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Microsoft und Google : Hippe Tech-Brillen für Krieg und Unterdrückung

  • -Aktualisiert am

Alex Kipmanvon Microsoft bei der Präsentation der HoloLens 2 in Barcelona Bild: Reuters

Mitarbeiter von Microsoft protestieren öffentlich gegen die Zusammenarbeit mit dem Militär – Google hat auf ähnliche Kritik schon reagiert.

          Nicht alle Tage kommt die Tech-Branche zu einem internationalen Stelldichein mit über 100.000 Besuchern zusammen, auf das Entwickler und Marketing-Abteilungen vieler Konzerne monatelang hinarbeiten. Wenn dann aber vor der strahlenden Produktpräsentation die eigenen Mitarbeiter öffentlichkeitswirksam meutern, kann das dem angepriesenen Produkt nachhaltig die Show vermiesen. Potentielle zukünftige Angestellte könnten sich auf der großen Tech-Messe, die doch als Mekka für die Anwerbung neuer Leute gilt, verschreckt abwenden.

          So ging es Microsoft vor der großen HoloLens-Show in der vergangenen Woche in Barcelona. Der Verkauf der zweiten Generation dieser hochauflösenden Augmented-Reality-Brille auf mehreren Kontinenten sollte glamourös starten. Doch die eigenen Leute aus dem Konzern riefen eine Rebellion aus und brandmarkten in einem öffentlichkeitswirksam plazierten Brief die enge Zusammenarbeit mit dem Militär. Die Mitarbeiter schrieben, dass sie die Technologie von „HoloLens 2“ etwa für Ärzte bei medizinischen Operationen oder für Architekten beim Hausbau entwickeln, nicht jedoch als Handlanger für Mordwerkzeuge unter Vertrag stünden.

          Google hatte eine ähnliche Diskussion um Militäraufträge im vergangenen Jahr nur mit einigen Schrammen hinter sich gebracht. Als der Konzern einen Vertrag mit dem Pentagon geschlossen hatte, um Bildmaterial von Drohnen mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz auszuwerten, unterzeichneten mehrere tausend Google-Angestellte eine öffentliche Petition dagegen. Sie forderten, man möge sich aus dem „Kriegs-Business“ heraushalten. Im Juni gab Google bekannt, seinen Vertrag mit dem Verteidigungsministerium nicht mehr zu erneuern. Der Werbe-Konzern hat keine lange Tradition in der Zusammenarbeit mit Militärs, auf die Rücksicht genommen werden müsste.

          Mitarbeiter fordern strengere ethische Richtlinien

          Die Konkurrenz bei Microsoft ließ sich von dem geschickt plazierten Protest ihrer Mitarbeiter allerdings nicht so einfach umstimmen. Traditionell wurden Kooperationen mit der amerikanischen Armee seit Gründung von Microsoft vor vier Jahrzehnten etabliert und ausgebaut. Mehr als auf jeden anderen Tech-Konzern verlässt sich das amerikanische Militär auf Microsoft-Produkte.

          Das amerikanische Verteidigungsministerium und Microsoft hatten gerade einen Vertrag über fast eine halbe Milliarde Dollar unterzeichnet, um die mit HoloLens entwickelten Techniken für virtuelle Realitäten bei Einsätzen der Armee zu integrieren. Im Vertrag steht, dass die HoloLens-Brille beim Armeeeinsatz in Waffensystemen deren „Tödlichkeit erhöhen“ werde. Das brachte einige Mitarbeiter auf die Barrikaden und passte so gar nicht zum ansonsten gepriesenen Einsatz der neuen Technik am Arbeitsplatz oder im Spielesektor.

          An die Unternehmensleitung richtete sich daher die Forderung der Microsoft-Mitarbeiter in dem offenen Brief, nicht nur den Vertrag mit dem Pentagon vom November für ungültig zu erklären, sondern auch strengere ethische Leitlinien zu entwerfen. Verbunden wurde der Brief mit einer Aufforderung an Kollegen, ihn weiterzuverbreiten und mit zu unterzeichnen, wenn man ebenfalls dagegen sei, an „Technologie für Krieg und Unterdrückung“ mitzuarbeiten.

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