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Florierende Digitalspionage : Wie der Westen Überwachungsstaaten unterstützt

  • -Aktualisiert am

Überwachungskameras auf der Sicherheitsmesse „Security China 2018“ Bild: dpa

In autoritären Staaten werden Systemkritiker abgehört und ausgespäht. Die Technik dafür kommt von westlichen Unternehmen, die für ihre Söldnerdienste ordentlich entlohnt werden.

          Der Name DarkMatter tauchte im Jahr 2015 erstmals öffentlich auf und machte die Runde unter Hackern, die auf Jobsuche waren. Das Start-up in Abu Dhabi offerierte selbst für die verwöhnte IT-Sicherheitsbranche sehr großzügige Gehälter. Praktisch jeder, der durch interessante IT-Sicherheitsforschung aufgefallen war, wurde angesprochen. Es ging um Netzwerke, Firewalls, Verschlüsselung und sichere Telefone für Regierung und Unternehmen der Vereinigten Arabischen Emirate.

          Dass es aber auch um offensive Angriffswerkzeuge und Spionageoperationen ging, war spätestens kein Geheimnis mehr, nachdem 2016 eine Recherche über DarkMatter bei „The Intercept“ zu lesen war. Die Firma hatte demzufolge explizit nach fähigen Mitarbeitern gesucht, die Produkte für möglichst automatisierte Angriffe gegen Telefone, Tablets, Computer oder Überwachungskameras bauen sollten. Trotzdem heuerten viele Dutzend europäische, US-amerikanische und asiatische Informatiker, Hacker und Manager bei der Firma am Golf an. Dass DarkMatter auch eine buchstäblich dunkle Seite hat, wollten sie entweder nicht mitbekommen oder haben es ignoriert oder verdrängt – angesichts der „The Intercept“- Story und der in der Szene umgehenden Gerüchte eine ethisch fragwürdige Entscheidung.

          Wenig zimperlich

          Die Vereinigten Arabischen Emirate (UAE) waren und sind nicht gerade als zimperlich bekannt, wenn es um das Ausspionieren ihrer Gegner geht. Das Land, das sich gern als gastfreundliche Touristenattraktion präsentiert, hat nicht nur einen hochgezüchteten technisierten Überwachungsstaat gegen seine eigenen Bürger errichtet, sondern spioniert auch Besucher nach Kräften aus. In den UAE existiert kein Recht auf freie Rede und keine Pressefreiheit, wie sie im Westen in den Verfassungen verankert sind. Die Berichte von Human Rights Watch oder Amnesty aus den letzten Jahren sprechen nicht nur dazu eine deutliche Sprache, sondern auch über Folter von Gefangenen.

          Besonders betroffen sind Regimegegner, deren Smartphones seit Jahren das Ziel von Angriffen mit ausgefeilter Schadsoftware sind. Zu den bekannteren Opfern zählt der Menschenrechtler Ahmed Mansoor, dessen Telefone und Computer mehrfach mit Spionagesoftware infiziert wurden. Er wandte sich an die renommierten Forscher des kanadischen Citizenlab, die verschiedene dieser Angriffe nachweisen und auf die Geheimdienste der UAE, auf Regierungsmitglieder und deren bezahlte Helfer zurückführen konnten.

          Opfer von Überwachung: der Menschenrechtsakitivist Ahmed Mansoor mit seinen Kindern

          Die Veröffentlichungen von Citizenlab schreckten die Verantwortlichen in den UAE offenbar nicht ab, im Gegenteil: Sie gingen auf Einkaufstour bei Unternehmen wie der NSO Group, die sowohl für ihre Überwachungsdienstleistungen als auch für die Bereitschaft bekannt ist, ihre Angriffswerkzeuge auch Regimen anzudienen. Mit der Hilfe der angeheuerten Spione brachen die UEA-Verantwortlichen erneut in Mansoors iPhone ein, um Fotos, Passwörter, E-Mails, Textnachrichten und Bewegungsdaten auszuspionieren. Der Menschenrechtler wurde letztes Jahr in Abu Dhabi zu einer zehnjährigen Haft verurteilt, weil er auf Facebook Kritik an der Regierung geübt hatte.

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