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Amerika im Internet-Krieg : Wir erklären den Cyberwar für eröffnet

  • -Aktualisiert am

Laptop statt Gewehr: Der erste offizielle Cyberwar findet am Schreibtisch statt. Bild: dpa

In der vergangenen Woche wurde offiziell der erste „Cyberwar“ erklärt. Amerikas digitaler Krieg gegen den IS wird andere Staaten zur Nachahmung ermuntern. Das ist nicht gut.

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          Es war vielen Zeitungen nur eine kleine Meldung am Rande wert: Letzte Woche wurde der erste „Cyberwar“ offiziell erklärt. Kriegsgegner sind auf der einen Seite die Streitkräfte der Vereinigten Staaten gegen die IS-Milizen in Syrien auf der anderen. Die Kriegserklärung vom amerikanischen Verteidigungsminister Ash Carter richtet sich also nicht gegen einen regulären Staat und dessen Armee, sondern gegen Paramilitärs insbesondere im Gebiet um Mossul.

          Es geht diesmal nicht um die Kriegsführung mit ferngesteuerten Drohnen, die von Soldaten über Computer fernab der Ziele operiert werden, sondern um solche Angriffe, die sich direkt gegen Kommunikationsnetzwerke und Computer von Gegnern richten. Carter gab als Ziele der Operationen an, die elektronische Führung und Steuerung des IS „ausschalten und zerstören“ zu wollen, so dass sie das Vertrauen in ihre Netze verlieren. Durch Überlastung der Systeme und Unterbindung von Kommunikation sollen die Fähigkeiten des IS zur Steuerung der Kämpfer, aber auch die Kontrolle von Wirtschaft und Bevölkerung gestört werden.

          Völkerrechtliche Regeln für einen „Cyberwar“ fehlen

          Bemerkenswert an dieser offiziellen Ansage ist der Umstand, dass das Ziel der digitalen Kriegserklärung ein nichtstaatlicher Gegner ist, dem jedoch aufgrund vergangener Angriffe, etwa gegen den französischen Sender TV5 Monde, eigene Netzwerk-Offensivfähigkeiten zugeschrieben werden. Man wird also mit Gegenangriffen rechnen müssen, die sich mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht gegen die amerikanischen Militärnetze, sondern gegen verwundbare zivile Ziele im Westen richten werden.

          Dass die Vereinigten Staaten offensive elektronische Angriffstruppen für digitale Schlachtfelder eingerichtet haben, ist kein Geheimnis. Bereits seit 2013 wurden Einheiten aufgebaut, um elektronische Kriegsführung vorzubereiten. Die volle Einsatzbereitschaft ist nach Angaben von Carter für das Jahr 2018 vorgesehen. Dann werden mehr als sechstausend „Cyberkrieger“ bereitstehen, die sich aus Soldaten, Zivilisten und kommerziellen Vertragspartnern zusammensetzen sollen. Mit der Eröffnung des ersten „Cyberwars“ sind die elektronischen Angreifer der amerikanischen Armee nun keine ferne Fata Morgana mehr, sondern können als einsatzbereit gelten.

          Was allerdings formal als „Cyberwar“ gilt, welche Angriffe nach welchen völkerrechtlichen Regeln erlaubt oder verboten sind, dazu fehlen verbindliche internationale Regeln. Solche Operationen gelten bisher als geheimdienstliche Domäne. Das technische Knowhow der „Cyberwar“-Abteilungen der NSA steht durch die Snowden-Enthüllungen erstmals einer öffentlichen Debatte offen. Die geheimdienstlichen Fähigkeiten und die der Armee sind jedoch eng verwoben: Der Chef der NSA ist stets ein Militär.

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