https://www.faz.net/-gqz-72tq2

Aus dem Maschinenraum : Nachtigall, ick hör dir schnorcheln

  • -Aktualisiert am

Seit der Einführung von ISDN wurden Schnittstellen zum Abhören vereinheitlicht und standardisiert. Zuständig dafür: Der weitgehend unbekannte private Verein ETSI Bild: ddp

Was ist ETSI? Ein privater Verein mit viel Macht, den kaum jemand kennt. Dabei betrifft seine Aufgabe jeden einzelnen Bürger: Es geht um die Standardisierung der Schnittstellen der vernetzten Welt zu Überwachungszwecken.

          4 Min.

          Mussten früher noch Spulentonbandgeräte in den Telefonvermittlungsstellen zu den Drähten der zu überwachenden Anschlüsse transportiert werden, reichen heute einige standardisierte Kommandos am Computer für das Anzapfen von Datenleitungen. In modernen digitalen Kommunikationssystemen wurden die Schnittstellen zum Erfassen der darüber transportierten Informationen bereits von Anbeginn mit eingebaut. Das Vorhalten dieser standardisierten Schnittstellen, aber auch der Hard- und Software zum Mitschneiden und Abfangen von Datenverkehr und Kommunikation ist in Deutschland den Telekommunikationsunternehmen gesetzlich vorgeschrieben und in der dazugehörigen Überwachungsverordnung sowie in technischen Richtlinien und Pflichtenheften genau festgelegt.

          Wie so oft im Sicherheitsbereich entwickelt die technische Verfügbarkeit von Überwachungsmethoden nicht nur ein politisches und ein faktisches Eigenleben, sondern auch eine ganz eigene Dynamik mit dem Blick fürs praktische Detail. So wurden etwa die Schnittstellen für die Überwachung in Europa darauf ausgelegt, dass fünf „berechtigte Stellen“ gleichzeitig Gespräche eines Anschlusses mitschneiden können, ohne sich gegenseitig ins Gehege zu kommen.

          Geheimdienst darf „strategisch abhören“: Kleiner Kasten genügt

          Und während polizeiliche Ermittler die einzelnen abzuhörenden Anschlüsse bei den Telekommunikationsunternehmen angeben, um die Ausleitung aller Gespräche für den gewünschten Zeitraum einzuleiten, ist dem Geheimdienst auch das sogenannte strategische Abhören erlaubt. Praktisch wird dazu bei den Telefonanbietern ein unauffälliger Kasten plaziert, der das Belauschen ganz ohne Zutun der Unternehmen ermöglicht.

          Natürlich reflektiert die stetig steigende Zahl von Überwachungsanordnungen auch die steigende Bedeutung der Kommunikationsnetze in unserem Leben. Für Strafverfolger und Dienste spielt jedoch ein anderer Aspekt eine wesentliche Rolle: Die Automatisierung der Erfassung, Verarbeitung und Auswertung funktioniert umso besser, je einheitlicher die Systeme ausgelegt sind und je weniger Medienbrüche es beim Zugriff auf die Überwachungsdaten gibt. Daher begann diese Vereinheitlichung und Standardisierung der Schnittstellen zum Abschnorcheln bereits zeitgleich mit der Einführung des digitalen Telefonnetzes ISDN.

          Bei der internationalen Standardisierung kommt ETSI ins Spiel

          Doch wer standardisiert all die universellen Schnittstellen, mit denen die moderne vernetzte Welt international überwacht wird? Es ist ein privater Verein. Dem Namen nach klingt das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (European Telecommunications Standards Institute, ETSI) wie ein Hort freundlicher Ingenieure, die zum Wohl aller die Köpfe zusammenstecken, um Kompatibilität und Interoperabilität herzustellen. Der Verein wurde 1988 gegründet, mit Sitz in Frankreich. Hier werden technische Standards, Richtlinien und Regelwerke erarbeitet und oftmals kostenlos zur Verfügung gestellt. ETSI ist über Europa hinausgewachsen und gilt längst als internationales Gremium, mit Mitgliedern aus über sechzig Staaten aller Kontinente.

          Weitere Themen

          Wird 007 eine Frau? Brodelnde Gerüchteküche um James Bond Video-Seite öffnen

          Filmpremiere : Wird 007 eine Frau? Brodelnde Gerüchteküche um James Bond

          Wer folgt Daniel Craig als James Bond im Geheimdienst Ihrer Majestät? Selten wurde einer Entscheidung in der Filmwelt mehr entgegen gefiebert als dieser. Mit dem lang ersehnten Start von Craigs wohl letztem 007-Abenteuer "Keine Zeit zu sterben" brodelt auch die Gerüchteküche wieder.

          Topmeldungen

          Kahrs saß für die SPD fast zwölf Jahre im Parlament, zwei Jahre lang saß er dem Haushaltsausschuss vor.

          Cum-Ex-Ermittlungen : Die Spur führt ins Zentrum der Hamburger SPD

          Im Cum-Ex-Skandal ist die Rolle von SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz weiterhin unklar. Nun wurde bei einem Vertrauten die Wohnung durchsucht. Weitere Beschuldigte sind ein ehemaliger Senator und eine Finanzbeamtin.
          Winfried Kretschmann am Dienstag in Stuttgart.

          Zu wenige Gemeinsamkeiten? : Kretschmann zweifelt an der Ampel

          Bei den Grünen sind viele für ein Bündnis mit der SPD. Doch der grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg hadert mit einer Koalition, die von den Sozialdemokraten angeführt wird. Die Union wäre ihm als Partner lieber.
          Der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Ralph Brinkhaus (CDU) vor Beginn der ersten Fraktionssitzung

          Liveblog Bundestagswahl : Kompromiss für Unions-Fraktionsvorsitz geplant

          Brinkhaus einziger Bewerber +++ Söder: „Ergebnis ist kein Regierungsauftrag“ +++ Habeck: „Die Frage, wer Vizekanzler wird, ist völlig irrelevant“ +++ Alle Entwicklungen zur Bundestagswahl im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.