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Passagierkontrolle : Der Flughafen ist auch eine Zensurmaschinerie

  • -Aktualisiert am
Vagabundierende Terroristen oder friedliche Reisende? Nicht jeder, der seinen Computer verschlüsselt, führt Böses im Schilde.

Dass Board-Entertainment-Systeme und Drahtlosnetzwerke für Internetzugang während des Fluges angreifbar sind, ist so neu nicht: Schon im vergangenen Jahr wurden mehrere Angriffswege von Hackern auf Sicherheitskonferenzen beschrieben. Roberts und andere Forscher hatten die Schwachstellen in jahrelanger Korrespondenz mit der für Luftfahrt zuständigen Behörde erörtert, die versprochen hatte, sich der Probleme anzunehmen und die Lücken zu schließen. Selbst fundierte Vorschläge zum Abdichten von Sicherheitslöchern hatte Roberts der Luftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten unterbreitet, schließlich ist er beruflich IT-Sicherheitsberater. Nach fünf Jahren war seine Geduld am Ende, er wandte sich an die Presse.

Das wurde von den Behörden nicht goutiert. Der Überbringer der schlechten Nachricht hat nun das FBI am Hacken, das er früher in Sachen IT-Sicherheit selbst beraten hatte. Doch weil es auch in den Vereinigten Staaten nicht strafbar ist, über bestehende Sicherheitslücken im Fernsehen zu sprechen, wurde eben der Flughafen missbraucht, um Roberts einzuschüchtern. Denn hier gibt es rechtsfreie Räume, in denen man bei mitreisenden Computern jenseits der sonst üblichen rechtsstaatlichen Mittel agieren kann.

Ohnmacht und Ungewissheit

Auch die alltäglichen Fälle verweigerter Einreise folgen diesem Muster. Letzte Woche wurde über die Chefin einer Kinderhilfsorganisation berichtet, die politisch in Ungnade gefallen war und mitsamt ihren Kollegen eine Indienreise nicht antreten konnte. Betroffen waren auch die mitreisenden Journalisten, zu deren Berufsbild es allerdings seit langem gehört, dass an Flughafen-Gates die Reise zuweilen schnell enden kann. Das Auswärtige Amt möchte im Fall der Kinderhilfsorganisation nun vermitteln. Bei den Vereinigten Staaten macht sich das Auswärtige Amt nicht mehr die Mühe: Von Deutschland aus bekommen mehrere hundert Reisende pro Jahr direkt beim erhofften Abflug eine sogenannte „No-Board-Empfehlung“ für den Flug in die Staaten ausgesprochen und können faktisch nicht fliegen. Den Grund erfahren sie nicht: Ist es nur eine Verwechslung, ein Computerfehler, trägt man vielleicht den falschen Nachnamen, wird man selbst oder Bekannte oder Verwandte tatsächlich beschuldigt? Wird sich das bei der nächsten Reise wiederholen?

Aus den Snowden-Dokumenten wissen wir seit letzten Sommer, dass allein in der amerikanischen Terrorismusdatei „TIDE“ eine Million Personen verzeichnet sind. Diese absurd hohe Anzahl wird auch nicht mehr bestritten, der Wissenschaftliche Dienst des Kongresses hat Anfang April angegeben, die Personenzahl habe sich um weitere einhunderttausend Menschen erhöht. Da Datensätze innerhalb der internationalen Geheimdienst-Syndikate aber nicht selten vagabundieren, erklären sich die immer häufiger auftretenden Fälle von Einschränkungen der Reisefreiheit weltweit. Denn in „TIDE“ sind nur 25.000 Bürger der Vereinigten Staaten verzeichnet.

Die alltäglichen wie die prominenteren Fälle haben dreierlei gemein: Der Grund für die Rückweisung bleibt unklar, der Rechtsweg in der Regel verschlossen und die Ohnmacht groß.

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