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Apples iCloud : Ahnungslos in der Wolke

  • -Aktualisiert am

Zugriff zur Cloud zu bekommen ist gar nicht so schwer. Bei Apple spricht man allerdings ungern von Hacks. Bild: dpa

Der jüngste Skandal um Promi-Fotos zeigt: So eine Cloud hat ganz schön viele Löcher. Vorsicht im Umgang mit Apples voreingestellten Bequemlichkeitstools ist gefragt.

          Seit Tagen findet im Netz eine wilde Hatz auf die Schuldigen statt, die einen Skandal um Fotos nackter Prominenter ins Rollen brachten. Getroffen hat es neben den abgebildeten Schauspielerinnen auch die Firma Apple, deren Dienst „iCloud“ die Opfer genutzt hatten. Doch unabhängig davon, wer die Fotos im Netz verteilt hat: Diese virtuelle Entblößung wird sicher nicht der letzte Vorfall dieser Art sein. Sie ist jedoch eine gute Gelegenheit, die Realitäten zu betrachten, die dazu geführt haben, dass Fans nun von ihren Idolen mehr zu sehen bekommen, als diese beabsichtigt hatten.

          Apples Ansatz im Wettbewerb mit Google um die Dominanz im Mobilfunkmarkt ist die möglichst reibungslose Integration mit seinen Cloud-Diensten, bekannt unter dem Namen iCloud. Das Prinzip scheint einfach: Kontakte, Bilder oder Bookmarks, die auf dem Telefon vermerkt werden, sind parallel auf Apples Servern gespeichert. Benutzt man nun auf mehreren Apple-Geräten seine Account-Daten, also Nutzername und Passwort, bleiben die Daten überall synchronisiert. Die Fotos, die mit dem Telefon gemacht wurden, sind dann ganz automatisch auf dem Tablet oder dem Computer im Büro vorhanden.

          Mit einem zweistufigen Hack zum privaten Inhalt

          Auch Kurznachrichten werden bei Apple längst über einen eigenen Cloud-Dienst abgewickelt. Nach einer Abfrage, ob der Nutzer den Dienst aktivieren will, werden automatisch Nachrichten an andere iPhone-Nutzer nur noch über iMessage geschickt. Diese höchst bequemen Funktionen abzuschalten, Apples Cloud und damit wesentliche Elemente des Geräts nicht zu benutzen erfordert Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, Komforteinbußen in Kauf zu nehmen.

          Das Cloud-Prinzip könnte man aus Nutzersicht auch so beschreiben: Vertraue deine privaten und zuweilen intimen Daten dem Hersteller des Geräts an, übertrage sie per Funk über nicht vorhersagbare Leitungen zu unbekannten Servern in turnhallengroße Speicherhallen, die von Fremden gegen unterdurchschnittliche Bezahlung bewacht werden. Doch welcher Nutzer blickt schon auf diese Weise auf seine alltäglichen Smartphone-Gewohnheiten?

          Technisch wurden die Opfer mit Hilfe eines zweistufigen Hacks um ihre Daten gebracht. Im ersten Schritt wurden die Nutzernamen der Prominenten erraten und deren iCloud-Passwörter über geschicktes Ausnutzen von Software-Lücken oder Schwächen der Wiederherstellungsprozeduren erlangt, die eigentlich für Nutzer gedacht sind, die ihr Passwort vergessen haben. Aus der iCloud wurden dann die Sicherungskopien der iPhones heruntergeladen, die in der Regel noch mal mit einem gesonderten Passwort geschützt sind. Es kann aber zum Beispiel mit einer von der Firma ElcomSoft entwickelten Software automatisiert erraten werden.

          Eine Software knackt jedes Passwort

          Diese Software wird in der Regel an Strafverfolger vermarktet, die damit an Daten von Verdächtigen gelangen wollen. Wenn es um die Datenhoheit bei iCloud geht, kommt der Aspekt hinzu, an den man sich langsam zu gewöhnen scheint: Polizei und Geheimdienste können von Apple die Herausgabe der Daten verlangen, ganz legal und unabhängig davon, ob sich die eine oder andere Truppe bezahlter Spione noch hintenrum selbst bedient. ElcomSoft ist dazu eine beliebte Alternative, denn der Kontakt zum Smartphone-Hersteller erübrigt sich, sobald man das Telefon in der Hand oder die Cloud-Zugangsdaten in Erfahrung gebracht hat.

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