt, die nur Fehler in Apps auswerten wollen. Das Werbeunternehmen setzt offenbar darauf, dass niemand die Studie genau betrachtet. Das aber ermöglichen die Wissenschaftler jedem Interessierten, denn neben den statistischen Ergebnisse sind auch die technischen Werkzeuge offen zugänglich.

Der Skandal um Facebook und Cambridge Analytica ist bisher nicht ausgestanden

So gut wie alle ermittelten Firmen sind nicht nur im mobilen Tracking unterwegs, sondern generierten schon Menschenprofile, als die Smartphones noch eher selten waren. Als das mobile Internet alltäglich wurde, expandierten die Tracker in die neuen Werbegefilde. Doch in den Diskussionen um Tracking geht es längst nicht mehr nur um Werbung, sondern immer stärker um die damit einhergehenden technischen Möglichkeiten der zielgerichteten Ansprache und Manipulation von Nutzern zu politischen Zwecken. Der Skandal um Facebook und Cambridge Analytica ist bisher nicht ausgestanden, die Untersuchungen um die Manipulation von Meinungen laufen auf beiden Seiten des Atlantiks noch immer. Und in den Vereinigten Staaten nahen die Midterm-Wahlen, die der politischen Dimension des Trackings zwangsläufig wieder Aufmerksamkeit verschafft.

Auch Europa wählt nächstes Jahr ein neues Parlament und hätte jetzt die Chance, sich gegen politische Meinungsmanipulationen rechtzeitig zu wappnen. Dafür war eigentlich die ePrivacy-Verordnung geplant, die dem Nutzer-Tracking europaweit engere Grenzen setzen und eine Zustimmungspflicht beim Tracking etablieren sollte. Zwar hätten die Europäer allen Grund, sich vorbeugend gegen Manipulationen der EU-Wahlen im Mai 2019 zu wappnen. In der Realität jedoch blockieren und verzögern nationale Regierungen, einschließlich der deutschen und der österreichischen, seit Monaten die Konsensbildung bei der ePrivacy-Verordnung.

Ob die ePrivacy-Verordnung nun vor den Wahlen noch ihren Weg nimmt oder nicht: Wir werden in Europa und darüberhinaus nicht umhinkommen, uns mit dem riesigen mobilen Tracking-Ökosystem und seinen Risiken auseinanderzusetzen. Man kann sich über werbefinanzierte Geschäftsmodelle und die Dominanz der amerikanischen Konzerne vorzüglich streiten, sollte dabei jedoch die technisch bedingte Nähe der Möglichkeiten von kommerzieller und politischer Manipulation nicht mehr ignorieren.

Mit dem Tracking werden neue technische Methoden der politischen Einflussnahme möglich, und der europäischen Politik sollte daran gelegen sein, dieses Einfallstor so weit und so schnell wie nur möglich zu schließen. Unsere Smartphones geben unsere Vorlieben, Verhaltensweisen und Gesinnung preis – die meisten Nutzer wissen nicht, an wen diese Informationen, ja oft nicht einmal, dass sie überhaupt transferiert werden.

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