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Aus dem Maschinenraum : Datensammler im Abwehrmodus

  • -Aktualisiert am

Für ihn ist Glenn Greenwald ein „porn-spy“: der kanadische Staatssekretär Paul Calandra im Parlament in Ottawa Bild: REUTERS

Weltweit wächst die Zahl der Geheimdienstskandale. Die staatlichen Reaktionen lassen zu wünschen übrig: In Kanada wird geleugnet während der britische GCHQ die Infrastruktur attackiert.

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          Während sich in Deutschland eine abermalige Diskussion um von Geheimdiensten abgeschnorchelte deutsche Regierungschefs entfaltet und das Opfer Gerhard Schröder nun überraschend den mangelnden Respekt der Amerikaner beklagt, scheint sich noch nicht überall herumgesprochen zu haben, dass auch andere Mitglieder heutiger und früherer Bundesregierungen Mobiltelefone nutzen. Offenbar herrscht der Glaube vor, Minister, Staatssekretäre, Wirtschaftsbosse und ihre Mitarbeiter seien strategisch weniger wichtig und beim Abhören außen vor.

          Vor allem aber könnte sich das Wahlvolk fragen, warum die politisch Verantwortlichen nur dann so etwas wie Empörung aufbringen, wenn sie selbst oder ihresgleichen betroffen sind. Die Grünen-Politikerin Claudia Roth bezeichnete das Ausspionieren politisch freundschaftlich gesinnter Spitzenpolitiker gar als „Kernschmelze unserer Demokratie“ - als wäre das tagtäglich andauernde Schnüffeln in den Daten von Millionen Betroffenen im Fußvolk nicht der eigentliche GAU.

          Der GCHQ und seine DDoS-Attacken

          Der Blick in die Zeitung bleibt jedenfalls auch nach bisher fast zweihundert Enthüllungsgeschichten aus dem Snowden-Fundus spannend und aufschlussreich, denn NSA, GCHQ & Co. überraschen die internationale Öffentlichkeit jede Woche aufs Neue mit dem Schreckenskabinett von technischen Ideen, die ihnen in den letzten Jahren einfielen und wie selbstverständlich umgesetzt wurden, um an noch mehr Daten zu kommen, in Computersysteme einzubrechen, Kommunikationssysteme zu infiltrieren oder zu sabotieren.

          Letzteres betrifft die aktuelle Enthüllung über die Praktiken des britischen GCHQ, der sogenannte DDoS-Attacken gegen Online-Aktivisten startete. Er flutete also die Leitungen zu Computern, mittels deren die Aktivisten chatten wollten, mit derart vielen Daten, dass die Kommunikation zusammenbrach. Mal abgesehen von der Frage, die kaum einer mehr stellt, nämlich was Geheimdienste eigentlich auf den Chat-Servern zu suchen hatten, bedienten sie sich dabei exakt derselben Methode, die den jugendlichen Online-Aktivisten vorgeworfen wird. Der Unterschied ist, dass dem GCHQ keine Strafen drohen. Denn Geheimdienste können offenbar Rechner sabotieren oder in sie einbrechen, wie immer sie wollen.

          WiFi-Nutzer im Fahndungsraster

          Kanada erschüttert unterdessen seit ein paar Tagen ein Skandal um das geheimdienstliche Ausspionieren von Daten, die über Hotspots an Flughäfen, in Hotels, Konferenzzentren oder Kaffeehäusern und an anderen öffentlichen Orten verschickt wurden. Ende Januar hatte der Fernsehsender CBC berichtet, dass aus den Snowden-Dokumenten hervorgehe, dass der Geheimdienst Communications Security Establishment Canada (CSEC), koordiniert mit der NSA, über WiFi-Zugangsangebote Kommunikation und Bewegungen von Tausenden Menschen nachvollzogen hat.

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