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Gescannte Autonummernschilder : So schnell du auch rollst, das digitale Auge sieht dich

  • -Aktualisiert am

In einigen Teilen Deutschlands dürfen Kfz-Kennzeichen an „Kriminalitätsschwerpunkten“ automatisch erfasst und mit Datenbanken abgeglichen werden. Bild: dapd

Auch Autokarawanen sind Datenströme: Unsere Nummernschilder werden heute längst massenweise und vollautomatisch gescannt, abgeglichen und ausgewertet. Das Recht auf unbeobachtete Mobilität ist in Gefahr.

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          Das Recht auf Auto-Mobilität ist vielen heilig. Die individuelle Freiheit, mit den eigenen vier Rädern von einem Ort zum anderen zu kommen und dabei wenig vom Staat belästigt zu werden, gehört fast schon zum deutschen Selbstverständnis. Autos haben zwar Nummernschilder, aber bislang dienten sie primär der Zustellung von Blitzer-Tickets und Parkzetteln.

          Dass die Nummernschilder mit heute längst verfügbarer Technik massenweise und vollautomatisch im normal fließenden Verkehr gescannt und ausgewertet werden können und so die individuelle Freiheit zu einem vielfältig verwertbaren Datenstrom mutiert, ist vielen Autofahrern noch nicht bewusst. Und nicht nur die Staatsmacht giert nach dem ganz großen automobilen Bewegungsprofil.

          Ist Ihr Auto eigentlich auch auf Ihren unfallfreien, in ländlicher Gegend wohnenden Großvater mit Garage zugelassen, wegen der Versicherungsprämien? Dann sollten Sie das in Zukunft ändern, denn vielleicht schon bald könnten es Ihnen die Versicherer nicht mehr so leicht machen. Wenn Ihr Auto nur zweimal im Monat bei Opa in der Garage steht, könnte das nämlich in einem System zur flächendeckenden automatisierten Erfassung und Auswertung von Fahrzeugkennzeichen unangenehm auffallen.

          300 Millionen Dollar für Scan-Systeme

          Das zeigt der Blick in die Vereinigten Staaten, den Wilden Westen der Daten, wo die kommerzielle Nutzung von Kennzeichen-Scannern bereits Realität ist. Die Kunden der dortigen professionellen Kennzeichen-Auswerter sind neben den Versicherern auch die Auto-Finanzierer, Leasingfirmen und Autoverleiher.

          Sie betreiben landesweit ganze Flotten von Scanner-Fahrzeugen, die über die Straßen und Parkplätze fahren und jedes Kennzeichen zusammen mit seinem Standort erfassen. Gespeichert wird alles, was den Scannern unter die digitalen Augen kommt.

          Der Trend zu Kennzeichen-Scannern ist in den Vereinigten Staaten auch durch staatliche Investitionen befeuert: Dreihundert Millionen Dollar flossen an die Hersteller für den Kauf solcher Systeme. Weitere Summen zahlen die amerikanischen Behörden für den Zugang zu den Daten privater Kennzeichen-Sammler. Denn die Datenbanken werden auch mit den Polizeibehörden und Geheimdiensten geteilt.

          Massenhafter Kennzeichen-Abgleich mit wenig Aufwand

          Automatische Nummernschild-Lesegeräte sind auch in Deutschland keine Exoten mehr, sie erleben vielmehr eine Renaissance. Zwar erging im März 2008 ein höchstrichterliches Urteil gegen den flächendeckenden Einsatz und automatischen Abgleich der Kennzeichen mit Fahndungsdateien, das zwei Landesgesetze für verfassungswidrig und nichtig erklärte.

          Dennoch haben die Bundesländer Brandenburg, Hessen, Baden-Württemberg, Bayern, Niedersachsen, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und in Kürze auch Berlin das polizeiliche Kennzeichen-Scannen wieder explizit erlaubt. Dazu wird nicht nur massenhaft ein nationaler Kennzeichen-Abgleich durchgeführt, sondern auch schon mal auf das internationale Schengener Informationssystem zurückgegriffen.

          Die Scanner sind unauffällig, sie sehen aus wie eine etwas größere Überwachungskamera. Dank der Umstellung der EU-Kennzeichen auf eine einheitliche, gut per Software erkennbare Schriftart ist die Technik keinen Hindernissen mehr unterworfen. Die Kosten sind überschaubar geworden, so dass es schon Parkhäuser gibt, die automatisch die Kennzeichen der ein- und ausfahrenden Autos erfassen. Das kameraartige Gerät hat nicht nur eine Videoschnittstelle, sondern liefert per Netzwerk die gescannten Kennzeichen als Datenstrom.

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