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Aus dem Maschinenraum : Roboter rücken bei Amazon vor

  • -Aktualisiert am

Noch gibt es, noch sieht man Menschen in den Lagerhallen von Amazon: Szene aus dem Verteilungszentrum Brieselang bei Berlin Bild: REUTERS

Wer über Mindestlohn streitet, sollte die Automatisierung mancher Arbeitsbereiche nicht vergessen. In den Lagerhallen von Amazon sind Roboter dabei, die Menschen zu ersetzen. Die wenigen, die bleiben, steuert die Software.

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          Es ist nun mehr als ein Jahr her, seit der große amerikanische Allesverkäufer Amazon siebenhundert Millionen Dollar auf den Tisch legte und eine Firma erwarb, die zwei zusammengehörige Produkte entwickelt: Roboter mit der passenden spezialisierten Software für die Abwicklung von Bestellungen. Die Rede ist von Kiva Systems aus Massachusetts. Nicht, dass Amazon plötzlich entdeckt hätte, dass sich eine Roboterisierung der Abläufe lohnen würde - das setzt der Gigant unter den Online-Shops schon seit Jahren um.

          Die vor zehn Jahren gegründete Firma Kiva bietet jedoch Systeme an, die ein Warenlager selbständig, parallel arbeitend und jeden Tag rund um die Uhr betreiben: Jedes der Systeme ordnet und sortiert alle Gegenstände in den Hallen und bewegt sie bei Bedarf zur gewünschten Position. Das heißt, dass kein Lagerarbeiter mehr zum Regal gehen muss, sondern jede gesuchte Ware zum richtigen Zeitpunkt direkt vor den Packplatz gefahren wird. Die Roboter von der Größe eines anständigen Rasenmähers schieben sich jeweils unter das Regal, heben es wenige Zentimeter an und befördern es zur von der zugehörigen Software festgelegten Position.

          Optimierungsziele in der Lagerlogistik

          Das ganze Lager samt der Regale ist also einem Ameisenhaufen gleich permanent in Bewegung, denn neben der Zulieferung an die Packer organisiert es sich selbständig nach der jeweiligen Lage der Bestellungen. Verpackungen und Kisten werden durch eine kleine Armee von Robotern im Lagerraum umgeschichtet. Kombiniert mit einem Hochregallager, in dem große Paletten automatisch verstaut und bewegt werden, ergibt sich ein Logistikzentrum, in dem sich erstaunlich wenige Menschen bewegen. Kunden von Kiva sind nicht nur die Riesen der Shopping-Branche, sondern auch Arzneimittellager und Ersatzteilhallen aller Art, all jene Unternehmen also, die ähnliche Optimierungsziele in der Lagerlogistik anstreben.

          Kiva ist nicht der einzige Anbieter von komplexen Robotersystemen, die nicht miteinander kollidieren sollen, immer rechtzeitig ihre Ladestation anfahren, störende Vorkommnisse sofort melden, sich jederzeit miteinander koordinieren und rechtzeitig vor Weihnachten einplanen, die Lebkuchen griffbereit weiter vorn im Lager zu stapeln.

          Größere Konkurrenten setzen technisch auch auf Schwarmkonzepte im Gegensatz zu Kivas zentraler Steuerung. Allein in den Vereinigten Staaten befassen sich über zweihundert Anbieter mit Softwareprodukten, um zahllose Lager zu verwalten und effizient zu beherrschen. Die Kombination mit Robotern ist dabei die technologische Speerspitze. Das Vorgehen der Wettbewerber ist verschieden, die Ziele der Hersteller jedoch sind identisch: Es geht darum, Arbeitskosten einzusparen und die Effizienz bei den verbliebenen Menschen drastisch zu erhöhen.

          Die große Automatisierungswelle steht hier noch aus

          Nach dem Kauf von Kiva hat Amazon zuerst die Produktion ein paar Gänge hochgeschaltet, denn allein der Robotereigenbedarf ist etwa dreimal höher als die Gesamtproduktion der Firma seit ihrer Gründung. Schätzungsweise 18.000 der weitgehend selbständig arbeitenden Maschinen werden nun für die weltweiten Amazon-Lager produziert. Der Verkauf der Systeme für interessierte Dritte wird zumindest in den Vereinigten Staaten zunächst zurückstehen müssen. In Europa baut Kiva derweil Lager für andere Versandhäuser - die große Automatisierungswelle steht hier noch aus, da die Optimierungspotentiale der menschenbetriebenen Lager noch nicht ausgereizt sind.

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