https://www.faz.net/-gqz-9kft6

Microsoft und Google : Hippe Tech-Brillen für Krieg und Unterdrückung

  • -Aktualisiert am

Microsoft geht anders mit Protest um als Google

Die Microsoft-Angestellten appellierten nicht nur an den moralischen Kompass der Mitarbeiter und Kunden, sondern auch an den der Aktionäre. Man drohe durch das Augmented-Reality-Produkt zum „Kriegsgewinnler“ zu werden. Die überaus deutliche Wortwahl des Briefes verfehlte die erhoffte Wirkung nicht: Der internationale Produkt-Launch in Spanien wurde überschattet von einer Diskussion um Waffen und Gewalt, die kein Verantwortlicher und auch kein Personaler im Konzern gebrauchen konnte. Da reiste extra die halbe Chefetage mitsamt Satya Nadella als Keynote-Redner an, um die Innovationskraft und technische Vormachtstellung des Konzerns zu betonen. Doch statt über Zukunftsmärkte und hippe Augmented-Reality-Brillen reden zu können, sahen sie sich in allen Interviews mit Fragen nach Militär, Gewalt und Kriegen in der Ära Trump konfrontiert.

Natürlich versicherte Microsoft-Chef Nadella pflichtschuldig, man werde den Dialog mit den Angestellten suchen. Allerdings sehe man auch künftig keinen Grund, dem Militär Technik vorzuenthalten. Bedenkt man den HoloLens-Verkaufspreis, der in Barcelona pro Stück auf etwa 3500 Dollar für Geschäftskunden beziffert wurde, käme es den Konzern auch teuer zu stehen, die zahlungskräftigen Militärs außen vor zu lassen. Dies sei aber als eine „prinzipielle Entscheidung“ des Unternehmens zu sehen. Außerdem sei man stolz, viele Militärveteranen unter den eigenen Angestellten zu haben.

Dennoch wolle man nun mehr über „unintendierte Folgen“ von Technologien nachdenken. Wer als Mitarbeiter aus Gewissensgründen nicht an Militärprojekten mitwirken wolle, dem stände es frei, in andere Abteilungen innerhalb Microsofts zu wechseln. Vor dem Hintergrund eines gerade zur Entscheidung stehenden acht Milliarden Dollar schweren Auftrags des amerikanischen Militärs für Software, bei dem Microsoft der führende Bewerber ist, geht es dabei deutlich nur um die Besänftigung der teuren Programmierer-Talente und nicht um eine Richtungsänderung. Anders als bei Google werden ein paar protestierende Mitarbeiter von der Westküste die langjährige Politik des Konzerns also wohl nicht umwerfen.

Trend des Aufbegehrens?

Doch es wirkt so, als hätten die protestierenden Microsoft-Angestellten ihre schon länger gehegten Gewissensbisse am Beispiel des Virtual-Reality-Headsets in Worte gefasst. Dass Mitarbeiter anderer großer Tech-Konzerne es ihnen bereits vorgemacht hatten, dürfte sie bestärkt haben. Vor allem die Google-Leute machten mit mehreren öffentlichen Protesten ihrem Unmut über den eigenen Arbeitgeber Luft.

Nicht immer ging es dabei um Militärkooperationen. Aber dass ein Google-Team heimlich eine Air Force Base für Drohnen besucht, um einen Vertrag zur Zusammenarbeit vorzubereiten, wird dem Tech-Konzern so schnell nicht wieder passieren. Ob es aber schon ein Trend ist oder gar eine Änderung des Konzern-Verhaltens bewirkt, dass die Politik der Tech-Unternehmen von den stets von der Konkurrenz umworbenen Mitarbeitern kritisch hinterfragt und öffentlichkeitswirksam kommentiert wird, bleibt eine spannende Frage.

Weitere Themen

Topmeldungen

Heftige Explosion in Beirut : Eine Stadt steht unter Schock

Eine gewaltige Explosion in Beirut fordert zahlreiche Menschenleben, mehr als 2750 Personen werden verletzt. Auslöser der Detonation war eine enorme Menge Ammoniumnitrat, die ohne Vorsichtsmaßnahmen in einem Hafenlager aufbewahrt wurde.
SPD-Politiker Kevin Kühnert

SPD-Führung : Kühnert auf dem Weg

Kevin Kühnerts Ziel, der Bundestag, ist der beste Weg, um die SPD-Führung weiter rutschen zu lassen. In wessen Richtung? Dumme Frage.
Noch eine reine Idylle, soll sie bald für den nächsten „Mission: Impossible“-Teil von Tom Cruise in die Luft gesprengt werden: Die majestätisch in dreißig Metern Höhe über den Bober schwingende Stahlfachwerkbrücke des Ingenieurs Otto Intze von 1905.

Cruise bedroht Brücke : Was die Wehrmacht nicht schaffte

Mission: Unmöglich! Tom Cruise will für seinen neuen Film eines der schönsten Brückenmonumente Polens sprengen. Wenn er damit durchkommt, wäre das ein Skandal.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.