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Digital gesteuerte Dienstleister : Weg mit euch, wir sind besser

  • -Aktualisiert am

„Let’s all play by the same rules“: Ein Taxifahrer protestiert gegen Uber und Co. Bild: Reuters

Simple Technologie in Kombination mit neoliberalen Geschäftsmodellen: Private Dienstleister wie der Taxianbieter Uber versprechen Profit und werden für ihren Nonkonformismus gefeiert - sie zerstören aber das Bewährte.

          Es kostet in den Vereinigten Staaten einen Dollar extra: Die „Safe Rides„-Gebühr beim Hipster-Fahrservice Uber verspricht laut Anbieter eine in der Branche vorbildliche Hintergrundüberprüfung von Fahrer und Fahrzeug sowie eine Schulung in sicherem Fahren. Dennoch ist die Haftung für Schäden beim Benutzen des Dienstes für den Anbieter kategorisch ausgeschlossen, was man durch Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen in der App per Klick bestätigen muss.

          Die angeheuerten Uber-Fahrer sind Vertragspartner, für die man allerdings das Wort Scheinselbständige naheliegend finden dürfte. Sicher ist hingegen, dass Uber keine Verantwortung für sie übernehmen möchte. Darum dreht sich aktuell die Diskussion in den Vereinigten Staaten, denn nach Unfällen und Übergriffen auf Fahrgäste haben erste Gerichtsverfahren begonnen. Das Unternehmen Uber Technologies ist nur der derzeit meistdiskutierte Auswuchs eines Phänomens, das in den USA unter dem Stichwort „Disruption“ gehandelt wird.

          Konkurrenten wie Sidecar oder Lyft wird zwar längst nicht soviel Aufmerksamkeit geschenkt, das Prinzip ist aber stets dasselbe: Im Kern geht es darum, durch aggressive Kombination von – meist eher simpler – Technologie und bis zum Anschlag neoliberalen Geschäftsmodellen etablierte Anbieter aus lukrativen Märkten zu drängen. Argumentiert wird in der Regel mit echten oder angeblichen Ineffizienzen, schlechtem Service der alteingesessenen Diensteanbieter und besserem Eingehen auf Kundenbedürfnisse. Ubers Ziel sind die Taxidienste, die tatsächlich auf den ersten Blick in vielen Weltgegenden einiges zu Wünschen übrig lassen.

          Disruptive Unternehmen

          Verdrängt wird gern, dass manchmal die ineffizient scheinenden Regulierungsmechanismen im Transportgewerbe, etwa Taxi-Lizenzen, Gebührenordnungen und Personenbeförderungsscheine, das Ergebnis eines oft viele Jahrzehnte dauernden Lernprozesses sind. Andere Dienste, die für ihre „Disruption“ gefeiert werden, weisen ähnliche Probleme auf. AirBnB etwa, ein Vermittlungsdienst für Appartments, sorgte anfangs dafür, dass Übernachten auf Reisen billiger und interessanter wurde, weil man in privaten Wohnungen unterkam, spannende Bekanntschaften machen konnte und das Reiseziel oft auf neue Weise zu entdecken lernte.

          Mittlerweile sind jedoch in vielen Städten eine große Zahl der angebotenen Unterkünfte extra für den als modern geltenden Dienst gekaufte oder angemietete Appartments, die dem lokaken Wohnungsmarkt entzogen werden, weil sie via AirBnB mehr Profit abwerfen. In Tourismus-Schwerpunkten wie Berlin sind es oft mehrere solcherart vermietete Wohnungen pro Haus, mit den entsprechenden Folgen wie Lärmbelästigung, im Hausflur vomierende Gäste und Zerfall des Nachbarschaftszusammenhalts.

          Eigentlich gibt es dafür Regulierungen, die etwa hotelartigen Betrieb in Wohngebieten genehmigungspflichtig machen – aus guten Gründen. Es gibt in der Tat kein vernünftiges Argument dafür, warum sich „disruptive“ Geschäftsmodelle wie Uber oder AirBnB diesen Regeln entziehen können sollten. Nur weil die Vermittlung der Dienstleistung über Internetplattformen geschieht, ändert sich nichts an ihrer Substanz: Es werden Personen befördert oder Appartments vermietet.

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