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Ausspähen des Surfverhaltens : Hase und Igel laufen im Netz um die Wette

  • -Aktualisiert am

All unsere Computer hinterlassen individuelle Spuren im Netz: Fingerabdrücke, die teilweise leichter zu analysieren sind als in der Forensik. Bild: AP

Alle Internetnutzer hinterlassen „Fingerabdrücke“, die der Werbeindustrie das Geschäft erleichtern. Das „Canvas fingerprinting“ lässt sich nicht mit einem Mausklick ausschalten. Dagegen regt sich Widerstand

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          Warum für die neue Tracking-Technologie im Netz der Begriff „Canvas Fingerprinting“ üblich geworden ist, will sich auf den ersten Blick nicht recht erschließen. Denn an eine Leinwand denkt man kaum zuerst, wenn man über Methoden forscht, Nutzer bei ihren Streifzügen durch das Netz zu verfolgen.

          Die aktuell diskutierte Methode, Nutzer gegen ihren Willen und ohne deren Wissen wiederzuerkennen, wenn sie von einer Website zur nächsten klicken, nutzt eine Funktion im Browser, mit der kleine Bildschnipsel nach Bedarf erzeugt werden können, gern benutzt zum Beispiel in Browser-Games. Die Funktion, die dazu verwendet wird, trägt den Namen „Canvas“, auf Deutsch Leinwand. Die spezifische Art, wie ein bestimmter Webbrowser mit einem bestimmten Betriebssystem ein solches Bild auf der virtuellen Leinwand erzeugt, ermöglicht es, mit einer hohen Genauigkeit diesen individuellen Computer wiederzuerkennen. Das kann man sich so vorstellen, als würde ein erfahrener Kunstexperte den spezifischen Pinselschwung, die Farbpigmente und die Strichdicke eines Gemäldes einem bestimmten Maler zuordnen.

          Eine Idee aus den Neunzigern

          So wird aus den Eigenheiten des Browsers ein individueller, oft einzigartiger Fingerabdruck, auf dessen Basis angepasste Werbung ausgeliefert wird. Die Canvas-Funktion war zwar nie dazu gedacht, Nutzer durchs Netz zu verfolgen, sie wird aber schlicht für diesen Zweck missbraucht. Man umgeht absichtlich die Voreinstellungen und Erweiterungen, die Nutzer in ihren Browsern aktiviert haben, um dem Tracking zu entgehen.

          Der Wettlauf zwischen Firmen, die professionell Nutzerprofile einsammeln und verwerten, und den betroffenen Netznutzern hat eine lange Geschichte und erinnert zuweilen an das Hase-und-Igel-Spiel. Die seit Jahrzehnten verwendeten Cookies kennt heutzutage so gut wie jeder. Viele entledigen sich routinemäßig oder in gewissen Zeitabständen der kleinen Dateien, um der Verfolgung zu entkommen. Fast alle Browser bieten dafür heute Optionen an. Beim Canvas Fingerprinting ist diese einfache Form der Umgehung des Trackings jedoch nicht möglich,

          da der individuelle „Fingerabdruck“ des Browsers nicht auf dem eigenen Rechner gespeichert wird, sondern beim Werbeauswerter.

          In den vergangenen Jahren entstand ein technologisches Wettrüsten, das immer neue Wege einschlug, um trotz der widerborstigen Nutzer weiter deren Bewegungen im Netz nachvollziehen zu können. Die Idee, einen individuellen Abdruck des Browsers zu bilden, wurde schon in den neunziger Jahren erprobt und seit einigen Jahren nun kommerziell verwendet.

          Pornoseitenbetreiber sind nicht erfreut

          Interessant außerhalb der technischen Ebene ist die Reaktion der Öffentlichkeit auf die Berichterstattung über das Canvas-Tracking. Es scheint, als wäre langsam eine kritische Masse an Menschen erreicht, die auf die unerwünschte Transparentmachung des eigenen Netznutzungsverhaltens erbost reagieren. Unisono und in vielen Sprachen wurde in den Kommentaren on- und offline ein Unterton deutlich: Dies ist nicht das Internet, wie wir es wollen. Bei jedem Klick verfolgt zu werden, um unsere Gewohnheiten, Absichten und Interessen nachzuvollziehen, und sei es nur, damit uns ein Werbebanner auf jede Website verfolgt, erzeugt Unwohlsein und ein Gefühl der Unfreiheit.

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