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Drohnen-Einsatz : Hilfsgerät mit mörderischem Image

  • -Aktualisiert am

Eine Drohne fliegt über zerstörte Häuser in Bhaktapur bei Kathmandu. Bild: Reuters

In Nepal leisten Drohnen den Hilfsteams gute Dienste. Damit rücken sie ihr schlechtes Image etwas zu recht. Dennoch muss geklärt werden, wie man Drohen einsetzen darf.

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          Man kann sie mittlerweile in allen möglichen Formen, Farben und mit vielen Funktionen kaufen oder selbst zusammenbauen, und sie können immer länger, schneller und beweglicher fliegen: Drohnen kleinerer Bauarten mausern sich nicht nur bei uns zum Verkaufsschlager, die Hersteller wittern das große Geschäft. Doch der Markt für diejenigen, die Drohnen für Bastel- oder Kunstprojekte erwerben wollen, ist noch klein im Vergleich zu den Flotten an kleinen autonomen oder halbautonomen Fliegern, die von Unternehmen und Konzernen geplant werden. Beispielsweise mit den Zielen, Luftaufnahmen in der Höhe zu machen oder eine Gelände-Bewachung zu vereinfachen, feuern sie die Produktion der Flugobjekte an. Vor allem aber sollen in Zukunft mit Hilfe von Drohnen Waren direkt zum Kunden geliefert werden können.

          Für den Hilfsgütertransport von Medikamenten oder Wasser ist man technisch allerdings bisher noch wenig gerüstet. Die Erdbebenkatastrophe in Nepal zeigte dennoch die Nützlichkeit der vielseitig einsetzbaren Drohnen: Die kleinen fliegenden Augen machten Fotos und Filme und unterstützten damit die Rettungsarbeiter in bergigen und schlecht erreichbaren Regionen. Anders als noch vor einigen Jahren, etwa für die Katastropheneinsätze bei den Erdbeben in Haiti und in Japan, werden die immer billiger verfügbaren Flugroboter zum Standard und sind kaum mehr wegzudenken. Gleich mehrere internationale Hilfsteams brachten ihre Geräte mit nach Nepal, sammelten Fotos und GPS-Daten und stellten die Überblicksaufnahmen der Erdbebengebiete auch anderen zur Nutzung bereit.

          Lenken mit Smartphone und Tablet

          Selbst Amateure beteiligten sich mit ihren privaten Drohnenfotos an den Rettungsaktionen in Nepal. Es ist keine Expertenunternehmung mehr, eine kleine Drohne zu fliegen. Gesteuert oft mit Smartphones oder Tablets, die einfach zu bedienende Interfaces anbieten, erübrigt sich langes Üben.

          Die Firma DigitalGlobe, deren Geschäft sonst Satellitenaufnahmen sind, bot zu den Nepal-Hilfsaktionen kurzerhand eine technische Plattform an, auf der professionelle und private Drohnenbilder, aber auch alle anderen von Freiwilligen gesammelten Fotos gesichtet, zugeordnet und zur Verfügung gestellt wurden. Wo sich etwa Flüchtende befinden, wohin sie sich bewegen oder wo Zerstörungen besonders heftig sind, kann solchen Aufnahmen entnommen werden. Denn anders als bei Satellitenbildern ist die Auflösung hoch genug, um nicht nur Rettungsteams Wege aufzuzeigen, sondern auch die Verteilung von Hilfsgütern zu verbessern. Die vielen Fotos werden heute mit Hilfe von Kartenmaterial und GPS-Daten automatisch genauen geographischen Positionen zugeordnet. Die teuren Helikopterflüge können damit besser organisiert werden, denn unbemannte kleine und mittelgroße Drohnen können zu Gebäuden oder schmalen Tälern fliegen, die für Helikopter unzugänglich sind.

          Information kann eben nicht nur eine Waffe in digitalen Auseinandersetzungen sein und somit politische Macht bedeuten, sondern sie ist auch ein wichtiges Mittel, um Menschen Hilfe zu leisten, sich Überblick über ein Katastrophengebiet zu verschaffen und nicht zuletzt den Medien Bilder zu liefern. Auch die Spender in aller Welt können nachvollziehen, wofür genau die Geldmittel benötigt und verwendet werden.

          Ein mörderisches Image wird poliert

          Für die Hersteller ist der Katastropheneinsatz durchaus eine Werbekampagne für ihre Produkte. Drohnen haben wegen ihres mörderischen Einsatzes durch die Militärs einen zwielichtigen Ruf, auch wenn sich zivile und militärische Flugroboter stark unterscheiden. Humanitäre Hilfsaktionen sind geeignet, ein anderes Bild von den Möglichkeiten der Technologie zu zeichnen.

          Nicht nur zivile Rettungseinsätze können die Wahrnehmung ändern: Ein Künstler zeigte in der vergangenen Woche noch ganz andere Möglichkeiten und machte Furore in New York. Er hatte eines der riesengroßen Werbeplakate von einer selbstumgebauten Graffiti-Drohne besprühen lassen. In weniger als einer Minute war die illegale Sprayaktion vollbracht und der alte Traum jedes Sprayers erfüllt – gut sichtbare, aber schwer erreichbare Wände zu „taggen“, ohne erwischt zu werden. Er entfachte aber in den Vereinigten Staaten die ohnehin schon gärende Diskussion um eine Regulierung der kleinen Luftgefährte.

          Als Künstler oder Bastler selbst ein kleines Fluggerät zu steuern fasziniert Menschen nicht erst, seit Drohnen preiswert zu haben sind. Der Traum vom Fliegen ist ja nicht auf den Pilotensitz beschränkt, sondern kann auch als Navigator vom Boden aus erfüllt werden. Bei Nachbarn stellt sich jedoch schnell ein mulmiges Gefühl ein, wenn über dem eigenen Garten Drohnen zu hören sind. Wenn aber in absehbarer Zeit ganze zivile Flotten großer Unternehmen in Betrieb gehen werden, drängen sich Fragen zur Regelung von Datenschutz- und Überwachungsfragen, Haftungs- und Versicherungsvorschriften und natürlich auch der Gefahrenabwehr auf. Diskutiert und ausgearbeitet werden solche Regeln aber erst in wenigen Staaten, sie sind erwartungsgemäß nicht einheitlich.

          Das Problem stellt sich mittlerweile weltweit, in einigen touristisch beliebten Gegenden Afrikas wurde der Einsatz von privaten Kameradrohnen bereits untersagt. Die Fragen, die beantwortet werden müssen, stellen sich dort genau wie hier: Soll jeder überall seine kleine Drohne fliegen dürfen, oder sollen manche private oder öffentliche Orte Tabu sein? Welche Regeln soll es für die Navigation, Steuerung und Autonomie von Flugrobotern geben? Wie soll Abstürzen vorgebeugt werden? Sollen die beliebten Kameraaufnahmen, die von den Fluggeräten aus gemacht werden, eingeschränkt werden? Und sollen auch Regeln für noch kleinere, nur handballengroße Drohnen gelten? Wenn diese Fragen nicht in absehbarer Zeit beantwortet werden, wird über Nacktbadestränden, Naturparadiesen und Promivillen schon sehr bald das Faustrecht gelten.

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