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Auktionen in London : In London sind viele Asse im Spiel

  • -Aktualisiert am

Schöne neue Welt für Joy Division: Glenn Browns „Ornamental Despair (Painting for Ian Curtis) copied from „The Stars Like Dust“, 1986 by Chris Foss“ von 1994 ist bei Christie’s auf zwei bis drei Millionen Pfund geschätzt Bild: Katalog

Die Auktionen mit Gegenwartskunst in London sind eingerahmt von einem beeindruckenden Ausstellungs-Angebot - nicht in den Museen der Stadt, sondern bei Sotheby’s und Christie’s selbst.

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          Die Vorbereitungen zur Londoner Herbstsaison mit zeitgenössischer Kunst sind bereits heiß gelaufen - ausgehend von der Zentralsonne „Frieze Art Fair“ in der kommenden Woche. Wie jedes Jahr bieten auch die Auktionshäuser parallel ein vollgepacktes Programm. Bei Christie’s und Sotheby’s ufert es diesmal besonders aus, denn zu den üblichen Tages- und Abendveranstaltungen kommen Sonderauktionen und Verkaufsausstellungen in neuen Räumen. Sie bekunden den Anspruch der beiden Marktriesen, sich zum „One-Stop-Shop“ für jede Form kommerzieller Kunstvermittlung im Sekundärmarkt auszuweiten.

          Pop Art und Joseph Beuys

          Sotheby’s eröffnet hinter dem Traditionssitz an der New Bond Street unter dem Projektnamen „S/2“ einen neuen Ausstellungsraum mit einer Joseph-Beuys-Schau. In New York unterhält Sotheby’s schon seit September 2011 einen Showroom für den Zweig „Private Sales“ des Hauses. Auch Christie’s hat in dieser Woche einen neuen Ausstellungsraum eröffnet, in der ehemaligen Galerie Haunch of Venison an der New Bond Street. Erst im vergangenen März hatte Christie’s den Betrieb der Galerie - die seit 2007 im Besitz des Hauses ist - mit seiner Privatverkäufe-Abteilung zusammengelegt. Nun wird die Wiedereröffnung mit einer ambitionierten Überblicksschau zur britischen Pop-Art gefeiert, bei der etwa ein Viertel der rund 140 Arbeiten zum Verkauf steht.

          Der eigentliche Reigen der Zeitgenossen-Auktionen beginnt am 16. Oktober mit der Nachmittagsveranstaltung von Bonhams, angeführt von einer unbetitelten Papierarbeit Jean-Michel Basquiats, die mit ambitionierten 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund taxiert ist. Darauf folgt am selben Tag der Evening Sale bei Phillips, mit 38 Losen und einer Gesamttaxe von 13,3 bis 18,8 Millionen Pfund - einer deutlich höheren Umsatzerwartung als in den vergangenen Jahren. Das Spitzenlos ist auch bei Phillips ein Basquiat: ebenfalls „Untitled“, ist das Bild aus dem Jahr 1981 auf drei bis vier Millionen Pfund geschätzt. Das zweitteuerste Los, Gerhard Richters abstraktes Gemälde „Weiß“ von 1988 (Taxe 2,5/3,5 Millionen Pfund), führt eine ganze Phalanx von weiß-grau-schwarzen Werken an: von Anselm Kiefers „Samson und Delilah“ (600.000/ 800.000) über Siegmar Polke hin zu Christopher Wool. Dazwischen stechen die bunten Farbträume von Chris Ofili, Keith Haring und David Hockney besonders hervor.

          Asiatische Künstler sind auch vertreten

          Der Abend bei Sotheby’s am 17. Oktober beginnt mit einer separaten Auktion für „20th Century Italian Art“, mit 47 Losen von Severini bis Castellani, angeführt von einem knallgelben „Concetto Spaziale“ Fontanas (1/1,5 Millionen), das in den siebziger Jahren auch durch die Hände der Kölner Galerie Greve ging. Die sich anschließende Gegenwartskunst-Auktion bietet 49 Lose, die „im Bereich von“ 22,8 Millionen Pfund einspielen sollen. Die Spitzenposition teilen sich die drei bronzenen Figuren von Juan Muñoz’ „Conversation Piece V 1/1“, gegossen 2001, im Todesjahr des Künstlers, und Glenn Browns „Ornamental Despair (Painting for Ian Curtis) copied from „The Stars Like Dust“, 1986 by Chris Foss“: eine apokalyptische Weltraumlandschaft aus dem Jahr 1994, die im Titel dem Sänger der Band Joy Division gewidmet ist. Das Großformat wurde 2002 aus der Saatchi-Collection bei Christie’s in London für 32 900 Pfund (mit Aufgeld; die Taxe lag bei 20.000/30.000 Pfund) versteigert und befand sich seitdem in derselben Sammlung. Beide Lose sind nun mit einem Preisschild von je zwei bis drei Millionen Pfund versehen.

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