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Spionage in der Luft : Mit dem Luftsheriff durch einen ruhigen Himmel

  • -Aktualisiert am

Passagiere am Flughafen im amerikanischen Boston. Wer von ihnen wurde wohl während seines Fluges beobachtet? Bild: AP

Zappeln macht verdächtig: Bürger der Vereinigten Staaten werden in Flugzeugen systematisch von den sogenannten Air Marshals ausspioniert. Die Gründe dafür sind mehr als fragwürdig.

          Auch wenn die gespaltene Gesellschaft in den Vereinigten Staaten kaum noch zu einer politischen Diskussion zusammenfindet: es gibt doch noch einiges, wo man sich einig ist. Dazu gehört die Transportsicherheitsbehörde TSA, die an Flughäfen für parteiübergreifende Frustration sorgt. Die ewigen Warteschlangen, die Übergriffe und die Datengier: kaum etwas ist unter Amerikanern, aber auch unter Ausländern so unbeliebt wie die TSA, von der man sich nur mit großen Summen freikaufen kann.

          Nun muss die Behörde einen neuen Skandal verkraften, der es vor allem deswegen in sich hat, weil er die eigenen Landsleute betrifft: Weit über zwei Millionen Amerikaner fliegen jeden Tag über die Grenzen oder kommen von ferne nach Hause. Durch eine Reportage des „Boston Globe“ wurde nun bekannt, dass sie mit dem geheimen Programm „Quiet Skies“ (Ruhige Himmel) beobachtet werden, wenn sie verdächtig erscheinen. Ihre Verhaltensweisen werden nach Checklisten minutiös aufgeschrieben.

          Die Kronzeugen sind die Spione selbst

          Der „Boston Globe“ hat überraschende Kronzeugen: Es sind Air Marshals, die für die TSA arbeiten. Viertausend dieser Beamten sitzen verdeckt in Flugzeugen, was sich die Vereinigten Staaten pro Jahr achthundert Millionen Dollar kosten lassen. Sie erzählten der Zeitung nicht nur von dem Programm, sondern auch von ihren Zweifeln an der Rechtmäßigkeit und Sinnhaftigkeit der Passagierausforschung. Gegenüber dem „Boston Globe“ nahmen einige von ihnen kein Blatt vor den Mund und bezeichneten die Überwachung schlicht als Zeitverschwendung. Wegen der vermuteten Illegalität von „Quiet Skies“ hatten sie bereits rechtliche Beratung angerufen.

          Es geht wie immer um Terrorabwehr. Obwohl Terrorismus nach wie vor ein ausgesprochen seltenes Phänomen ist, haben sich alle daran gewöhnt, dass fast jede Überwachungsmaßnahme damit begründet wird. Dass angesichts der unzählbar vielen Ziele eines potentiellen Terroranschlags ausgerechnet ein Flugzeug genutzt würde, ist bei rationaler Betrachtung allerdings besonders unlogisch. Nicht nur, weil Flughäfen längst zu Sicherheitszonen hochgerüstet sind, bei denen Menschen vorab elektronisch überwacht, dann begrabbelt und noch samt Gepäck durch Scanner geschoben werden. Sondern vor allem deshalb, weil eine vergleichsweise preiswerte, aber höchst effektive Sicherheitsmaßnahme mittlerweile weltweiter Standard wurde: die Sicherung der Cockpit-Türen.

          Betroffene wissen von nichts

          Doch wenn diesmal nicht die fliegenden Ausländer betroffen sind, sondern die eigenen Leute und außerdem die TSA, berichten alle amerikanischen Fernsehsender von CNN bis Fox News. Denn keiner der überwachten Passagiere befindet sich auf den überquellenden No-Fly-Listen, die das Fliegen so gut wie unmöglich machen, sondern sie sind unbescholtene Bürger. Unter den Überwachungsopfern sind absurderweise sogar Angestellte von Airlines und von Strafverfolgungsbehörden.

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