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Aus dem Maschinenraum : Bei Softwarefehlern droht die Hungersnot

  • -Aktualisiert am

Waren besonders von dem jüngsten Computerausfall betroffen: Nutzer des staatlich subventionierten Bezahlsystems für Bedürftige Bild: AP

Was passiert, wenn unser vernetzter Alltag einmal nicht funktioniert? Ein simpler Softwarefehler hat in den Vereinigten Staaten Millionen Menschen den Einkauf im Supermarkt verwehrt. Eine Welle der Solidarität erhob sich.

          Am einkommensschwachen Rand der amerikanischen Gesellschaft, der in den Krisenjahren immer breiter geworden ist, leben die Menschen, die auf staatliche Lebensmittelhilfe angewiesen sind. „Food Stamps“ heißen die Zuschüsse zum Essenskauf immer noch, ein Begriff, der an die Nachkriegszeit erinnert, obwohl die Bezahltransaktionen längst über ein von privaten Unternehmen betriebenes digitales System namens „Electronic Benefits Transfer“, kurz EBT, abgewickelt werden.

          In der Praxis können die mittlerweile über fünfzig Millionen Menschen, die von EBT-Zuwendungen abhängig sind, im Supermarkt zum Lebensmitteleinkauf einfach ihre „EBT Card“ zur Zahlung einsetzen. Sie ähnelt einer Art staatlicher Kreditkarte und funktioniert auch so. In einem Land, das nur über ein löchriges Patchwork-Geflecht sozialer Sicherungssysteme funktioniert, sind die EBT-Karten für viele buchstäblich die Rettung vor Hunger und Mangelernährung.

          Angespannte Lage im Supermarkt

          Gegen 9 Uhr am letzten Samstag setzten die elektronischen EBT-Karten in einigen nördlichen Bundesstaaten aus. Die Haupteinkaufszeit in den großen Nahrungsmittelketten hatte noch gar nicht richtig begonnen. Anderthalb Stunden später fiel auch an der Westküste das EBT-Bezahlsystem aus, wenig später auch im Osten bis nach Florida, als bereits viele Kunden in den Läden waren. Die Lage war ohnehin angespannt, schließlich war unklar, wie sehr die EBT-Karten-Besitzer von den Haushaltsquerelen in Washington betroffen sein würden.

          In den Supermärkten ließen die Einkaufenden ihre unbezahlten Waren einfach in den Wagen stehen, die sich langsam an den Kassen stauten. Einige andere Kunden, die das EBT-System gar nicht kannten, ließen daraufhin ebenfalls ihre Waren an den Kassen stehen, denn man munkelte, der Grund für die vielen herumstehenden Einkaufswagen könnte ein Lebensmittelskandal sein. Wegen der Haushaltssperre war die Informationsseite des Gesundheitsministeriums offline, so mehrten sich über Twitter und Facebook die Gerüchte über vergiftete Lebensmittel.

          Überlastete Hilfsorganisationen

          Die vom EBT-Ausfall Betroffenen hatten kaum Informationen, warum ihre Karten nicht mehr funktionierten. Gerüchte gingen zuerst herum, dass es wohl ein Computer-Update geben würde. Angestellte in Lebensmittelläden versuchten, das Chaos zu beseitigen und die Kunden zu beruhigen: In ein paar Stunden sei der Spuk vorbei, unterdessen müssten die Bedürftigen in der ganzen Nation eben abwarten. Mehr Informationen über den Ausfall waren leider nicht zu bekommen, da die zentrale Website durch den Haushaltsstopp ebenfalls nur die Meldung anzeigte, dass sie derzeit nicht erreichbar sei.

          Binnen weniger Tage eskalierte die Situation. Die Computerprobleme waren offenbar gravierender Natur, das EBT-System blieb weiterhin offline. Suppenküchen und andere Lebensmittelausgabestellen wurden von verzweifelten EBT-Empfängern überrannt, denn ihre Vorräte gingen zur Neige. Zusammen mit neu hinzugekommenen Bundesangestellten, die durch die Haushaltssperre seit nun zwei Wochen kein Geld mehr bekommen hatten, überlasteten sie die ohnehin begrenzten Kapazitäten der Hilfsorganisationen. Vereinzelt gab es im Internet die ersten Berichte über organisierte Plünderungen von Supermärkten - im Land der Bewaffneten wurde es brenzlig.

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