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Cyber-Strategie der Nato : Auf den Schlachtfeldern der Zukunft

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Verteidiger können in der physischen Welt die Kampfkraft ihres Gegners einschätzen, wenn sie Kenntnis besitzen über U-Boote, Schiffe, Flugzeuge und deren Bewaffnung oder über die logistischen Fähigkeiten, diese zu einem Schlachtfeld zu bringen. Das ist ein wesentliches Element, um die eigene Verteidigung zu planen.

Verbrauchte Digitalwaffe

Digitalwaffen haben demgegenüber für den Angreifer den Vorteil, dass ihre Wirkmacht und ihr Einsatzzeitpunkt überraschend sein können. Sich vorab dagegen zu wappnen ist in vielen Fällen schwerlich möglich, denn ihre Natur ist es oft, nicht bekannte Sicherheitslücken hinterrücks auszunutzen. Oder die Angriffswerkzeuge werden bereits vorsorglich in den gegnerischen Systemen untergebracht und warten dort versteckt auf den Einsatzbefehl.

Allerdings wird damit auch der Nachteil für den Angreifer sichtbar. Die Digitalwaffe ist nach Benutzung gewissermaßen verbraucht. Anders als etwa bei einem militärischen Raketeneinsatz, bei dem auch die Waffe selbst zerstört wird, bekommt der Gegner bei einem digitalen Angriff unweigerlich mit, auf welche Art das eigene Verteidigungssystem unterlaufen wurde. Die Vorgehensweise kann danach kein zweites Mal eingesetzt werden, sofern der Gegner die Fähigkeiten besitzt, den Angriff zu analysieren und seine Systeme entsprechend zu verteidigen.

Millionen Menschen betroffen

Das dürfte in naher Zukunft verhindern, dass digitale Waffen auf breiter Front eingesetzt werden, denn ihre Anzahl ist nicht beliebig erweiterbar. Raketen können immer neue produziert werden, sofern die betroffene Nation die finanziellen Mittel hat. Digitale Angriffswege sind jedoch limitiert und nicht beliebig oft gangbar.

Die politische Richtungsentscheidung der Nato, im digitalen Kampf nun in die Offensive zu gehen, wäre ohne Zustimmung ihres potentesten Mitglieds, den Vereinigten Staaten, nicht denkbar. Während unter dem früheren amerikanischen Präsidenten Barack Obama zumindest offiziell ein Angriffskrieg über die Netze abgelehnt wurde, ist unter Donald Trump nun eine Offensive denkbar. Sie steht im Gegensatz zu den klaren Aussagen der vorherigen Administration, wie sie der damalige „Cyber-Koordinator“ des amerikanischen Außenministeriums, Christopher Painter, vor zwei Jahren ausführte. Er sprach sich noch dagegen aus, offensive digitale Angriffe auf kritische Infrastrukturen anderer Länder auszuführen.

Trump selbst hat bisher keine Hinweise gegeben, dass ihn die neuen Nato-Bestrebungen interessieren würden. Die strategische Politik der Vereinigten Staaten in diesen Fragen dürfte von den vielen Militärs im Weißen Haus und vom Außenministerium unter Tillerson ausgehen. So wird unter dem Radar der Öffentlichkeit unser ziviles Internet zum offensiven „Operationsraum“. Betroffen sind davon Millionen Menschen, denn es sind ihre Computer und Netze, die sich die Militärs als Schlachtfeld der Zukunft auserkoren haben.

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