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F.A.Z.-Kolumne: Aus dem Maschinenraum : Fällt das Netz aus, droht uns die Steinzeit

  • -Aktualisiert am
Staatschefs stören die Kommunikation mit schwererem Gerät. Dieser Störsender (rechts) eignet sich eher für den privaten Gebrauch - Aufnahme von einer Messepräsentation mit Handy (links)
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          Unterwegs zu telefonieren war einst das Privileg der Reichen und Mächtigen. Die Geräte füllten den halben Kofferraum eines Oberklassewagens und hatten einen richtigen Telefonhörer. Zwar war die Gesprächsqualität der A- und B-Netze mehr rauschend als berauschend, aber in einer Zeit, in der das normale Volk noch an Telefonzellen anstand, waren Autotelefone so etwas wie materialisierte Science-Fiction.

          Mit der Digitalisierung änderte sich nicht nur die Telekommunikationstechnik grundlegend. Die GSM-Funknetze, in Deutschland D- und E-Netz genannt, revolutionierten auch das Kommunikationsverhalten. Es ist nicht klar auszumachen, wann man aufhörte, einen Ort anzurufen, sondern stattdessen eine Person kontaktierte.

          Es muss jedenfalls vor dem Jahr 2007 gewesen sein, als statistisch jeder Deutsche mehr als ein Mobiltelefon besaß. Die Permanentkontakte zwischen Menschen wurden alltäglich, mit Vertrauten zehnmal am Tag zu telefonieren, zu chatten oder SMS auszutauschen, galt nicht mehr als neurotisch.

          Sinkende Preise bei Mobilfunkmodulen

          Die nächste Welle der Mobilrevolution hat gerade begonnen und ist unauffälliger, aber nicht weniger einschneidend in ihren Auswirkungen auf unser Zusammenleben. Der Preisverfall von datenfähigen Mobilfunkmodulen und die Standardisierung der Netze führen dazu, dass diese Module in atemberaubendem Tempo in Alltagsgeräte Einzug halten.

          Der Preis für ein 3G-Datenmodul zum breitbandigen Verbinden zum Mobilnetz bewegt sich mittlerweile in der Größenordnung eines nicht allzu luxuriösen Abendessens. Für Großabnehmer gibt es SIM-Karten mit dazugehörigem Datenpaket bereits so billig, dass die monatlichen Kosten pro Anschluss vernachlässigbar werden. Ein vorläufiger Höhepunkt der abstürzenden Preisentwicklung ist ein Mobiltelefon, das neuerdings als Zeitschriftenbeilage verteilt wird, damit die Leser mit Live-Nachrichten aus der Redaktion versorgt werden können.

          Nicht nur in Smartphones oder Laptops ist die ubiquitäre Verfügbarkeit der Datenverbindung Normalität geworden, wie man heute bei jeder Zugfahrt feststellen kann. Der geringe Preis macht die drahtlose Datenübertragung attraktiv für Geräte aller Art, selbst der medizinische Büstenhalter mit Funkmodul, der Sensordaten ins Netz überträgt, wurde schon vorgestellt.

          Das Netz fürs Auto

          Seit einigen Jahren werden auch im digitalen Taschenbuchersatz, wie etwa Amazons Kindle, Datenmodule verbaut, die den permanenten Zugriff auf den Buchkatalog erlauben. Gleichgültig, wo auf der Welt sich der Leser gerade befindet, mit einem Tastendruck geschieht der digitale Zaubertrick: Das gewünschte Werk materialisiert sich in Minutenschnelle auf dem Gerät.

          War früher das Autotelefon teures Sonderzubehör für Dickschiff-Mobilisten, sind nun sogenannte „Road Side Assistance“-Systeme eine Standardoption auch in kleineren Autos. Technisch gesehen handelt es sich um ein fest eingebautes Mobiltelefon, über das vielfältige Funktionen realisiert werden. Ursprünglich ging es nur darum, die Zentrale im Falle eines Unfalls zu informieren. Da die Datenverbindung nun einmal vorhanden war, ging es bald auch um die Übermittlung von Wartungsinformationen, Concierge-Services, Firmware-Updates bis hin zum ultimativen Hipster-Feature: das Auto vom Mobiltelefon aus wiederfinden und aufschließen.

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