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Aufregung nach Datenklau : Der große „Hacker-Super-GAU“, der gar keiner war

  • -Aktualisiert am

Youtuber Wiefels schrieb als Erklärung der Übernahme, dass „menschliches Versagen“ die Ursache gewesen sei, das sei vor allem ihm selbst zuzuschreiben. Er hätte sein zum Twitter-Account gehöriges E-Mail-Konto nicht ausreichend gesichert. Es sei dann für die Unbekannten „keine große Zauberei“ mehr gewesen, den großen Twitter-Lautsprecher des Youtubers zu übernehmen. Doch Röpcke wurde nicht müde, von einem Hack zu reden, und hatte zudem seine eigene Theorie parat, warum bei den Hunderten von aufgelisteten Politikern nur die der AfD fehlten. Denn in den penibel und fast fehlerfrei sortierten Listen von Bundestags- und Landtagsabgeordneten, deren Daten veröffentlicht wurden, hatten der oder die Unbekannten die Mandatsträger der AfD säuberlich ausgespart. Röpcke schrieb dazu in seinen Twitter-Mitteilungen, dass dies noch lange nicht darauf hinweise, AfD-Leute steckten hinter den Veröffentlichungen. Seine Einschätzung sei vielmehr, dass irgendjemand es nur so ausschauen lassen wolle.

Zum digitalen Sturmangriff in Marsch gesetzt

Doch der „Bild“-Redakteur hatte noch nicht den Vogel abgeschossen. Das schaffte erst ein Abgeordneter der Unionsfraktion aus dem Schwarzwald. Der nämlich ließ sich in der „Stuttgarter Zeitung“ allen Ernstes damit zitieren, dass Empörung allein nicht mehr reiche, man müsse nun zum „Hackback“ übergehen. Nur damit niemand auf die Idee kommen könnte, der Volksvertreter hätte keine Ahnung, wovon er spreche, erklärte er gleich selbst, was er damit meinte. Er sprach sich für einen „aktiven Gegenangriff“ aus, um „Server im Ausland, die die abgegriffenen Daten speichern, aktiv zu zerstören“.

Der Mann heißt übrigens Thorsten Frei und ist als stellvertretender Vorsitzender der Unionsfraktion nicht etwa nur ein Hinterbänkler. Die Server, die er mit einem – übrigens rechtswidrigen – Gegenschlag aktiv zerstören will, wären vor allem die von amerikanischen Konzernen wie Twitter und Tochterfirmen von Google, bei denen die Bilder und Archive der Datensammlungen teilweise noch jetzt zugreifbar sind. Nur zur Beruhigung: Bisher war aus der Unionsspitze aber noch nichts davon zu vernehmen, dass die Cybertruppen der Bundeswehr zum digitalen Sturmangriff in Marsch gesetzt werden sollen, um Mobilfunknummer und geklaute Facebook-Fotos von Politikern zu löschen.

Statt Gegenschlagsgefasel über offensive Angriffe wäre es für die Abgeordneten jetzt endlich an der Zeit, sich an die Lösung der zugrundeliegenden Probleme zu machen: eine defensive Cyber-Strategie, die sich zum einen auf die Entwicklung von sicheren, gut nutzbaren Systemen als Open-Source-Software konzentriert, und zum anderen die weit gestreute Vermittlung von Wissen über den richtigen Umgang mit digitalen Risikoprodukten. Das wäre zumindest einmal ein Anfang.

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