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Aus dem Maschinenraum : Das Netz wird stranguliert

  • -Aktualisiert am

Benachteiligung der Telekom für andere Unternehmen: Die Bundesnetzagentur sollte einschreiten Bild: AP

Die Bundesnetzagentur sollte Innovationen im Bereich der Telekommunikation fördern. Stattdessen betreibt sie eine Politik, die das Gegenteil bewirkt.

          Während noch immer über die Drosselungspläne der Deutschen Telekom gestritten wird und Fragen der sogenannten Netzneutralität und Diskriminierungsfreiheit abgewogen werden, steht im Vordergrund der Diskussion derzeit die Regulierung des Internetzugangs. Das Kerngeschäft der großen Netzbetreiber ist jedoch noch immer die Sprachtelefonie. Auch hier hat das Internetzeitalter seine Spuren hinterlassen und die Geschäftsmodelle umgekrempelt. Mit Voice over IP, dem Telefonieren übers Netz, lässt sich Sprachkommunikation konkurrenzlos günstig abwickeln - so günstig, dass auch die Telekom ihr Netz vollständig auf Internetprotokolle umstellt. Konkurrenten wie Telefónica haben bereits vor Jahren umgerüstet.

          Der technische Umbruch rief auch mutige Start-ups auf den Plan. Vor ein paar Jahren sind in Deutschland junge Unternehmen im Bereich der Internettelefonie gestartet und haben versucht, sich Märkte bei Privat- und Geschäftskunden zu erobern. Dazu gehört seit fast zehn Jahren die Firma sipgate, der größte unter den Anbietern, die keine bundesweit verteilte eigene Netzinfrastruktur betreiben. Über die Jahre konnte sipgate zwar einige hunderttausend Kunden gewinnen, den Großen im Markt aber noch keine nennenswerten Anteile abjagen.

          Telekom schränkt Erreichbarkeit ein

          Die Regeln, nach denen Sprachverkehr zwischen den Telefongesellschaften vermittelt wird, sind eigentlich klar und eindeutig: Über Vermittlungsknoten werden Anrufe zwischen den Netzen ausgetauscht, dem Kunden soll es egal sein können, bei welchem Anbieter er seinen Anschluss hat. Anrufen kann er jede Nummer, und umgekehrt auch angerufen werden - zumindest in der Theorie.

          Nun macht sich aber auch hier das alte Monopolistendenken breit: Die Telekom hat die Erreichbarkeit ihrer eigenen 0180-Nummern aus dem Netz von sipgate eingestellt. Sipgate-Kunden können daher etwa die verbreiteten Service-Rufnummern, die viele Unternehmen und Behörden betreiben, nicht mehr erreichen, soweit diese im marktbeherrschenden Telekom-Netz geschaltet sind. Auch die für ähnliche Zwecke genutzten 0700-Nummern von Telekom-Kunden sind derzeit nicht aus den Netzen von kleineren Konkurrenten erreichbar.

          Diskussionen um Netzneutralität

          Längst wurden im Zuge der Regulierung, die nach der Öffnung des Telefonmarktes eingeführt wurde, klare Spielregeln für diese Anrufvermittlung etabliert. Dazu gehören unter anderem die Entgelte für die Abrechnung der Anbieter untereinander, je nachdem, von wo der Anruf kommt und wohin er geht. In der Praxis ist jedoch die zuständige Regulierungsbehörde, die Bundesnetzagentur, immer wieder berechtigten Vorwürfen ausgesetzt, dass aufgrund des nach dem desaströsen Börsengang der Telekom verbliebenen Restanteils des Bundes an den Telekom-Aktien ihre Entscheidungen nicht unbedingt neutral seien, sondern den Ex-Monopolisten erheblich bevorteilen würden.

          Die Debatte kommt zu einer kritischen Zeit: Die Diskussionen um die Netzneutralität und die Gleichbehandlung von Datenpaketen, die die Telekom im Zuge ihrer neuen „Drosselkom“-Politik einschränken will, haben verstärkt die öffentliche Aufmerksamkeit auf die komplexe Thematik der Regulierung der Netze gelenkt. Nach wie vor umstritten sind auch die absichtlichen Behinderungen durch T-Mobile, Vodafone und E-plus in den Mobilnetzen, durch die eine Nutzung von Angeboten wie Internettelefonie von Wettbewerbern faktisch sabotiert wird.

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