https://www.faz.net/-gqz-92d1o

Aus dem Maschinenraum : Auf dem Weg zum autistischen Auto

  • -Aktualisiert am

Die durch Technologien verlorengehenden Tätigkeitsfelder müssen jedoch in die Diskussionen einfließen. Denn auf nur extrapoliertem Technikfortschritt beruhende Vorhersagen von Job-Verlusten übersehen einen wichtigen Punkt: Die Geschwindigkeit der Einführung hängt auch von ihrer Akzeptanz ab. Die gesellschaftlichen Kosten umfassender Umwälzungen in der Arbeitswelt sind längst nicht mehr nur theoretisch. Je spürbarer die Bedrohungen für etablierte Beschäftigungsfelder werden, desto stärker sind Widerstände und desto mehr regulatorische Hürden werden aus den verschiedensten Gründen und auch Vorwänden errichtet.

Stärker noch als in Europa wird das Milliardengeschäft mit den großen Trucks in Amerika als eine Branche mit Millionen Beschäftigten begriffen. Neben Lieferanten und Taxifahrern sind die Jobs der Trucker daher ein Politikum. Das zeigt sich in Anhörungen im zuständigen Gremium des US-Senats: Es geht auch um die Sicherheit und um Software, die über Leben und Tod entscheidet, aber die Sicherheit der Jobs der Truck-Fahrer ist nicht minder wichtig. Schließlich ist LKW-Fahrer immer noch die Berufstätigkeit Nummer eins für amerikanische Männer ohne College-Abschluss.

Die überparteiliche Gesetzesinitiative folgt der Veröffentlichung der US-weiten Richtlinien für autonomes Fahren (Federal Automated Vehicles Policy) vor einem Jahr. Darin sind die Knackpunkte bei der Regulierung adressiert: Sicherheit, Verbraucherschutz, Versicherung und Haftung. Denn wie in Europa gibt es in den Vereinigten Staaten Landesregelungen, die voneinander abweichen. Der Vorteil des neuen Gesetzes soll die Vereinheitlichung im ganzen Land sein.

Wenn die Senatoren ihr Votum zum Gesetz abgeben, ist das erst einer der Schritte, um zu einer US-weiten Regulierung zu kommen. Denn das Abgeordnetenhaus hat ebenfalls einen Gesetzentwurf, mit dem die Senatsversion erst noch verschmolzen werden muss. Entsprechend wird auch in den Vereinigten Staaten nicht so bald ein für alle geltendes Gesetz in Kraft treten.

Es gibt jedoch einen Grund zur Eile durch ein unbestrittenes Sicherheitsproblem: Jedes Jahr kosten die für hiesige Verhältnisse oft riesigen LKWs viertausend Menschen das Leben. Und das ist noch nicht die einzige alarmierende Zahl bei Verkehrstoten. Obwohl assistiertes Fahren in verschiedenen Formen längst alltäglich ist und immer weniger Autos ohne smarten Airbag und elektronische Bremshilfe fahren, steigt die Anzahl der getöteten Menschen im US-amerikanischen Straßenverkehr. Für das Jahr 2015 ist eine Zunahme von mehr als sieben Prozent verzeichnet. In der US-Senatsanhörung wurde das als größter Anstieg der letzten fünfzig Jahre beschrieben. Laut den vorläufigen Zahlen für das Jahr 2016 ist mit einem nochmaligen substantiellen Anstieg zu rechnen.

Sprinter – der politische Newsletter der F.A.Z.
Sprinter – der Newsletter der F.A.Z. am Morgen

Starten Sie den Tag mit diesem Überblick über die wichtigsten Themen. Eingeordnet und kommentiert von unseren Autoren.

Mehr erfahren

Kein Wunder also, dass mit den neuen Roboterautos auch die Hoffnung einhergeht, weniger Verkehrstote beklagen zu müssen. Ob die Technik das jedoch in naher Zukunft schon leisten kann, ist umstritten. So setzte der Berufsverband der US-Speditionen in einer der Anhörungen auf folgende Formel: Die neuen Technologien sollen die Sicherheit erhöhen, indem sie den Fahrern behilflich sind. Dabei sollen die menschlichen Jobs aber erhalten bleiben und gleichzeitig noch deren Produktivität erhöht werden. Es klingt ein wenig nach der Quadratur des Kreises. Die wird die kommende Bundesregierung inmitten komplexer Interessensabwägungen auch finden müssen.

Weitere Themen

Topmeldungen

Krawall ohne Ende: Im Hamburger Schanzenvierteil während des G-20-Gipfels im Juli 2017

Prozess zu G-20-Krawallen : Schuldig durch Mitmarschieren?

Die Folgen der G-20-Krawalle bewegen Hamburg auch nach drei Jahren noch. Ein neuer Prozess wirft jetzt die Frage auf: Ab wann machen sich Demonstranten des Landfriedensbruchs schuldig?

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.